Trinkwasser-Initiative

    Darum erhält Trinkwasserinitiative nun FDP-Support

    Elisa Jeanneret
    Elisa Jeanneret

    Bern,

    Die Agrarinitiativen sorgen für viel Diskussionen. Die Trinkwasserinitiative, erhält unerwartete Unterstützung aus der FDP. Christian Wasserfallen sagt, wieso.

    FDP Trinkwasserinitiative GLP
    Die Medienkonferenz des liberalen Komitees für die Trinkwasserinitiative mit den GLP-Nationalrätinnen Tiana Moser (ZH) und Melanie Mettler (BE), sowie den FDP-Nationalräten Matthias Jauslin (AG) und Christian Wasserfallen (BE). - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Trinkwasserinitiative sorgt im Moment für viel Gesprächsstoff.
    • Ihre Gegnerschaft besteht mehrheitlich aus Bürgerlichen, doch diese sind gespalten.
    • Zwei prominente FDP-Nationalräte unterstützen das Volksbegehren. Hier sind die Gründe.

    Am 13. Juni stimmt die Schweiz über zwei Agrarinitiativen ab. Im bürgerlichen Lager stossen beide auf Ablehnung, werden als «zu extrem» abgestempelt. Einige Exponenten tanzen aber aus der Reihe.

    Matthias Jauslin (AG) und Christian Wasserfallen (BE), Nationalräte der FDP, sind Teil des liberalen Komitees für die Trinkwasserinitiative. Dieses wird von der Grünliberalen Partei geführt und soll aufzeigen, dass auch aus liberaler Überzeugung der Initiative zugestimmt werden darf.

    Christian Wasserfallen FDP
    Nationalrat Christian Wasserfallen (FDP/BE) im Bundeshaus, Frühlingssession 2021. - Keystone

    Die Unterstützung von Christian Wasserfallen überrascht besonders. Der Berner ist etwa vehementer Gegner des CO2-Gesetzes und kritisierte den neuen Öko-Kurs des Freisinns öffentlich.

    An einer Medienkonferenz präsentieren die FDP-Männer neben den GLP-Nationalrätinnen Tiana Moser (ZH) und Melanie Mettler (BE) ihre Hauptargumente.

    Keine Verbote, sondern Subventionen und Direktzahlungen

    Die Trinkwasserinitiative sieht vor, nur noch Landwirtschaftsbetrieben, die pestizidfrei Lebensmittel produzieren, Direktzahlungen zukommen zu lassen. Zudem sollen Tiere nur noch mit eigenem Futter sowie ohne vorbeugende Antibiotika ernährt und auf Biodiversität geachtet werden. Kurz: Wer nicht umweltbewusster Landwirtschaft betreibt, erhält kein Staatsgeld mehr.

    Trinkwasserinitiative Pestizid Landwirtschaft
    Die Trinkwasser-Initiative würde Direktzahlung an Bauernhöfe verbieten, welche synthetische Pestizide verwenden und nicht auf Biodiversität achten. So soll eine ökologischere Landwirtschaft - Keystone

    Das ist für die beiden Freisinnigen Jauslin und Wasserfallen ein durch und durch liberaler Ansatz für eine ökologischere Agrarpolitik. «Die Entscheidung, welche Anbaumethode gewählt wird, liegt nach wie vor bei den landwirtschaftlichen Betrieben», so Jauslin an der Medienkonferenz. Übrigens ganz anders als bei der Pestizidverbotsinitiative, vermerken beide Nationalräte.

    Matthias Jauslin
    Matthias Jauslin (FDP/AG), Sprecher der Staatspolitischen Kommission (SPK), im Nationalrat. - Keystone

    «Es geht hier darum, wie die staatlich finanzierten Direktzahlungen eingesetzt werden», erklärt Wasserfallen auf Anfrage weiter.

    Mitglieder der FDP erachten die Lösung als prioritär

    Die Freisinnigen haben vergangenes Jahr die sogenannte «Enkelstrategie» verabschiedet. So will die Partei «enkeltaugliche Politik» betreiben, die also auch zukünftige Generationen in Betracht zieht. Laut dem Strategiepapier befürworten 48 Prozent der FDP-Mitglieder eine Änderung der Subventionen für eine ökologischere Landwirtschaft.

    FDP Enkelstrategie Petra Gössi
    FDP-Parteipräsidentin Gössi will mit Blick auf die Wirtschaft, die Sozialwerke und die Umwelt eine enkeltaugliche Strategie entwickeln. (Archivbild) - Keystone

    Die Massnahme steht über alle anderen vorgeschlagenen Lösungen, wie zum Beispiel «Verschärfung der bestehenden gesetzlichen Instrumente». Für Christian Wasserfallen ist das ein Hinweis darauf, dass die Trinkwasserinitiative die richtige Lösung darstellt: «Die Mitglieder sehen, dass man Subventionen anders einsetzen sollte, um Biodiversität zu schützen.»

    Dies, obwohl die Delegierten der FDP im Februar die Nein-Parole fassten. Jedoch sei die Ja-Minderheit in der Partei ziemlich gross, erklären Wasserfallen und Jauslin. Etwa 45 Prozent der Delegierten hätten an der Versammlung Ja gestimmt.

    Andere Lösungen sind gescheitert

    Während der Frühlingssession 2021 versenkte die Agrarlobby dank des bürgerlichen Lagers im Parlament die Agrarreform AP22+. Das hat bei Befürwortern einer umweltfreundlicheren Landwirtschaft für Unmut gesorgt; auch bei den zwei Vertretern der FDP.

    USA Schweizer Markt
    Markus Ritter, Präsident des Bauernverbands, stellt sich gegen die Agrarreform des Bundes. - Keystone

    Der Konsens lautet wie folgt: Da die Reform sistiert wurde, muss eine andere Lösung her. «Deshalb braucht es nun eine Antwort der Bevölkerung», sagt Jauslin. Die Initiative sei pragmatisch und umsetzbar, auch wegen der Umsetzungsfrist von acht Jahren.

    «Man hat in der Frühlingssession gesehen, dass sich nichts bewegt», erklärt Wasserfallen gegenüber Nau.ch. Der Gegenvorschlag zur Initiative sei zudem «verwässert» worden: «Es braucht jetzt Lösungen für den Trinkwasserschutz in der Landwirtschaft und bei den Konsumentinnen und Konsumenten.»

    Agrarinitiativen Pestizidverbot Trinkwasserinitiative
    Plakate werden vor der Medienkonferenz des überparteilichen Bauernkomitees gegen die Trinkwasserinitiative und dem Pestizidverbot aufgestellt. - Keystone

    Der Bund erachtet jedoch, anders als die beiden Nationalräte der FDP, die heutigen Massnahmen zum Trinkwasserschutz als genügend. Er lehnt die Trinkwasserinitiative ab. Der Schweizerische Bauernverband ebenso.

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