Mitte-Nationalrat Candinas: «Wer Sicherheit will, muss auch handeln»
Der Bündner Nationalrat Martin Candinas (Mitte) setzt sich für ein Ja zur Revision des Zivildienstgesetzes ein. Ein Gastbeitrag.

Die sicherheitspolitische Lage in Europa hat sich in den letzten Jahren spürbar verschärft. Der Krieg ist zurück auf unserem Kontinent, geopolitische Spannungen nehmen zu und auch hybride Bedrohungen gehören längst zur Realität.
Gerade für ein kleines, neutrales Land wie die Schweiz ist klar: Sicherheit ist keine Selbstverständlichkeit mehr.
Sie muss aktiv sichergestellt werden. Ein zentraler Pfeiler dieser Sicherheit ist unsere Armee.
Damit sie ihren Auftrag erfüllen kann, braucht sie genügend gut ausgebildete und einsatzbereite Soldatinnen und Soldaten. Genau hier liegt heute ein Problem.
In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Übertritte vom Militärdienst in den Zivildienst stark gestiegen – von 1’632 im Jahr 2008 auf rund 6’800 im Jahr 2024. Besonders problematisch ist dabei, dass viele gut ausgebildete Armeeangehörige und Kader den Dienst verlassen.

Das führt zu einem schleichenden Substanzverlust, der die Einsatzfähigkeit der Armee gefährdet. Die Revision des Zivildienstgesetzes setzt genau hier an. Sie will den Zivildienst nicht abschaffen – im Gegenteil. Er bleibt ein wichtiger Bestandteil unseres Systems.
Aber er soll wieder das sein, was die Bundesverfassung vorsieht: Ein Ersatzdienst für Menschen mit echten Gewissenskonflikten und keine frei wählbare Alternative zum Militärdienst.
Konkret bringt die Revision klare und faire Regeln: Wer nach der Rekrutenschule in den Zivildienst wechselt, muss künftig mindestens 150 Tage Zivildienst leisten. Der bisherige Faktor 1.5 der Militärdiensttage soll neu auch für Unteroffiziere und Offiziere gelten.
Zudem wird eine jährliche Einsatzpflicht eingeführt, um die Planbarkeit zu verbessern. Diese Anpassungen sind notwendig, um die bestehenden Fehlanreize zu korrigieren. Heute ist nämlich faktisch eine Wahlfreiheit entstanden, die so nie vorgesehen war.
Wer den Militärdienst als zu belastend empfindet, kann relativ einfach wechseln. Das untergräbt die Wehrgerechtigkeit und schwächt gleichzeitig Armee und Zivilschutz. Ein Dienst nach Lust und Laune kann nicht im Interesse unseres Landes sein.
Die Gegner der Vorlage warnen vor negativen Folgen für den Zivildienst und wichtige gesellschaftliche Bereiche wie das Gesundheitswesen oder die Pflege. Diese Leistungen sind zweifellos wertvoll.
Doch sie dürfen nicht auf Kosten der Sicherheit unseres Landes gehen. Ohne funktionierende Armee und Zivilschutz geraten im Ernstfall genau jene Strukturen unter Druck, die wir am dringendsten brauchen.
Zum Autor
Martin Candinas (*1980) ist Mitte-Nationalrat. Im Jahr 2023 war der Bündner Nationalratspräsident. Seit 2011 ist er Nationalrat.
Die Revision des Zivildienstgesetzes schafft hier eine bessere Balance. Sie stärkt die Bestände von Armee und Zivilschutz und sorgt gleichzeitig dafür, dass der Zivildienst weiter gezielt eingesetzt wird.
Es geht nämlich um Fairness, Verlässlichkeit und letztlich um die Sicherheit unseres Landes. Darum braucht es am 14. Juni ein klares Ja zur Revision des Zivildienstgesetzes.












