Portal für Auszahlung der Arbeitslosengelder hat massive IT-Probleme
Mit dem Jahreswechsel erfolgte bei Arbeitslosenkassen eine IT-Systemumstellung, Das sorgt für massive Probleme – Arbeitslose bangen um fristgerechte Zahlungen.

Das Wichtigste in Kürze
- Arbeitslosenkassen kämpfen seit Anfang Jahr mit massiven technischen Problemen.
- Grund dafür ist ein um den Jahreswechsel neu eingeführtes IT-System.
- Laut Seco sollen Arbeitslosenkassen Vorschüsse an anspruchsberechtigte Menschen auszahlen.
Vergangenen Donnerstag fiel das Job-Portal der Schweizer Arbeitslosenkassen aus. Nutzer des Online-Services «Job-Room» konnten weder auf persönliche Konten zugreifen noch Funktionen wie Stellensuche, Bewerbungsverwaltung oder Dokumenten-Uploads nutzen.
Auf der Plattform müssen Arbeitssuchende unter anderem Dokumente hochladen, um ihre Taggelder zu erhalten. Auf diese Gelder angewiesen ist der Grossteil der rund 147'000 Arbeitslosen.
RAV-Zentren machten für Systemumstellung zwei Wochen dicht
Dieser Ausfall reiht sich in eine Reihe technischer Probleme seit Anfang Jahr ein. Denn mit dem Jahreswechsel hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) das IT-System Asal 2 eingeführt.
Dabei machten die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) wegen der Systemeinführung ab dem 22. Dezember sogar für ganze zwei Wochen dicht. In dieser Zeit sollten nämlich Daten migriert und neue Funktionen implementiert werden.
Doch das hat offenbar nicht so gut funktioniert. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, hätten bereits im Dezember einige Arbeitslose kein Geld erhalten.
Zudem sei momentan nicht absehbar, ob sie ihre Leistungen im Januar fristgerecht erhalten. Für viele Menschen sei dies existenzbedrohend.
«Grösste Krise»
Laut der Zeitung hatte vergangenen Dienstag der Leiter der grössten Schweizer Arbeitslosenkasse Unia-Mitarbeiter in einer E-Mail gewarnt: «Aktuell müssen wir wohl von der grössten Krise bei einer Informatik-Systemumstellung in der Arbeitslosenversicherung sprechen.»
Die Probleme kommen gemäss «Tages-Anzeiger» aber nicht von ungefähr. Das neue IT-System wurde 2016 als Projekt mit dem Namen Asalfutur lanciert.
Das Ganze wurde durch eine Aufsichtskommission eng begleitet. Mit dabei: Vertreter von Bund, Kantonen, Gewerkschaften und Arbeitgebern.
Demnach war die Einführung ursprünglich für das Jahr 2020 vorgesehen, musste aber mehrmals verschoben werden. Die Folge: Das Budget wuchs bis auf 201 Millionen Franken an.
Eidgenössische Finanzkontrolle kritisierte Projekt noch im Mai 2025
Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) führte beim Projekt insgesamt sechs Prüfungen durch – mit verheerendem Zeugnis für das Projekt und deren Leitung. So kritisierte die EFK etwa 2024. dass es keine belastbare Planung gebe.
Ausserdem seien Risiko- und Qualitätsmanagement schwach. Und: Konflikte zwischen Externen und Internen würden die Problemlösung verkomplizieren.
Nach der letzten Prüfung im Mai 2025 warnte die EFK demnach auch noch, dass kein Konzept für die Datenmigration von dem alten System vorliege. Weitere wichtige Punkte wurden beanstandet. So etwa, dass es damals noch keinen Prüfungsbericht zur Tauglichkeit des entwickelten Systems gab.
IT-Spezialisten erklären gegenüber der Zeitung zwar, dass eine Einschätzung von aussen schwierig sei. Doch es sei gut möglich, dass mit einem besseren Controlling das entstandene IT-Chaos vermeidbar gewesen wäre.
Seco: Vorschüsse gewähren
In der Zwischenzeit pocht das Seco darauf, dass sich die aktuellen technischen Probleme nicht auf die Auszahlungen an Arbeitslose auswirken. Dennoch könne es Verzögerungen «nicht vollständig» ausschliessen.
Gleichzeitig hat das Seco am Freitagabend eine E-Mail an die Arbeitslosenkassen geschickt. «Bitte gewährt bei anspruchsberechtigten Versicherten Vorschüsse», heisst es darin. Zu einer «teilweise automatisierten Abrechnung von einfachen Zahlungen» könne es ab Februar kommen.

Das Seco muss aber nun bei der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Ständerats antraben. Denn SP-Ständerätin Flavia Wasserfallen fordert, dass die Kommission «über das Ausmass der Probleme», und wie diese behoben werden sollen, informiert wird.













