Wolf

    Zoff um Wolf: Jagdgesetz spaltet Umweltverbände

    Kaspar Schwarzenbach
    Kaspar Schwarzenbach

    Bern,

    Mit dem erneut revidierten Jagdgesetz kommt der Wolf stärker unter Druck. Kleine Tierschutzverbände ergreifen das Referendum dagegen – auch ohne die «Grossen».

    Wolf Tierschutz Referendum
    Ein junger Wolf hat innerhalb eines Monats Hunderte Kilometer durch die Alpen zurückgelegt und dabei Italien und Österreich durchquert. (Symbolbild) - CHWolf

    Das Wichtigste in Kürze

    • Am 16. Dezember 2022 hat das Parlament die Revision des Jagdgesetzes angenommen.
    • Tierschützer ergreifen das Referendum – auch ohne die Unterstützung der «Grossen».
    • Die kleinen Tierschutzverbände wittern politisches Kalkül: Der Wolf sei das «Bauernopfer».

    Im Dezember 2022 hat sich das Parlament für eine präventive Kontrolle der heimischen Wolfsbestände ausgesprochen. Unter der neuen Gesetzeslage dürfen die Raubtiere in Zukunft von September bis Dezember geschossen werden, um Schäden und Gefährdungen vorzubeugen. Zwei Jahre zuvor hat das Stimmvolk eine Verschärfung des Jagdgesetzes knapp abgelehnt.

    Rösti Trede Jagdgesetz Wolf
    Albert Rösti, Nationalrat SVP-BE, und Aline Trede, Nationalrätin GP-BE, posieren mit einem Lamm, vor einem Podiumsgespräch zum Thema Jagdgesetz, anlässlich des Schaf-Alpabzugs von der Alp Gällenen nach Ueschinen ob Kandersteg, am 12. September 2020. - Keystone

    Der Entscheid aus Bundesbern sorgte in Tierschützer-Kreisen für reichlich Kritik: Zahlreiche Umweltverbände bedauerten den Entscheid des Parlaments. Der Wolf sei ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems und müsse als solcher entsprechend geschützt werden.

    Die grossen Tierschutzverbände steigen aus

    Scheinbar beschränkt sich der vermeintliche Widerstand gegen das revidierte Jagdgesetz für viele dieser Akteure jedoch auf ein blosses Lippenbekenntnis: Die Umweltverbände «Gruppe Wolf», «Pro Natura», «WWF» und «BirdLife» werden auf ein Referendum gegen das revidierte Gesetz verzichten. Dies ist einer gemeinsamen Medienmitteilung der Verbände zu entnehmen.

    Einerseits vertreten die Tierschützer die Meinung, dass es sich beim neuen Jagdgesetz nicht um eine «fachlich überzeugende» Revision handle. Andererseits sind sie überzeugt, dass eine «Koexistenz mit dem Wolf» auf der Grundlage des vorliegenden Gesetzes gelingen könne: «Entscheidend ist die Regelung mittels einer Jagdverordnung, die den Wolfsbestand nicht gefährdet und den Herdenschutz weiter stärkt.»

    Wolf Schweiz Referendum Jagdgesetz
    Die grossen Tierschutzverbände verzichten darauf, gegen die Revision des Jagdgesetzes das Referendum zu ergreifen. - © CHWolf

    David Gerke, Geschäftsführer der «Gruppe Wolf», betont gegenüber Nau.ch: «Wir verstehen den Unmut über die Revision des Jagdgesetzes.» Gerke ist überzeugt, dass die Ablehnung der letzten Revision dazu geführt hat, dass das Parlament mehrere wichtige Punkte korrigiert hat.

    So bleibe die Kompetenz des Bundes über die Regulierung der Wolfsbestände erhalten. Ferner sei auch die Gefahr gebannt, dass andere geschützte Wildtiere reguliert werden. Aus diesen Gründen erachte die «Gruppe Wolf» ein erneutes Referendum als «nicht notwendig.»

    Kleine Tierschutzverbände ergreifen das Referendum – für den Wolf

    Dennoch teilen längst nicht alle Tierschützer diesen Optimismus: Eine Gruppe von Tierschützern um Roberto Babst kann die Entscheidung der «grossen Tierschutzverbände» nicht nachvollziehen. Sie stehe in direktem Widerspruch zu vergangenen Aussagen der Tierschutzverbände. Für Babst und seine Weggefährten steht deshalb fest: Man wird den Kampf gegen die Gesetzesrevision intensiv weiterführen.

    Wolf Schweiz Referendum Jagdgesetz
    In Bezug auf den Umgang mit dem Wolf in der Schweiz sei der Erkenntnisgewinn der Weiterbildung in Russland gering. - © CHWolf

    Die «Wolfs-Hirten» sind überrascht: Noch vor zwei Jahren hatten sich auch die «Grossen» an vorderster Front erfolgreich gegen das «missratene» Jagdgesetz zur Wehr gesetzt. Die Tierschützer sprechen von einer «paradoxen Haltung» – die «Grossen» hätten im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen «politische (Mes-)alliancen» geschlossen. Der Wolf müsse nun als sprichwörtliches «Bauernopfer» über die Klinge springen.

    «David gegen Goliath»

    Aus diesen Gründen müsse das Referendumskomitee jetzt als «David» gegen den «Goliath der Bauernlobby» in den Kampf ziehen. Auch ohne die Unterstützung vonseiten der grossen Tierschutzverbände. Das Referendum wird unter anderen von den Vereinen «Wildtierschutz Schweiz» und der Gruppe «Wolfs-Hirten» getragen.

    Herdenschutzhund Wolf Schafe Ziegen
    Ein Herdenschutzhund inmitten von Schafen und Ziegen auf der Alp Ramuz GR. - © CHWolf

    Die Tierfreunde sind überzeugt: «Der Wolf braucht als wichtiger Player eines funktionierenden Ökosystems unseren Schutz! Das neue Jagdgesetz lässt deren unsinnige, masslose und unkontrollierbare Tötung zu.»

    Werden Sie das Referendum gegen die Revision des Jagdgesetzes unterschreiben?

    Für das Referendumskomitee steht fest: Unter dem neuen Jagdgesetz profitierten nur die Bauern und Jäger – der Wolf bleibe jedoch auf der Strecke. Die 100-tägige Referendumsfrist läuft noch bis Ende März 2023.

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