Nicola Siegrist (25) ist neuer Präsident der Juso. Im Interview erklärt der Zürcher Kantonsrat und Klima-Aktivist, wo er politische Pflöcke einschlagen will.
Nicola Siegrist Ronja Jansen
Nicola Siegrist (25) folgt an der Spitze der Schweizer Jungsozialisten auf Ronja Jansen (27). - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Nicola Siegrist wurde am Sonntag als Nachfolger von Ronja Jansen zum Juso-Chef gewählt.
  • Er will auch als Mann konsequent für eine feministische Politik einstehen.
  • Für den Klimaschutz schreckt er auch nicht vor «drastischen» MItteln zurück.

Nau.ch: Nicola Siegrist, wie werden Sie als neuer Chef die Juso verändern? Wird sie noch schriller oder dürfen wir nach Jansen, Funiciello und Co. wieder Sachpolitik erwarten?

Nicola Siegrist: Das Ziel der Juso ist immer, grundlegende Fragen in die Öffentlichkeit zu bringen. Deshalb werden wir schrill und provokativ bleiben. Wie genau das funktioniert, werden Sie sicher bald sehen.

Nicola Siegrist Juso
Nicola Siegrist an der Juso-Jahresversammlung am 19. Juni 2022 in Bern.
Juso Funiciello Jansen
Vor Siegrist waren Ronja Jansen (rechts) und nochmals zuvor Tamara Funiciello Präsidentinnen der Juso.
Juso Molina
Fabian Molina, heute Nationalrat für die SP, war bis 2016 Präsident der Juso.
Roth Juso
David Roth ist heute Kantonsrat in Luzern, war aber bis 2014 Juso-Präsident.
Wermuth Juso
Heute ist er SP-Co-Präsident, bis 2011 war er noch Juso-Chef: Cédric Wermuth, hier im Jahr 2009.

Nau.ch: Nach zwei Frauen steht wieder ein Mann an der Spitze, es gab nicht einmal eine weibliche Gegenkandidatin. Hat das intern nicht für einen Aufstand gesorgt?

Nicola Siegrist: Es kam tatsächlich zu Diskussionen, denn wir sind eine feministische Partei. Ich übernehme nun das Erbe meiner Vorgängerinnen. Auch, wenn nun wieder ein Mann Präsident ist, wird die Juso eine feministische Kraft bleiben. Hinzu kommt: Ich werde bewusst Menschen Platz geben, die weniger Privilegien haben als ich, dazu gehören auch Frauen.

Nau.ch: Letzte Woche war Frauenstreik, am Wochenende Pride. Werden Sie in diesem Bereich Duftmarken setzen?

Pride Zürich 2022
Die Pride in Zürich zog am Samstag mehrere Tausend Menschen an. - Keystone

Nicola Siegrist: Die sexuelle Orientierung oder das Geschlecht eines Menschen darf keine Rolle mehr spielen. Szenen wie in Zürich, wo friedliche Versammlungen von vermummten, homophoben Rechtsextremen gestört werden, sind eine Schande. Deshalb setze ich mich ein gegen sexuelle Gewalt und Hate Crimes und für eine Aufwertung der Care-Arbeit. Und ja: eine gendergerechte Sprache gehört für mich als Zeichen des Respekts dazu.

Nau.ch: Sie sind Aktivist im Klimastreik. Begrüssen Sie zivilen Ungehorsam, um auf Probleme aufmerksam zu machen?

Nicola Siegrist: Die Klimakrise ist die grösste Bedrohung für unsere Zivilisation. Deshalb ist es legitim, zu drastischen Mitteln zu greifen. Der Sinn von zivilem Ungehorsam ist Aufmerksamkeit, das ist mit vielen Aktionen gelungen. Sie sollten aber gegen die Verursacher der Krise gerichtet sein, nicht gegen die Bevölkerung. Deshalb werden wir mit der Juso sicher keine Autobahn blockieren. Aber vielleicht ein Gaskraftwerk…

Klimastreik Tankanlage
Teilnehmende an der Blockade der Tankanlage Rümlang ZH, Mai 2022. Der Klimastreik versucht immer wieder mit zivilem Ungehorsam auf sich aufmerksam zu machen. - Keystone

Nau.ch: Sie haben ein Volksbegehren für eine Erbschaftssteuer für Superreiche lanciert. Wieso braucht es schon wieder eine chancenlose Juso-Initiative?

Waren Sie in Ihrer Jugend auch politisch aktiv?

Nicola Siegrist: Die neue Initiative zielt nochmals stärker auf die Superreichen. KMUs wären von unserer neuen Initiative nicht betroffen. Die Klimakrise ist eine Folge des kapitalistischen Systems. Also sollen jene dafür bezahlen, welche von der Ausbeutung der Erde am meisten profitiert haben.

Nau.ch: Einer ihrer Vorgänger leitet die Mutterpartei. Wie ist ihr Verhältnis zu Cédric Wermuth und der aktuellen Politik der SP?

Meyer Wermuth SP
Cedric Wermuth, links, und Mattea Meyer, das Co-Präsidium der SP Schweiz. - Keystone

Nicola Siegrist: Ich verstehe mich gut mit Cédric und Mattea. Aber es ist Aufgabe der Juso, die SP vor sich herzutreiben. Das werde ich natürlich tun, weil es um grosse Fragen geht. Die SP darf sich nicht zu sehr auf parlamentarisches Hickhack konzentrieren, sondern muss an der Basis präsent sein. Hier gibt es Nachholbedarf. Ich bin aber überzeugt, dass die linken Parteien und Organisationen zusammenarbeiten sollten – insbesondere auch SP und Grüne.

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