Patriot-Kauf droht für Schweiz doppelt so teuer zu werden

    Simon Ulrich
    Simon Ulrich

    Bern,

    Statt 2,3 Milliarden könnten bis zu 4,6 Milliarden Franken für die Raketen-Bestellung fällig werden. Grund sind die knappen US-Bestände und die hohe Nachfrage.

    Patriot
    Die Schweiz rechnet bei Patriot mit massiven Mehrkosten. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Patriot-Beschaffung könnte statt 2,3 bis zu 4,6 Milliarden Franken kosten.
    • Grund sind die hohe US-Nachfrage, leere Bestände und der Krieg im Nahen Osten.
    • Bundesrat Pfister prüft Alternativen bis hin zu einem Beschaffungsabbruch.

    Die Schweizer Patriot-Beschaffung könnte deutlich teurer werden als geplant. Das Verteidigungsdepartement von Bundesrat Martin Pfister rechnet inzwischen mit Kosten von bis zu 4,6 Milliarden Franken. Das berichtet der «Tagesanzeiger» unter Berufung auf mehrere Quellen.

    Das wäre doppelt so viel wie die ursprünglich vorgesehenen 2,3 Milliarden Franken. Gegenüber SRF bestätigt ein Sprecher des Bundesamts für Rüstung lediglich, die erwarteten Mehrkosten seien im Bereich von «50 Prozent plus».

    Krieg und Knappheit treiben die Preise brutal hoch

    Grund sind die stark gestiegene Nachfrage und knappe Bestände in den USA. Im Iran-Krieg sollen die USA bereits mehr als 1200 Patriot-Abwehrraketen verschossen haben. Eine einzelne Lenkwaffe kostet rund vier Millionen Dollar.

    Bereits im März hatte Rüstungschef Urs Loher wegen des Ukraine-Kriegs und der Sicherheitslage Mehrkosten von bis zu 50 Prozent genannt. Diese Schätzung gilt nun offenbar als überholt.

    Die Schweiz hat in den USA fünf Patriot-Feuereinheiten samt Munition und Ausrüstung bestellt. Die Lieferungen laufen über das amerikanische «Foreign Military Sales»-Programm.

    Dabei kaufen Staaten Waffen von der US-Regierung, die sie wiederum bei US-Herstellern bestellt. Auch andere europäische Länder müssen laut Reuters mit Verzögerungen rechnen.

    Jetzt prüft Pfister sogar den Patriot-Abbruch

    Bundesrat Pfister prüft deshalb Alternativen. Im Raum steht ein zweites Luftabwehrsystem grosser Reichweite oder sogar ein Abbruch der Patriot-Beschaffung.

    Als Ersatz kämen grundsätzlich europäische, asiatische oder israelische Systeme infrage. Noch ist aber unklar, ob diese rechtzeitig liefern könnten und zu welchem Preis.

    Sollte die Schweiz den Patriot-Kauf ganz abbrechen?

    Offen ist auch, was mit bereits geleisteten Anzahlungen von rund 750 Millionen Franken geschieht. Denkbar wäre eine Rückerstattung oder eine Anrechnung an ein anderes Rüstungsgeschäft, etwa die Schweizer F-35-Bestellung.

    In sicherheitspolitischen Kreisen wird zudem diskutiert, ob die Schweiz ihre Bestellplätze an ein anderes Land abtreten könnte.

    Die Armee wartet – und die Uhr tickt

    Das Bundesamt für Rüstung Armasuisse verweist gegenüber Tamedia weiterhin auf das ursprüngliche Projektvolumen von 2,3 Milliarden Franken. Dieses sei bisher nicht verändert worden. Man stehe mit den USA in «intensivem Austausch».

    Für die Schweiz ist die Langstrecken-Luftabwehr sicherheitspolitisch zentral. Seit 2000 verfügt die Armee über keine entsprechenden Waffen mehr.

    Gleichzeitig zeigen die Kriege in der Ukraine und im Iran, wie wichtig der Schutz vor Raketen und Marschflugkörpern geworden ist. Selbst wenn die Schweiz am Patriot-System festhält, dürfte sich die Lieferung weiter verzögern.

    Ursprünglich war der Projektabschluss für 2030 geplant. Inzwischen ist von mindestens fünf Jahren Verspätung die Rede.

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    Kommentare

    User #4307 (nicht angemeldet)

    Doppelt so teuer und erst nich viele Jahre verspätet. Gab es eigentlich schon mal eine grössere Beschaffung im VBS die geklappt hat? Mir fällt gerade keine ein.

    User #3871 (nicht angemeldet)

    Fragen sie Russland..

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