Zoo Zürich: Ein Plan für die Zukunft mit lauter Gewinnern
Der Zoo Zürich will sich zum Tiergarten der Zukunft entwickeln. Direktor Severin Dressen erklärt, wie davon Tiere, Zoogäste und Anwohnende profitieren.

Mit dem kürzlich publizierten kantonalen Gestaltungsplan will der Zoo Zürich seine Transformation zum Tiergarten der Zukunft weiter vorantreiben. Warum damit sowohl die Tiere und Zoogäste wie Anwohnerinnen und Anwohner profitieren, erklärt Direktor Severin Dressen.
Redaktion: Im Jahr 2021 hat der Zoo den Entwicklungsplan 2050 vorgestellt. Nun ist dazu der kantonale Gestaltungsplan gefolgt. Was bedeutet dies für Bau-Laien?
Severin Dressen: Grundsätzlich bildet ein kantonaler Gestaltungsplan die Rechtsgrundlage für die Planung von grösseren, komplexen oder kantonal bedeutenden Bau- und Infrastrukturprojekten. In unserem Fall ist das der Entwicklungsplan 2050.
Letzterer ist ein wichtiges Instrument, damit wir uns als Zoo Zürich kontinuierlich für unsere Tiere und Gäste weiterentwickeln können und uns auch zukünftig zu einem der führenden Zoos zählen dürfen.

Das Renommee ist meinem Vorgänger Alex Rübel zu verdanken, der mit seinem Masterplan 2020, wie der damalige Entwicklungsplan genannt wurde, ab den 1990ern den Zoo modernisierte, als er das Konzept der Lebensräume schuf.
Dieses Konzept haben wir weiter verfolgt. Salopp könnte man sagen: Der Entwicklungsplan entspricht einem Ideenkonzept und der Gestaltungsplan schafft die dafür nötigen Verbindlichkeiten. Er regelt Lage, Nutzweise und äussere Abmessungen von Anlagen und Gebäuden sowie Verkehrserschliessung beziehungsweise setzt diese fest.
Anzumerken ist, dass von den 11 projektierten Lebensräumen des Entwicklungsplans 2050 bereits sechs – Sangay Bergnebelwald, Semien Gebirge, Kaeng Krachan Elefantenpark, Lewa Savanne, Masoala Regenwald und Panthera – nach dem alten Gestaltungsplan realisiert werden konnten, das Pantanal Feuchtgebiet sich im Bau und der Ndoki Wald in Planung befindet. Für weitere Schritte brauchen wir aber zwingend den neuen Gestaltungsplan.

Redaktion: Aber ist es nicht riskant, soweit zu planen angesichts der Tatsache, dass sich Entwicklungen in den Zoos laufend ändern, etwa durch neue Erkenntnisse über die Bedürfnisse von Tierarten oder auch durch vermehrtes Auftreten infektöser Krankheiten wie die Vogelgrippe?
Dressen: Ein kantonaler Gestaltunsplan ist kein Detailplan. Man könnte sagen, dass er die Rahmenbedingungen vorgibt, während der jeweilige Lebensraum dann während der Bauprojektphase konkretisiert wird.
Gerade weil alle unsere Lebensräume Unikate sind, welche dadurch einen entsprechenden Planungsvorlauf haben, und da wegen der zunehmenden Rekurshäufigkeit und -länge Zeitachsen schwerer zu planen sind, macht eine solche Langfristigkeit sicherlich Sinn.
Redaktion: Was sind nun die nächsten Schritte zur Realisierung des kantonalen Gestaltungsplans?
Dressen: Der Plan liegt vom 1. September bis zum 2. November 2026 öffentlich beim kantonalen Amt für Raumentwicklung, Stampfenbachstrasse 12 (4. Stock), 8090 Zürich sowie beim Amt für Städtebau, Lindenhofstrasse 19, 8021 Zürich, auf.
Dann geht das Ganze in die Vernehmlassung. Anfang 2027 wird dann der Plan festgesetzt und dann läuft die übliche Frist für allfällige Einsprachen. Es folgen allfällige Gerichtsverfahren und im Optimalfall wird dann der Gestaltungsplan noch im gleichen Jahr rechtsgültig.

Redaktion: Welcher der drei übrigen Lebensräume – Sumatra Regenwald, Slow Island und Meeresküste – wird nach der Fertigstellung der Pantanal Feuchtgebiets und des Ndoki Waldes als Nächstes umgesetzt und was sind deren Besonderheiten?
Dressen: Beim Sumatra Regenwald gibt es einen wortwörtlichen Höhepunkt, nämlich dass die Zoogäste über einen Pfad die Orang-Utans innen wie aussen auf der Höhe von Baumwipfeln – bis 50 m über dem Boden – erleben können, also da, wo sich die Tiere in der Natur die meiste Zeit aufhalten.
In Slow Island werden die bedrohten Koalas die ebenfalls bedrohten Komodowarane, die grössten Landechsen der Welt, als Nachbarn erhalten. Und der Lebensraum Meeresküste lässt die Gäste über einen Glastunnel in die Unterwasserwelt der gefährdeten Humboldtpinguine eintauchen.
Eine Reihenfolge bei der Umsetzung haben wir noch nicht festgelegt. Je nachdem können auch andere Projekte wie die Gebäudeerweiterung des Masoala Regenwalds, der unter anderem einen Indoor-Spielplatz und Bildungsräumlichkeiten beinhalten soll, oder die unterirdische Parkierungsanlage für Zoogäste unter dem ASVZ-Sportplatz Fluntern vorgezogen werden.

Redaktion: Dass auch eine unterirdische Parkierungsanlage im Entwicklungsplan vorgesehen ist, dürfte für viele eine Überraschung sein. Ist dies als Abkehr des Konzepts der Zooseilbahn zu verstehen?
Dressen: Nein. Wir halten weiter an der Seilbahn fest und setzen weiter auf den öffentlichen Verkehr. Im städtischen Verkehrskonzept wird beispielsweise geprüft, ob die Tramlinie optimiert und näher an den Zoo-Eingang gezogen werden könnte.
Zugleich sieht dieses Konzept die Bündelung der Parkierung vor. Die unterirdische Parkierungsanlage würde dem Rechnung tragen. Die Idee war erst, die Parkierungsanlage unter den aktuellen oberirdischen Parkplatz beim Masoala Regenwald zu bauen.
Durch die Verlegung unter den ASVZ Sportplatz lässt sich jedoch der motorisierte Verkehr bündeln, bevor er tiefer ins Quartier gelangt. Zudem entsteht durch die unterirdische Parkierungsanlage ein hoher ökologischer Mehrwert.
Redaktion: Inwiefern?
Dressen: Durch die geplante Parkierungsanlage würden die Parkplätze entlang der Zürichbergstrasse und auf dem Masoala-Parkplatz entfallen. Dadurch könnten allein insgesamt 1,5 Hektar umgestaltet und renaturiert werden. Zusammengefasst kann man sagen, dass es lauter Gewinner gibt, wenn der kantonale Gestaltungsplan genehmigt wird.

Es gibt zusätzliche Grünflächen, weniger Suchverkehr in Fluntern und kein Zooverkehr mehr in der Kernzone des Quartiers, alle profitieren von spannenden Einblicken und erhöhtem Erlebnisfaktor – und das Tierwohl wird durch weitere naturnahe, auf die Bedürfnisse der Tiere zugeschnittene Lebensräume gestärkt.
Kurz: Nur mit einem neuen kantonalen Gestaltungsplan kann der Zoo Zürich seine Arbeit als moderne Naturschutzorganisation und meistbesuchtes Freizeiteinrichtung des Landes weiter wahrnehmen.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.








