Onsernone TI will Zweitwohnungsbesitzer in die Pflicht nehmen
Das Tessiner Onsernonetal möchte die zahlreichen Zweitwohnungsbesitzerinnen und Zweitwohnungsbesitzer stärker in die Pflicht nehmen, öffentliche Leistungen mitzutragen – auch finanziell. Die Initiative kommt nicht bei allen gut an.

«Wir suchen den Dialog mit den Zweitwohnungsbesitzern im Tal», sagt Gemeinderat Nadir Cortesi auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Da immer mehr Aufgaben vom Kanton auf die Gemeinden abgewälzt würden, müssten sie nach neuen Lösungen suchen, um die wichtigsten öffentlichen Dienstleistungen im Tal aufrechtzuerhalten. Denn: Bei rund 80 Prozent Zweiwohnungsbesitzern fehlen der Gemeinde wichtige Steuergelder.
Dabei geht es um Projekte, bei der sich Zweitwohnungsbesitzende freiwillig engagieren können. Drei Bereiche hat die Gemeinde hierfür in diesem Jahr ausgewählt: Die Feuerwehr, die Pflege und Erweiterung der Wanderwege und den Unterhalt der Defibrillatoren. Zu letzterem gehört auch die Ausbildung von Freiwilligen, die im Notfall schnell eingreifen können, wie es auf der Internetseite der Gemeinde heisst.
Auf der Homepage ist auch ein QR-Code für Spenden aufgeschaltet. «Jeder Beitrag, unabhängig von seiner Höhe, ist ein wichtiges Zeichen der Aufmerksamkeit und der Teilnahme am Leben des Tals», heisst es da. Das Geld fliesse direkt in einen der genannten Bereiche.
Vergangenen Samstag fand ein Informationsabend zur Initiative statt. Der Saal sei zum Bersten voll gewesen, erzählt Cortesi. Es gibt aber auch Zweitwohnungsbesitzer, die es stört, dass der Brief mit dem Motto «Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls» nur an sie ging. Alle sollten mit anpacken, auch die ständigen Einwohner, sagt eine Ferienhausbesitzerin. Cortesi erwidert, man habe in dieser Phase des Projekts den Zweitwohnungsbesitzenden einen direkten Kontakt mit dem Gemeinderat und Raum für Ideen geben wollen.
Der Einbezug der Ferienhausbesitzenden in die Talentwicklung liege ihnen am Herzen, denn viele von ihnen seien bereits in der zweiten oder dritten Generation hier heimisch und hätten eine starke Bindung zur Region. «Die Spenden kommen für uns an zweiter Stelle», erklärt Cortesi, der für Bildung, öffentliche Gesundheit und Raumplanung zuständig ist. Der Gemeinderat arbeitet auch an einer neuen Strategie, um mehr junge Einwohnerinnen und Einwohner zu gewinnen. Neuankömmlinge könnten etwa schon bald einen Beitrag an einen Italienischkurs bezahlt bekommen.
Wie alle Randregionen kämpfe auch sein Tal mit ökonomischen Schwierigkeiten, sagt Cortesi. Onsernone verfüge über die geringste Finanzkraft aller Gemeinden im Kanton – und dies bei einer Fläche von über 100 Quadratkilometern. Zum Vergleich: Die Stadt Zürich umfasst gut 90 Quadratkilometer. «Uns fehlt die Arbeitskraft mehr als das Geld», erklärt Cortesi. Mit der Initiative wolle die Gemeinde die Liebe der Bewohner zum Tal in «konkrete Bahnen» lenken.










