Zybach (SP): «1. August ohne Feuer: Klimaveränderung ist Realität»

Ursula Zybach
Ursula Zybach

Bern,

Im Gastbeitrag erklärt die Berner SP-Nationalrätin Ursula Zybach, warum der Klimawandel längst Realität ist und die Schweiz jetzt handeln muss.

Zybach
Ursula Zybach ist Berner SP-Nationalrätin. - zVg

Als Grossratspräsidentin durfte ich 2018 bei einer Einladung im Berner Mittelland nach meiner Rede das traditionelle 1.-August-Feuer auf dem Festplatz anzünden. Dies bleibt mir unvergesslich, denn mit der Schweiz verbindet mich mehr als nur meine Aufgaben und Ämter in der Politik.

Es war damals ein normaler Sommer und die Feuerwehr stand bereit. Dieses Jahr wird es kein Feuer und kein Feuerwerk geben und die Feuerwehren im ganzen Land sind in Alarmbereitschaft, denn es ist zu trocken. Die neue Normalität?

Man müsse jetzt nicht gleich übertreiben mit Katastrophenszenarien, meinte Bundesrat und Umweltminister Albert Rösti vor einem Monat im SRF-Tagesgespräch während der zweiten Hitzewelle. Jetzt sind wir in der vierten Hitzewelle.

An einigen Orten gab es schon mehr Hitzetage als im Jahrhundertsommer 2003 und es ist erst Anfang August. Eine Änderung ist nicht in Sicht.

Europaweit sind zehntausend Menschen zusätzlich gestorben, in Süd- und Westeuropa sind so viele Hektaren Wald und Buschland verbrannt wie seit zwanzig Jahren nicht mehr und fast eine halbe Million Menschen sind laut NZZ von den Flammen bedroht.

Zybach
Ursula Zybach zündet das traditionelle 1.-August-Feuer auf dem Festplatz an. - zVg

Die Szenarien der Klimaveränderung sind offensichtlich Realität geworden. In der Schweiz herrscht extreme Trockenheit. Es fehlt etwa ein Drittel des Niederschlages über das letzte halbe Jahr und die heisse und trockene Luft führt zusätzlich zu höherer Verdunstung; eine klare Folge des menschgemachten Klimawandels.

Die Stauseen sind bedenklich leer. Selbst prominente SVP-Bauern und Politiker sagen, eine solche Trockenheit auf der Alp habe es noch nie gegeben. Sie fordern Unterstützung, Wasser und Futter.

Ganz im Sinne von 735 Jahren Solidarität in der Eidgenossenschaft müssen wir neue Wege finden, mit den unvermeidbaren Auswirkungen der Klimaveränderung umzugehen. Diejenigen zu unterstützen, die Hilfe brauchen, war immer eine Stärke der Schweiz.

Aber gleichzeitig sollte der 1. August nicht nur Anlass sein, auf unsere gemeinsame Vergangenheit zurückzuschauen, sondern auch gemeinsam die Weichen für eine lebenswerte Zukunft zu stellen. Die Welt von morgen wird von neuen geopolitischen Abhängigkeiten, von Zugang zu Energie, Technologie, Wasser und Nahrung dominiert.

Klimawandel, Hitze, Sommertrockenheit und Extremwetter werden sich weiter zuspitzen. Und sie werden unser Land nicht verschonen. Deshalb müssen wir uns verabschieden von Hellebarden und der Glorifizierung von falschen Mythen aus der Vergangenheit.

1. August feier
Dieses Jahr wird es kein Feuer und kein Feuerwerk geben. - zVg

Meine Vorfahren haben das Elend von damals im Haslital am eigenen Leib erlitten und die Schweiz als hungernde Wirtschaftsflüchtlinge verlassen. Die Schweiz war damals ein Emigrationsland!

Die Schweiz kann die globalen Herausforderungen, wie wir sie heute erleben, nicht alleine meistern. Aber mit ausgezeichneter Bildung, Technologie und einem mächtigen Finanzplatz müssen wir eine Vorreiterrolle übernehmen.

Macht dir die zunehmende Trockenheit in der Schweiz Sorgen?

Nicht nur weil wir die Welt retten wollen, sondern weil es für unsere eigene Zukunft essenziell ist: Mit technologischer Innovation stärken wird die eigene Wirtschaft, mit dem Ausbau der erneuerbaren Energie stärken wir die Energie-Versorgungssicherheit und durch ein geschicktes Anpassen an das Unvermeidbare reduzieren wir die Schäden im Alpenraum wie im Flachland.

So spielen wir die Stärken der Schweiz als anpassungsfähiger Kleinstaat aus und gestalten eine lebenswerte Zukunft. Hierzu bedarf es aber Mut und gemeinsamen Gestaltungswillen. So wie es die Gründerväter unserer modernen Helvetik 1848 vorgelebt haben!

Ich wünsche Ihnen einen feierlichen 1. August auch ohne Feuer: Dafür mit wasserklarem Verstand und dem Willen, die Probleme des Klimawandels gemeinsam anzupacken und zu lösen. Auf die Stärke unserer solidarischen Eidgenossenschaft!

Zur Autorin

Ursula Zybach (*1967) ist seit 2023 Berner Nationalrätin für die SP.

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