Thurgauer Arbeitslosen-Chef: «Telefonleitung bricht zusammen»

Laurin Zaugg
Laurin Zaugg

Frauenfeld,

Das neue IT-System der Arbeitslosenkassen funktioniert nicht. Der Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit im Thurgau beschreibt das Ausmass des Debakels.

Daniel Wessner
Die Arbeitslosenkassen kämpfen aktuell mit der Umstellung auf ein neues IT-System. - keystone, SRF

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit Beginn des Jahres arbeiten Schweizer Arbeitslosenkassen mit einem neuen IT-System.
  • Die neue Software stellt die Behörden vor massive technische Probleme.
  • Als einziger äussert sich der Thurgauer Amtschef zum Ausmass des IT-Debakels des Seco.

Das neue IT-System für Arbeitslosenkassen stellt die Behörden vor grosse technische Probleme.

Die massiven Startschwierigkeiten des 200-Millionen-Projekts des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco führen dazu, dass Arbeitslose ihre Taggelder nicht erhalten.

Bisher liefen rund zehn Prozent der Auszahlungen über das neue System. Ab dem 6. Januar sollten sämtliche Auszahlungen über die neue Software abgewickelt werden.

Doch das scheint nicht zu funktionieren.

«Wir brauchen sehr viel länger, in einzelnen Fällen bis zu fünf Mal länger, bis wir eine Auszahlung machen können.»

Das sagt Daniel Wessner, Leiter des Thurgauer Amts für Wirtschaft und Arbeit. Er ist der einzige von SRF angefragte Amtsleiter, der Auskunft zur Thematik geben will.

Die Umstellung auf das neue System sei mühsam: «Das System ist momentan sehr herausfordernd für uns.»

«Brauchen bis zu fünf Mal länger»

Das wirkt sich stark auf die fristgerechte Auszahlung der Taggelder aus.

Da die Auszahlungen ein Massengeschäft seien, käme es nun zu Verzögerungen. Aus diesem Grund melden sich viele Arbeitslose bei den Behörden und fragen nach. «Wir hatten teilweise die Situation, dass unsere Telefonleitungen zusammengebrochen sind», sagt Wessner.

Warst du schon mal arbeitslos?

Auch am Schalter der Arbeitslosenkassen und der regionalen Arbeitsvermittlung (RAV) herrsche Hochbetrieb.

Aufgrund der Komplikationen seien die Behörden momentan nicht in der Lage, den Leuten eine verbindliche Zahlungsfrist zu nennen.

Kompletter Systemabsturz im Thurgau

Bei der Arbeitslosenkasse des Kantons Thurgau kam es sogar zu einem kompletten Systemabsturz. «Wir haben die Leute nach Hause geschickt, weil gar nichts mehr ging», so Daniel Wessner gegenüber dem Sender.

Bereits 2016 wurde das neue System mit dem Namen Asalfutur lanciert. Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) führte beim Projekt insgesamt sechs Prüfungen durch und stellte diverse Mängel fest.

Die Mängel scheinen sich nun zu bewahrheiten. Das Seco muss sich heute Dienstag vor der ständerätlichen Kommission erklären.

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Kommentare

User #1826 (nicht angemeldet)

IT und Schweiz. Eine denkbar schlechte Kombination. Dann viel Spass mit der E-ID.

User #5816 (nicht angemeldet)

Das heisst doch für alle 5 Taggelder extra

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