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Migros, Coop & Co. sollen Säckli-Waage wieder abschaffen

Simon Binz
Simon Binz

Bern,

Der Bundesrat macht bei der umstrittenen Säckli-Vorwahl an Früchte- und Gemüsewaagen eine Kehrtwende.

ständerat baselland
Daniela Schneeberger (FDP) hat mit einer Motion erreicht, dass die Säckli-Vorwahl an Früchte- und Gemüsewaagen nicht mehr obligatorisch sind. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Bundesrat hebt die Pflicht zur Säckli-Vorwahl an Gemüsewaagen wieder auf.
  • Er folgt damit einer Motion von FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger.
  • Detailhändler dürfen selbst entscheiden, ob sie ihre Waagen erneut umstellen.

Es ist ein seltenes Zurückbuchstabieren auf Bundesebene: Der Bundesrat hebt die obligatorische Säckli-Vorwahl bei Früchte- und Gemüsewaagen überraschend wieder auf. Darüber berichtete am Dienstag unter anderem die «Basler Zeitung».

Damit folgt er einer Motion der Baselbieter Nationalrätin Daniela Schneeberger (FDP). Ziel ist es, den Einkauf im Detailhandel wieder «unbürokratisch» zu machen, wie die Politikerin fordert.

Die Säckli-Waage soll wieder abgeschafft werden – macht das Sinn?

Auslöser der Diskussion war eine Verfügung, die 2019 mit einer Übergangsfrist von fünf Jahren eingeführt worden war: Die bis dahin geltende Zwei-Gramm-Bagatellregel beim Offenverkauf von Früchten und Gemüse wurde gestrichen.

Seit Anfang 2025 mussten Kundinnen und Kunden beim Abwiegen zwingend angeben, ob sie ein Plastiksäckli oder eine andere Verpackung benutzen. Die Waagen wurden entsprechend umprogrammiert – rund 7000 Geräte schweizweit.

Viel Aufwand, kaum Nutzen

Kritik kam früh aus dem Detailhandel und von Konsumentenseite. In der Praxis änderte sich am Preis fast nichts: In den meisten Fällen kostete das Gemüse mit oder ohne Säckli gleich viel.

Nur exakt an der Tarifgrenze konnte es wenige Rappen Unterschied geben. Schneeberger sprach von einem verlängerten und verkomplizierten Kaufprozess ohne erkennbaren Nutzen.

Ausgedacht worden war die Regelung vom eidgenössischen Institut für Metrologie (Metas), das für Messverfahren zuständig ist. Offiziell ging es um Genauigkeit beim Wiegen. Kritiker sahen darin aber auch einen indirekten Versuch, Kundinnen und Kunden zu weniger Verpackung zu erziehen.

Bundesrat beantragt Annahme der Motion

Nun zeigt der Bundesrat ein Einsehen und beantragt die Annahme der Motion. Gleichzeitig hält er fest, dass Detailhändler ihre Waagen nicht zwingend erneut umstellen müssen. Wer die Säckli-Vorwahl beibehalten wolle, dürfe dies tun – um weitere Kosten zu vermeiden.

Gerade diese Offenheit dürfte jedoch zu einem Flickenteppich führen. Migros und Coop reagieren zurückhaltend. Beide Detailhandelsriesen wollten sich nicht festlegen und verweisen auf laufende Abklärungen innerhalb der Branche.

Ehrlichkeit an der Waage?

Die Debatte erhält zusätzliche Brisanz durch Berichte über das Verhalten der Kundschaft.

Eine Auswertung von Nau.ch zeigte im April: Nicht alle Konsumentinnen und Konsumenten an den neuen Waagen wählen ehrlich aus, ob sie ein Säckli benutzen oder nicht.

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Migros-Kunden erzählen in Zollikon ZH, wie sie die neue Waage finden. - Nau.ch/Nico Leuthold

Gerade diese Grauzone nährte Zweifel am Sinn der Regelung – und dürfte die politische Kehrtwende mit begünstigt haben.

Ob die Säckli-Vorwahl nun flächendeckend verschwindet oder teilweise bestehen bleibt, ist offen. Klar ist: Der Bundesrat will den administrativen Aufwand reduzieren – und den Gemüse-Einkauf wieder einfacher machen.

Kommentare

User #6420 (nicht angemeldet)

Hat Bundesbern nicht anderes zu tun? Wahnsinn, was die für Probleme wälzen. Gibt es dann wieder neue Waagen, die wieder installiert und bezahlt werden müssen? Es stellt wohl einen besonderen Intelligenztest dar, wie beim Einkaufen so eine Gemüsewaage benützt wird.

User #5151 (nicht angemeldet)

Es gibt leute die nehmen drei äpfel und wiegen nur zwei. Schon gesehen bei coop

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