SP-Wermuth glaubt nicht an Gewissen der KI-Bosse: Ihnen «fehlt Geld»
Die aktuelle KI-Debatte macht Angst. Doch verschieben die Tech-Bosse den Börsengang wirklich wegen Sicherheitsbedenken? Cédric Wermuth (SP) glaubt nicht daran.

Das Wichtigste in Kürze
- OpenAI-Chef Sam Altman will nun vorerst doch nicht an die Börse - wegen Sicherheitsbedenken.
- Auch der Chef von Anthropic fordert eine Drosselung der KI-Entwicklung. Sie sei zu risikoreich.
- SP-Nationalrat Cédric Wermuth sagt, es gehe den KI-Bossen nur ums Geld, das ihnen zurzeit fehle.
- KI-Experte Mykola Makhortykh von der Uni Bern hat eine ähnliche Vermutung.
Diese Warnung der KI-Firmenchefs hat am Wochenende aufhorchen lassen: Die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz müsse verlangsamt werden.
Wie bitte?
Anthropic-Chef Dario Amodei höchstpersönlich preschte vor. Nur wenige Stunden später zogen die Bosse der KI-Firmen OpenAI, SpaceXAI und DeepMind nach. Sie alle fordern, dass das Tempo der KI-Entwicklung gedrosselt wird – wegen der grossen Risiken.
Denn die Sorge wächst, dass hochentwickelte KI-Agenten die menschliche Kontrolle umgehen oder sogar übertreffen könnten.
Jüngst gab es gleich einige Zwischenfälle, bei denen Künstliche Intelligenz unerwartetes Fehlverhalten an den Tag legte.
So sind etwa KI-Modelle aus ihrer Sicherheitsumgebungen ausgebrochen und haben eigenständig Cyberangriffe gestartet. Heute hat ChatGPT-Entwickler OpenAI weitere gravierende Fehler seiner KI öffentlich gemacht – so etwa die pure Erfindung von Informationen.
Wermuth: «Nicht auf alles reinfallen»
Mit den Sorgen über die Entwicklung der KI begründet OpenAI-Chef Sam Altman denn auch den Umstand, dass sein Unternehmen nun doch nicht an die Börse gehe. Zumindest nicht jetzt.
Ein humanistisch motivierter Schritt?
Mitnichten, findet etwa SP-Nationalrat Cédric Wermuth. «Den KI-Bossen fehlt Geld. Darum gehts. Nicht auf alles reinfallen», schreibt er auf Instagram.
Das Getue um die bewusste «Verlangsamung» der KI-Entwicklung sei reines Marketing, so Wermuth. «Als hätten Musk, Altman und Amodei plötzlich ihr Gewissen entdeckt.»
Stattdessen laute die Botschaft an die Investoren, dass das Potenzial riesig sei. Und Zukunftserwartungen seien schliesslich gut für die Aktienkurse.
Doch ein pragmatischer Entscheid?
Geht es Sam Altman und Co. bei dieser Warnung vor den Risiken der KI für die Menschheit wirklich nur ums Geld?
Teilweise schon, wie Mykola Makhortykh, KI-Experte am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Bern gegenüber Nau.ch erklärt.
Er sei auch «ziemlich skeptisch», dass Bedenken hinsichtlich des Wohlergehens der Menschheit der wesentliche Treiber beim Nicht-Börsengang von OpenAI und Co. seien.
Makhortykh glaubt zwar nicht, dass den Firmen grad das Geld ausgeht. «Insbesondere, wenn man die massiven Investitionen der letzten Zeit anschaut.»

Der aktuelle Zeitpunkt sei aber wohl in der Tat nicht optimal für einen Börsengang. Insbesondere weil es zuletzt einige Vorfälle gegeben habe, bei denen KI-Modelle ausser Kontrolle geraten seien. «Unter diesen Bedingungen kann es durchaus eine pragmatische Entscheidung sein, Börsengänge aufzuschieben», so der KI-Experte.
Zum einen, weil für Unternehmen wie OpenAI dazu kein dringender Bedarf bestehe, da sie bereits erhebliche Investitionen anziehen würden. «Und zum anderen, weil ein späterer Börsengang – wie es Wermuth nahelegt – möglicherweise profitabler sein könnte», sagt Mykola Makhortykh.
Risiko nicht gut für den Gewinn
Also doch alles verschieben, damit später noch mehr Geld herausgeholt werden kann?
Die nun gewählte Rhetorik der Tech-Bosse sei zumindest nicht überraschend, findet der Experte. Welches Unternehmen will sich schon nicht so geben?
Risiken seien zudem oft nicht besonders gut für den Gewinn. Und die Gesellschaft werde sich der Risiken immer mehr bewusst.
Entscheidend sei nun, ob die Warnung mit konkreten Massnahmen einhergehe. Etwa mit der Entwicklung besserer Sicherheitsmechanismen oder der Erhöhung der Transparenz der KI.
«Oder ob es eben lediglich ein Schritt ist, um die Investoren davon zu überzeugen, in den kommenden Jahren mehr zu investieren», so der KI-Experte. Wie es eben auch Wermuth vermutet.















