Ernährungsinitiative – Guy Parmelin: «Ziele gut, aber unerreichbar»
In der Ernährungsinitiative-«Arena» bezeichnen die Gegner die Ziele als «unerreichbar» oder «utopisch». Die Initiantin betont, niemanden umerziehen zu wollen.

Das Wichtigste in Kürze
- Guy Parmelin hält die Ziele der Ernährungsinitiative für unerreichbar.
- SP-Roth wirft den Initianten vor, mit der Angst der Bevölkerung zu spielen.
- Franziska Herren sagt, man müsse auf alles vorbereitet sein.
Ist es eine «nachhaltige, klimabewusste Land- und Ernährungswirtschaft» oder ein «Vegan-Zwang»? Schon bei der Auslegung der Ernährungsinitiative gehen die Meinungen weit auseinander. So weit, dass das Initiativkomitee sogar Beschwerde gegen das Abstimmungsbüchlein einlegte, weil dort irreführend informiert werde.
So oder so hatte Initiantin Franziska Herren in der SRF Arena einen schweren Stand: Schliesslich hatte sie schon im National- und Ständerat keine einzige Stimme gemacht. Doch sie konterte die Argumente von SVP (Bundesrat Guy Parmelin), SP (Ständerätin Franziska Roth) und Mitte (Bauernpräsident Markus Ritter) gelassen.

Von der Kontraseite gibt es auch leisen Zuspruch: «Die Initiative will viel Gutes», sagt beispielsweise Roth. Parmelin findet die Richtung gut. Doch beide betonen, dass die Initianten «zu viel zu schnell» wollten, dass die Ziele nicht umgesetzt werden könnten.
Doch warum kämpft Franziska Herren trotz fehlender Unterstützung für ihre Initiative?
«Das Parlament und der Bund haben den Auftrag, die Schweiz in einer Krise aus dem eigenen Boden zu ernähren.» Innerhalb von einem Jahr müsse der Selbstversorgungsgrad auf 100 Prozent erhöht werden können.

Deshalb fordert die Initiative, dass bis 2040 mindestens 70 Prozent der konsumierten Kalorien in der Schweiz hergestellt werden. «Wir leben in einer krisengeplagten Welt und müssen uns auf alles vorbereiten», so Herren.
Ernährungsinitiative: Befürworter fordern effizientere Nutzung des Landes
Der Bundesrat wolle den Selbstversorgungsgrad erhöhen, jedoch schrittweise und auf 50 Prozent, betont Parmelin. Man müsse auch die Realität sehen: Die Schweiz sei klein, ein grosser Teil des Landes für die Landwirtschaft nicht nutzbar. Deshalb seien diese 70 Prozent «fast unmöglich zu erreichen».
Die Initianten erklären, wie es möglich sein soll: durch effizientere Nutzung des Bodens. Man müsse auf den Ackerflächen den Anbau menschlicher Nahrung priorisieren. Heute würde ein Grossteil für Tierfutter «verschwendet», sagt Herren.

Bauern-Präsident Ritter hält es auch so für «utopisch», einen Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent zu erreichen. Im Zweiten Weltkrieg hätte man das zuletzt gehabt – mithilfe einer Anbauschlacht, weniger Einwohnern und mehr Kulturland.
Eine solche Krise mit geschlossenen Grenzen hält Roth für unwahrscheinlich. Sie wirft den Befürwortern vor, mit der Angst zu spielen. Und auch im Krisenfall würde die Schweiz für die Versorgung auf die Nachbarländer angewiesen sein.
Das betont auch Guy Parmelin. «Die Schweiz ist sowieso abhängig vom Ausland.» Doch der Bund kontrolliere die Risiken und ergreife Massnahmen.

Herren wiederholt, dass es die Aufgabe von Parlament und Bund sei, für die Ernährungssicherheit zu sorgen, auch bei geschlossenen Grenzen. Parmelin verteidigt sich: «Das tun wir auch.» Man habe Pflichtlager geschaffen und Reserven angelegt.
SP-Roth distanziert sich vom Vorwurf des Vegan-Zwangs
Die Initianten fordern auch eine Anpassung der Subventionen: Heute gingen 75 Prozent der Subventionen indirekt oder direkt an die Produktion von tierischen Nahrungsmitteln, sagt Agronomin Regula Züger.
Die Produktion werde in Richtung mehr tierische Produkte geleitet, sagt sie. Hier brauche es einen Ausgleich und ein Ende der «Benachteiligung» der pflanzlichen Nahrungsmittel.

Roth und Parmelin fürchten, dass dadurch das Schweizer Fleisch teurer würde. Und das würde zu mehr Importen und Einkaufstourismus führen. Die SP-Ständerätin kritisiert, dass so den Haushalten mit geringeren Einkommen die Wahl genommen werde.
Die Gegner der Initiative sprechen teils auch von einem «Vegan-Zwang». Parmelin und Roth distanzieren sich davon, die Initiative schreibe niemandem vor, was er essen darf.
Und auch Initiantin Herren betont, dass sie die Bevölkerung nicht zu Vegetariern umerziehen wolle.
Angesprochen auf die 47 Kilo Fleisch, die der durchschnittliche Schweizer konsumiert, sagt sie aber, dass ein Drittel davon empfohlen sei. Sie betont, dass sie sich dabei auf die Empfehlungen des BAG beziehe.












