Kritik: SRG verteilt VIP-Tickets an Sportfunktionäre
Die SRG solle auf Networking-Geschenke verzichten, so die Forderung im Vorfeld der Abstimmung über die SRG-Initiative.

Das Wichtigste in Kürze
- Die SRG verschenkt VIP-Tickets von Grossanlässen an Sportfunktionäre.
- Diese erhalte sie im Rahmen von TV-Übertragungs-Verträgen, heisst es.
- Das sei gängige Praxis, heisst es bei den Gegnern der SRG-Initiative.
Die SRG verschenkt regelmässig VIP-Tickets an Sportfunktionäre. Die Einladungen umfassen Events wie die Lauberhorn-Rennen, das Eidgenössische Schwingfest oder die Eishockey-WM. Dies berichtet «CH Media» mit Verweis auf ein Beispiel aus der Vergangenheit.

Bis vor sechs Jahren habe ein heute nicht mehr amtierender Funktionär des Schweizer Fussballverbandes jährlich VIP-Tickets für das Lauberhorn erhalten. Die Einladung beinhaltete sogar die Übernachtung. Absender war nicht der Veranstalter, sondern die SRG selbst.
Hat die SRG schlecht verhandelt?
Laut Medienstelle erhält die SRG die Tickets «als Vertragsinhalt für ihre Leistungen als Host Broadcaster». Doch FDP-Nationalrat Marcel Dobler, Unternehmer und Mit-Initiant der SRG-Initiative, kritisiert gegenüber Nau.ch dieses Vorgehen: «Ich habe immer bessere Preise verlangt statt Geschenke.»

Für Dobler ist klar: «In der Privatwirtschaft macht man auf diese Weise Kundenbindung. Aber bei einem gebührenfinanzierten Staatssender wäre das problematisch.»
«Gängige Praxis»
Auf dem freien Markt sind VIP-Tickets teuer: Am Lauberhorn bis zu 930 Franken. Gemäss Experten seien dies aber «Fantasiepreise», da nur wenige den vollen Preis bezahlen – sondern eben eingeladen werden.
Solche Geschenke der SRG seien keine Ausnahme, schreibt «CH Media». Funktionäre verschiedener Sportverbände sollen regelmässig Einladungen zu Top-Events erhalten. Die kommende Eishockey-WM in Zürich und Freiburg sei ein weiteres Beispiel dafür.

Genau deshalb sieht Mark Balsiger hier auch kein Problem. Balsiger ist Geschäftsführer der Allianz Pro Medienvielfalt, die seit vier Jahren gegen die Halbierungsinitiative kämpft: «Viele Schweizer Firmen vergeben Drittpersonen VIP-Tickets für Sportveranstaltungen.»
«Das ist gängige Praxis und Teil von Partnerschaften», betont Balsiger. Kurz vor der Abstimmung werde nun versucht, daraus eine Schlagzeile zu produzieren.
SRG soll Geschenke offenlegen
Die SRG pflege einen «regelmässigen Austausch mit ihren Anspruchsgruppen», heisst es denn auch in der offiziellen Stellungnahme. Die Einladungen erfolgten «stets unter Einhaltung der entsprechenden SRG-Richtlinien». Konkrete Details nennt der Sender aber nicht.
FDP-Nationalrat Dobler aber findet, solch teure Geschenke seien nicht im Interesse der Gebührenzahler. Seine Forderung: «Die SRG hat die Pflicht, offenzulegen, in welchem Umfang sie Geschenke verteilt – die eigentlich unnötig sind.» Denn die Gebührenzahler hätten keine Networking-Anlässe zu finanzieren.
Effekte der SRG-Initiative
Auch wenn die SRG-Initiative in der Gunst des Stimmvolks eingebüsst hat: Dank ihr schaue man nun mal genauer hin, stellt Dobler fest. «Jetzt sieht man, wo man überall sparen soll.»
Mark Balsiger von der Allianz Pro Medienvielfalt aber findet, entscheidend sei ein anderer Punkt: «Live-Sport ist Service public. Bei einem Ja zur Halbierungsinitiative schauen Sportfans in die Röhre und müssen künftig Zusatz-Abos kaufen.» Diese kosteten deutlich mehr als die heutige Serafe-Gebühr.












