SRG

    Kritik: SRG verteilt VIP-Tickets an Sportfunktionäre

    Matthias Bärlocher
    Matthias Bärlocher

    Bern,

    Die SRG solle auf Networking-Geschenke verzichten, so die Forderung im Vorfeld der Abstimmung über die SRG-Initiative.

    Lauberhorn
    Die Lauberhornrennen locken jedes Jahr viele Zuschauer an, darunter auch viele «Very Important Persons» (VIPs). - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die SRG verschenkt VIP-Tickets von Grossanlässen an Sportfunktionäre.
    • Diese erhalte sie im Rahmen von TV-Übertragungs-Verträgen, heisst es.
    • Das sei gängige Praxis, heisst es bei den Gegnern der SRG-Initiative.

    Die SRG verschenkt regelmässig VIP-Tickets an Sportfunktionäre. Die Einladungen umfassen Events wie die Lauberhorn-Rennen, das Eidgenössische Schwingfest oder die Eishockey-WM. Dies berichtet «CH Media» mit Verweis auf ein Beispiel aus der Vergangenheit.

    Susanne Wille
    SRG-Generaldirektorin Susanne Wille während eines Interviews im Dezember 2025. - keystone

    Bis vor sechs Jahren habe ein heute nicht mehr amtierender Funktionär des Schweizer Fussballverbandes jährlich VIP-Tickets für das Lauberhorn erhalten. Die Einladung beinhaltete sogar die Übernachtung. Absender war nicht der Veranstalter, sondern die SRG selbst.

    Hat die SRG schlecht verhandelt?

    Laut Medienstelle erhält die SRG die Tickets «als Vertragsinhalt für ihre Leistungen als Host Broadcaster». Doch FDP-Nationalrat Marcel Dobler, Unternehmer und Mit-Initiant der SRG-Initiative, kritisiert gegenüber Nau.ch dieses Vorgehen: «Ich habe immer bessere Preise verlangt statt Geschenke.»

    Marcel Dobler SRG-Initiative
    Nationalrat Marcel Dobler (FDP/SG) spricht während er der Herbstsession der Eidgenössischen Räte, am 23. September 2025 in Bern. - keystone

    Für Dobler ist klar: «In der Privatwirtschaft macht man auf diese Weise Kundenbindung. Aber bei einem gebührenfinanzierten Staatssender wäre das problematisch.»

    «Gängige Praxis»

    Auf dem freien Markt sind VIP-Tickets teuer: Am Lauberhorn bis zu 930 Franken. Gemäss Experten seien dies aber «Fantasiepreise», da nur wenige den vollen Preis bezahlen – sondern eben eingeladen werden.

    Solche Geschenke der SRG seien keine Ausnahme, schreibt «CH Media». Funktionäre verschiedener Sportverbände sollen regelmässig Einladungen zu Top-Events erhalten. Die kommende Eishockey-WM in Zürich und Freiburg sei ein weiteres Beispiel dafür.

    Plakat gegen die SRG-Initiative
    Ein Plakat gegen die SRG-Initiative an der Haltestellte «Feldlistrasse» in Rapperswil-Jona SG. - keystone

    Genau deshalb sieht Mark Balsiger hier auch kein Problem. Balsiger ist Geschäftsführer der Allianz Pro Medienvielfalt, die seit vier Jahren gegen die Halbierungsinitiative kämpft: «Viele Schweizer Firmen vergeben Drittpersonen VIP-Tickets für Sportveranstaltungen.»

    «Das ist gängige Praxis und Teil von Partnerschaften», betont Balsiger. Kurz vor der Abstimmung werde nun versucht, daraus eine Schlagzeile zu produzieren.

    SRG soll Geschenke offenlegen

    Die SRG pflege einen «regelmässigen Austausch mit ihren Anspruchsgruppen», heisst es denn auch in der offiziellen Stellungnahme. Die Einladungen erfolgten «stets unter Einhaltung der entsprechenden SRG-Richtlinien». Konkrete Details nennt der Sender aber nicht.

    Wie stimmst du bei der SRG-Initiative?

    FDP-Nationalrat Dobler aber findet, solch teure Geschenke seien nicht im Interesse der Gebührenzahler. Seine Forderung: «Die SRG hat die Pflicht, offenzulegen, in welchem Umfang sie Geschenke verteilt – die eigentlich unnötig sind.» Denn die Gebührenzahler hätten keine Networking-Anlässe zu finanzieren.

    Effekte der SRG-Initiative

    Auch wenn die SRG-Initiative in der Gunst des Stimmvolks eingebüsst hat: Dank ihr schaue man nun mal genauer hin, stellt Dobler fest. «Jetzt sieht man, wo man überall sparen soll.»

    Mark Balsiger von der Allianz Pro Medienvielfalt aber findet, entscheidend sei ein anderer Punkt: «Live-Sport ist Service public. Bei einem Ja zur Halbierungsinitiative schauen Sportfans in die Röhre und müssen künftig Zusatz-Abos kaufen.» Diese kosteten deutlich mehr als die heutige Serafe-Gebühr.

    Kommentare

    User #1945 (nicht angemeldet)

    Anscheinend verdienen Herr und Frau Schweizer soviel, dass sie gerne 335 Stutz für den linken Staatsbetrieb ausgeben. Viel Spass damit und jammert dann nicht in ein paar Jahren, wenn noch mehr Schrott produziert wird und sich die SRG Direktion mit noch höheren Gehältern vollstopft. Man hat's ja schliesslich.

    User #1945 (nicht angemeldet)

    Jetzt werden die Serafegelder weiterhin zum Fenster raus geschmissen und die Teppichetage wird sich noch mehr Boni gönnen.

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