Nationalrat macht Platz für Neue – ziehen alte Eisen nach?
GLP-Nationalrat Beat Flach tritt für frischen Wind vorzeitig zurück. Kolleginnen und Kollegen, die mindestens so lange im Amt sind, denken nicht daran.

Das Wichtigste in Kürze
- GLP-Nationalrat Beat Flach gibt nach 14 Jahren sein Amt ab.
- Mitte-Nationalrat Gerhard Pfister ist Rekordhalter bei der Amtsdauer.
- Auch andere langjährige Nationalräte sehen keinen Grund, für frischen Wind zurückzutreten.
Sie gehen im Bundeshaus ein und aus. Dort stimmen sie über wichtige Gesetze ab, halten Debatten und wählen den Bundesrat. Dazwischen gibt es Apéros in Hülle und Fülle.
Auch spannende Kurztrips ins Ausland sind im Amt als Nationalrätin oder Nationalrat möglich. Kürzlich reiste eine Delegation von Sicherheitspolitikerinnen und -politikern mit Verteidigungsminister Martin Pfister nach Finnland.
Bei der Reise im Dienst der Cybersicherheit war auch GLP-Nationalrat Beat Flach dabei. Auf all das plus eine Entschädigung von jährlich rund 130'000 Franken verzichtet Flach nun aber. Per Ende Mai hat der 61-jährige Aargauer seinen Rücktritt angekündigt.
«Platz für Erneuerung schaffen»
Beat Flach verabschiedet sich aber nicht aus Frust oder Müdigkeit vor Ende der Legislatur aus seinem Amt.
«Nach 14 intensiven Jahren ist für mich der Zeitpunkt gekommen, Platz für Erneuerung zu schaffen», erklärte er.
Gegenüber der «Aargauer Zeitung» führte Flach seine Entscheidung aus. Wenn jemand anderes an seinem Platz im Nationalratssaal sitze, sehe diese Person die Welt mit anderen Augen, sagt er. «Das bringt neue Ideen, eine andere Herangehensweise, veränderte Perspektiven und frischen Wind.»
«Kann die Gründe verstehen»
Mit 14 Jahren im Nationalrat hat der Aargauer längst nicht den Rekord aufgestellt. Sogenannte alte Eisen gibt es einige. Mitte-Nationalrat Gerhard Pfister und GLP-Nationalrat Martin Bäumle sitzen bereits seit 22 Jahren in der grossen Kammer.
«Ich respektiere die Gründe für den Entscheid von Beat Flach, und kann sie verstehen», sagt Pfister auf Anfrage. «Ich wurde 2023 mit dem besten persönlichen Resultat aller Kandidierenden im Kanton Zug gewählt für vier Jahre.»
Er werde die Legislatur beenden, sagt der 63-Jährige. Was nach 2027 geschehe, werde mit der Partei im Herbst dieses Jahres besprochen.
Martin Bäumle wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen.
«Erzielte klar höchste Stimmenzahl»
SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel ist ein Jahr länger als Beat Flach im Nationalrat. Die GLP sei bei den Wahlen 2023 von 16 auf zehn Nationalratssitze «zurückgestutzt» worden, sagt er.
«Ihre taktischen Spielchen interessieren mich nicht.» Diese hätten weder Einfluss auf sein persönliches noch auf sein politisches Verhalten.
Aus Flachs Begründung für den Rücktritt werde er nicht schlau, sagt der 60-Jährige. Er macht auf dessen Parteikollegen aufmerksam. So sei Flach weniger lange im Amt als Nationalrat Martin Bäumle und Ständerätin Tiana Angelina Moser.
Selber gibt es für den St. Galler keine Gründe, über einen Rücktritt nachzudenken. «Bei den letzten Wahlen erzielte ich die klar höchste Stimmenzahl aller bisherigen Wahlgänge», sagt er.
«Nehme dieses Mandat ernst»
Mitte-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter politisiert wie Roland Rino Büchel seit 15 Jahren im Nationalrat. «Frische Kräfte sind wichtig – genauso wie Erfahrung», sagt die Baselbieterin.
Entscheidend sei nicht die Amtsdauer. «Sondern die Wirkung der Arbeit.»
Die neue Legislatur beginnt 2027. «Ich bin bis Ende der Legislatur gewählt und nehme dieses Mandat ernst», sagt Schneider-Schneiter. Zudem habe sie wichtige Dossiers zu Ende zu führen – etwa das Europadossier.

Was treibt die langjährige Amtsträgerin an?
«Die Möglichkeit, konkret etwas zu bewegen und Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu erarbeiten. Die haben wir zur Genüge.»
Ob sie ihren Job gut mache, entschieden alleine die Baselbieter Wählerinnen und Wähler. Ein Sitz im Ständerat ist für die 62-Jährige «derzeit kein Thema».
«Fühle mich noch frisch und jung»
Ihr Amtskollege Martin Candinas startete wie Beat Flach 2011 seine Karriere als Nationalrat. Er teile Beat Flachs Ansicht, nach einer gewissen Zeit Platz für Erneuerung zu machen, sagt er.
«Die Frage ist nur, wie man die gewisse Zeit auslegt.» Diese Frage müsse jeder für sich beantworten.
«Mit 46 Jahren fühle ich mich noch frisch und jung», sagt der Bündner. «Ich bin hoch motiviert, und engagiere mich mit Herz und Seele für unser Land.»
Weiter sei es ein grosses Privileg, die Bündner Bevölkerung in Bern vertreten zu dürfen. «Ich übe mein Amt mit Respekt und Dankbarkeit aus.»
Mit 14 Jahren im Amt zählt er sich «noch lange nicht zu den Amtsältesten». Auch befürchtet er nicht, zum «Sesselkleber» zu werden.
«Meines Erachtens ‹klebe› ich selten am Sessel, sondern bin viel in Bewegung mit dem Ziel, Wirkung zu erzielen.» Zum Beispiel bringe er sich mit viel Passion in der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen ein. Dasselbe gelte für seine Arbeit in der Sicherheitspolitischen Kommission.
SP hebt Limite auf
Für SP-Nationalrat Cédric Wermuth würde die Karriere im Nationalrat 2027 automatisch enden.
Die Amtszeitbeschränkung der SP Aargau limitiert die Amtszeit im Nationalrat auf zwölf Jahre. Nur mit dem Segen der Delegierten ist die Amtszeit verlängerbar.
Cédric Wermuth, der auch Co-Präsident der SP ist, will bei den Wahlen 2027 erneut antreten. Im Fall des 40-Jährigen müsste die Partei die Amtszeitbeschränkung bereits zum zweiten Mal aufheben.



















