Crans-Montana: Mitte-Nationalrat fordert Charlie-Hebdo-Verbot
Das französische Satire-Magazin Charlie Hebdo karikiert die Feuer-Tragödie von Crans-Montana. Schweizer Politiker sind schockiert. Und fordern Massnahmen.

Das Wichtigste in Kürze
- Charlie Hebdo ist bekannt für seine provokativen Karikaturen.
- Nun gibt es gegen das Satire-Magazin wegen einem Crans-Montana-Bild eine Strafanzeige.
- Benjamin Roduit (Mitte) fordert ein Verbot der Zeitschrift in der Schweiz.
- Jean-Luc Addor (SVP) sagt, die Sanktion sollte von den Lesern des Magazins kommen.
Benjamin Roduit wählt deutliche Worte: «Zu einer Stunde, in der junge Opfer um ihr Überleben kämpfen, ist das widerwärtig und inakzeptabel. Es ist eine Verletzung der Menschenwürde. Mir fehlen die Worte, um dieses Bild zu beschreiben», so der Walliser Mitte-Nationalrat.

Einbandagierte und brennende Skifahrer kurven die Pisten herunter. Auf einem Schild ist angeschrieben, dass es sich um «Crans-Montana» handelt. «Die Verbrannten fahren Ski. Die Komödie des Jahres», so der Titel.
Die Zeichnung ist unmissverständlich: Das französische Satire-Magazin Charlie Hebdo macht sich über die Brand-Opfer von Crans-Montana lustig.
Dies gerade mal neun Tage nach der Feuer-Katastrophe in der Bar «Le Constellation» mit 40 Todesopfern. Und dann auch noch am nationalen Trauertag der Schweiz, wo sogar der französische Staatspräsident Emmanuel Macron anreiste.
Benjamin Roduit (Mitte) fordert ein Charlie-Hebdo-Verbot
Roduit will bei der nächsten Parlaments-Session einen Antrag zu möglichen Massnahmen einreichen.
Für ihn ist klar: Charlie Hebdo sollte in der Schweiz nach dem Crans-Montana-Bild nicht mehr gekauft werden dürfen. Zu einem möglichen Verbot sagt der Politiker aus Saillon VS: «Ohne zu zweifeln, ja.»
Etwas habe ihn überrascht – nämlich: «Dass Macrons Frankreich, das ebenfalls stark von der Tragödie betroffen ist, noch keine Massnahmen ergriffen hat.»
Strafanzeige gegen Charlie Hebdo
Die französischen Witze-Macher sind mittlerweile im Mittelpunkt einer Strafanzeige. Diese reichten Béatrice und Stéphane Riand ein.
In den Augen der Autorin und des Anwalts verstösst das Satire-Magazin mit der Karikatur gegen Artikel 135 des Schweizer Strafgesetzbuches. Dieser Artikel ahndet die Herstellung und Verbreitung gewalttätiger Inhalte, die die Menschenwürde schwerwiegend verletzen. Und sieht für Gewalttaten gegen Minderjährige erhöhte Strafen vor.
Jean-Luc-Addor nimmt Charlie-Hebdo-Leser in die Pflicht
Bereits am Montag-Morgen kommentierte der Walliser SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor (61) die Karikatur gegenüber Nau.ch. Er zeigt sich «zutiefst schockiert vom unfassbar schlechten Geschmack. Charlie Hebdo macht schmutziges Geschäft, getarnt als Meinungsfreiheit.»

Addor, der auch Opfer-Anwalt ist, glaubt eher weniger, dass die Strafanzeige erfolgreich ist. Er bezweifle, dass die Karikatur unter diesen Artikel falle.
Die beste Strafe sei sowieso eine andere: «Selbst Abscheuliches rechtfertigt keinen Angriff auf die Meinungsfreiheit. Die Sanktion sollte von den Lesern dieses Magazins kommen.»
Mega-Shitstorm im Netz – auch Brandopfer melden sich zu Wort
Auch in den Kommentaren auf Instagram erntet das Magazin für den Schweiz-Angriff heftige Kritik.
«Das ist kein Humor. Das ist weitere Gewalt. Die Grenze ist überschritten», so schreibt etwa Julie Bourges zum Bild. Die Französin erlitt im Alter von 16 Jahren bei einer Schul-Fasnacht selbst schwere Verbrennungen.

«Sie gewinnen das Spiel um Aufmerksamkeit. Indem Sie am nationalen Trauertag die Hinterbliebenen und die noch auf der Intensivstation liegenden Opfer beleidigen», schreibt eine Schweizer Polizei-Community-Seite.
Weiter: «Als Sie angegriffen wurden, haben wir um Ihre Toten getrauert und diese Angriffe verurteilt. Und so danken Sie es uns.»
Attentat auf Redaktion Charlie Hebdo vor elf Jahren
Kurz vor dem Skandal-Post jährte sich das Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo zum elften Mal. Bei einem islamistisch motivierten Anschlag wurden am 7. Januar 2015 zwölf Mitarbeiter ermordet.
In ganz Frankreich fanden Gedenk-Veranstaltungen mit Millionen Teilnehmern statt.




















