SVP

    Tempo 30: Autolobby wirft Sommaruga «Umerziehung» vor

    Christof Vuille
    Christof Vuille

    Bern,

    Der Bundesrat will mehr Tempo 30. Während die Linke jubelt und die Vorzüge für Velofahrer preist, geht ACS-Präsident Thomas Hurter (SVP) auf die Barrikaden.

    Simonetta Sommaruga
    Bundesrätin Simonetta Sommaruga setzt sich für mehr Tempo-30-Zonen ein. Nun tobt die Autolobby und wirft ihr «Umerziehung» vor. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Lokale Behörden können Tempo 30 künftig ohne separates Gutachten anordnen.
    • Der Bundesrats-Entscheid wird heftig diskutiert. Die Velo-Lobby jubelt.
    • ACS-Präsident Thomas Hurter (SVP) hingegen ist stinksauer und spricht von «Umerziehung».

    Der Verkehr auf Schweizer Strassen soll gemächlicher und damit sicherer werden. Deshalb hat der Bundesrat beschlossen, dass Städte und Gemeinden keine Gutachten für neue Tempo-30-Zonen mehr einholen müssen.

    Tempo 30
    Tempo 30 sorgt in vielen Gemeinden für grosse Diskussionen. (Symbolbild) - keystone

    Dadurch wird die Einführung neuer Langsam-Strassen wesentlich einfacher. Hinzu kommt: Die lokalen Behörden müssen nicht einmal mehr mit der Verkehrssicherheit argumentieren. Es reicht eine angestrebte «Erhöhung der Lebensqualität» als Begründung.

    SP-Aebischer hofft auf «flüssigeren» Verkehr dank Tempo 30

    Der Entscheid wird landesweit kontrovers aufgenommen. Zufrieden zeigt sich SP-Nationalrat Matthias Aebischer, der den Verein «Pro Velo» präsidiert. «Die bisherige Praxis mit den Gutachten war kompliziert, aufwändig und unübersichtlich», sagt er.

    Aebischer Mediengesetz
    Matthias Aebischer (SP/BE) erhofft sich durch mehr Tempo-30-Zonen einen sicheren Verkehr für Fussgänger und Velofahrerinnen. - Keystone

    Je nach Situation werde der Verkehr nun flüssiger, glaubt der Stadtberner. Viel wichtiger aber: Für Fussgänger und Velofahrerinnen seien die Strassen künftig «in jedem Fall weniger gefährlich», lobt Aebischer den Bundesrat.

    ACS-Chef spricht von «Missachtung des Volkswillens»

    Ganz anders tönt es bei der Autolobby. «2001 gab es eine Volksabstimmung für Tempo 30, die klar abgelehnt wurde», beklagt sich Thomas Hurter, Präsident des Automobilclubs der Schweiz (ACS). «Der Bundesrat missachtet den Volkswillen eindeutig.» Tatsächlich sagten am 4. März 2001 fast 80 Prozent der Stimmenden Nein zum Anliegen.

    Autobahn
    Thomas Hurter, Präsident des Automobilclubs der Schweiz (ACS), übt bereits den Aufstand wegen der geplanten Tempo-30-Zonen. - Keystone

    Hurter befürchtet, dass die Rechtssicherheit in Gefahr gerate, weil keine Gutachten mehr nötig seien. Ausserdem würde der öffentliche Verkehr ebenfalls beeinträchtigt und es werde mehr Ausweichverkehr geben. Für den SVP-Nationalrat ist klar: «Das ist eindeutig politisch getrieben. Das Departement von Simonetta Sommaruga will die Bevölkerung umerziehen.»

    Was halten Sie von Tempo 30 in Städten und Dörfern?

    Die Verkehrsministerin betreibe «knallhart Politik für die SP-Wähler in den linken Städten». Erstaunlich sei, dass der Entscheid vom «eigentlich bürgerlichen Gesamtbundesrat» gutgeheissen worden sei.

    Sicher ist: Die neuen Regeln gelten bereits ab 1. Januar 2023. Wie viele Behörden von der neuen Freiheit zu Tempo 30 Gebrauch machen, wird sich zeigen.

    Kommentare

    Weiterlesen

    Carpooling Tempo 30
    128 Interaktionen
    Bundesrat spurt vor
    Tempo 30
    688 Interaktionen
    Schon ab 2023
    Tempo 30 Bern
    91 Interaktionen
    Laut Bundesrat
    Quickline
    18 Interaktionen
    Tipps für den Alltag

    MEHR SVP

    Werner Salzmann Bundesrat Schnegg
    29 Interaktionen
    SVP-Salzmann
    SVP-Egger
    113 Interaktionen
    Asylzentrum
    SVP-Nationalrat Benjamin Fischer. - keystone
    139 Interaktionen
    Feuerwerks-Initiative
    nationalrat
    8 Interaktionen
    Bern

    MEHR AUS STADT BERN

    Dr. Sarah Schläppi
    «Sarah hat Recht»
    Nicole Loeb
    Nicole Loeb
    YB
    1 Interaktionen
    Waeber überragt
    a
    National League