Exil-Iranerin demonstrierte in Bern – jetzt wird sie bedroht

Simon Binz
Simon Binz

Bern,

Eine Exil-Iranerin in der Schweiz berichtet von Drohungen gegen ihre Familie, nachdem sie an einer Demonstration in Bern teilgenommen hatte.

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Hier reiss - SRF

Das Wichtigste in Kürze

  • Exil-Iranerinnen berichten in der Schweiz von Drohungen durch das Regime.
  • Eine Aktivistin erhielt nach einer Demonstration in Bern deutliche Nachrichten.
  • Experten sind überzeugt, dass die iranische Diaspora im Ausland streng überwacht wird.

Der Krieg im Nahen Osten hat auch Auswirkungen bis in die Schweiz. Vor der iranischen Botschaft in Bern versammeln sich regelmässig Exil-Iranerinnen und -Iraner, um gegen das Regime in Teheran zu protestieren. Und das im Wissen, das dessen verlängerter Arm bis in die Schweiz reicht.

Eine der mutigen Personen ist die Exil-Iranerin Azadeh Sadri. Sie nahm an verschiedenen Protestaktionen teil und veröffentlichte von sich auch ein Video, das zeigt, wie sie die iranische Flagge vom Zaun der iranischen Botschaft in Bern reisst.

Sollte die Schweiz Oppositionelle im Exil stärker schützen?

Wie sie gegenüber der «Tagesschau» erzählt, erhielt sie kurz darauf «drohende Kommentare»: «Darunter mit der Telefonnummer, Adresse und weiterer Informationen zu gewissen Familienmitgliedern», sagt Sadri.

Die Botschaften hätten deutlich gemacht, dass man ihre Familie im Iran kenne. «Sie meinten: ‹Ja, wir wissen, wer deine Familie ist, du wirst uns zu spüren bekommen›.»

Regime soll Demonstrationen beobachten

Experten gehen davon aus, dass Vertreter des Regimes auch im Ausland versuchen, Oppositionelle einzuschüchtern. Bei Protestaktionen – etwa im Februar vor der iranischen Botschaft in Bern – mischen sich laut Fachleuten immer wieder Personen in die Menge, die genau beobachten, wer teilnimmt und wer sich wie äussert.

Iran Krieg
Ein Bericht der Schweizer Flüchtlingshilfe aus dem Jahr 2023 hält fest, dass die iranischen Behörden - Screenshot/SRF

Ein Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe aus dem Jahr 2023 beschreibt dieses Vorgehen. Darin heisst es, iranische Behörden setzten im Ausland auf «Schikanen, Einschüchterung und Überwachung», um Druck auf Oppositionelle auszuüben. Häufig richteten sich Drohungen auch gegen Familienangehörige im Iran.

Auch andere Aktivistinnen berichten von Angst

Auch die Exil-Iranerin Yasmin Blanc Bärtsch engagiert sich in der Schweiz gegen das Regime. Sie sagt, das Gefühl beobachtet zu werden, begleite sie ständig.

«Ich weiss, dass diese Typen auch hier in der Schweiz sind. Ich weiss, dass sie uns beobachten, ich weiss, dass ich beobachtet werde», sagt in dem Bericht der «Tagesschau»-Spätausgabe.

In den Iran reisen Blanc Bärtsch sowie auch Sadri seit Jahren nicht mehr. Einschüchtern lassen wollen sie sich dennoch nicht. Blanc Bärtsch sagt: «Ich habe 2022 beschlossen – und sehr viele Iraner auch – jetzt ist fertig mit Angst. Jetzt stehen wir gemeinsam auf, und die Menge schützt mich.»

Auch Sadri zeigt sich überzeugt, dass der Druck des Regimes ein Zeichen der Schwäche sei. «Wir sehen, dass die islamische Republik kurz vor dem finalen Sturz steht», sagt sie. Die Drohungen würden vor allem eines zeigen: «Ihre eigene Angst vor dem Ende.»

Eine Anfrage an die iranische Botschaft in Bern des SRF zu den Vorwürfen blieb unbeantwortet.

Kommentare

User #1024 (nicht angemeldet)

Sollte die Schweiz Oppositionelle im Exil stärker schützen? Ja mit sofortiger Ausweisung.

User #3140 (nicht angemeldet)

Demos in Mitteleuropa nützen rein garnichts und schaden nur dem Ruf der Demonstranten.

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