Kaum Selbstkritik nach Mega-IT-Panne im Seco
Es ist ein Debakel sondergleichen. Das neue 200-Millionen-IT-Projekt des Seco funktioniert nicht. Doch die Einsicht des Bundes scheint gering.

Das Wichtigste in Kürze
- Arbeitslose in der Schweiz wissen nicht, wann sie ihre nächsten Taggelder erhalten.
- Das IT-Debakel beim Seco kommt aber nicht überraschend.
- Dennoch zeigen die Verantwortlichen wenig Selbstkritik.
Jérôme Cosandey, Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft Seco, musste gestern im Bundeshaus antraben.
Grund: Eine IT-Panne legt seit Anfang Jahr das System der Taggeld-Auszahlungen für Arbeitslose lahm. Das neu eingeführte System funktioniert nicht. Arbeitssuchende warten deshalb verzweifelt auf ihre Gelder.
Deshalb mussten Cosandey und seine Leute in der ständerätlichen Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit Red und Antwort stehen.
Denn die eidgenössische Finanzkontrolle EFK hatte das 200-Millionen-Franken-Projekt im Vorfeld mehrfach geprüft und kritisiert. Sowie aufgezeigt, was geändert werden müsste.
Dem ist offenbar kaum oder zu wenig Beachtung geschenkt worden.
Politiker fordern Aufarbeitung
Bürgerliche und Linke sind aufgebracht und fordern eine politische Aufarbeitung. Es könne nicht sein, dass ein Projekt, welches über zehn Jahre lang entwickelt wurde, beim «Go Live» einmal mehr scheitere. Das sagt FDP-Ständerat Damian Müller bei SRF.
Auch SP-Ständerätin Flavia Wasserfallen betont, dass der Fokus nun auf der Auszahlung der Gelder bis Ende Januar liegen müsse. «Die Situation ist kritisch und sehr schwierig», so Wasserfallen.
Interviews gaben die Verantwortlichen des Seco am Dienstag keine. Bei einem Hintergrundtreffen mit Journalisten hätten sie später glaubhaft aufgezeigt, dass man mit Hochdruck daran arbeite, die Gelder rasch auszubezahlen.
Selbstkritik sei dabei aber kaum zu hören gewesen, berichtet SRF. Man habe die Warnungen der eidgenössischen Finanzkontrolle ernst genommen, so das Seco.
Schuld an der Panne seien vielmehr der Zeitdruck, die alten Programme, die vielen Schnittstellen sowie die Amtsvorgänger.














