Coronavirus: Berset nennt Zahlen zu Ansteckungen im Restaurant

    Christof Vuille
    Christof Vuille

    Bern,

    Bars und Restaurants werden in der Deutschschweiz um 19 Uhr geschlossen. Nun zeigen BAG-Zahlen: Sie sind nicht der Hotspot der Ansteckungen mit dem Coronavirus.

    Alain Berset Restaurants Coronavirus
    Alain Berset nennt in der Fragestunde des Nationalrats Zahlen: Sieben Prozent der Befragten geben an, sich wohl in einer Bar oder einem Restaurant mit dem Coronavirus angesteckt zu haben. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Sieben Prozent der Befragten geben an, sich in einem Gastro-Lokal angesteckt zu haben.
    • Viele Daten fehlen, doch Alain Berset warnt vor Superspreader-Events in Restaurants.
    • Die Gastro-Branche kritisiert den Bundesrat für die Einschränkungen scharf.

    Abends um 19 Uhr gehen in der Deutschschweiz die Lichter aus. Alle Läden, Bars und Restaurants müssen dann neuerdings schliessen. Mit dieser Massnahme des Bundesrats soll die Verbreitung des Coronavirus eingedämmt werden. Der Aufschrei der Gastro-Branche ist riesig.

    Gastrostreik Bern Coronavirus Bundesrat
    Beizer aus dem Lorraine-Quartier auf einem der Demo-Züge des «Kollektivs Gastrostreik Bern». - sda - Keystone/PETER SCHNEIDER

    Am Samstag gingen in Bern hunderte Köche, Kellner und Beizer auf die Strasse. Die Teilnehmer des Gastrostreiks sagen, dass sie ohne das Abendgeschäft nicht mehr rentabel arbeiten können.

    Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer sprach im Interview mit Nau.ch von einer «Katastrophe». Dank den Schutzmassnahmen seien Ansteckungen kaum möglich.

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    Interview Casimir Platzer, Präsident der GastroSuisse zu den neuen Massnahmen und der Sperrstunde. - Nau.ch

    Was die Betreiber tatsächlich besonders ärgert: Trotz ausgeklügelten Schutzkonzepten mit Abstand, Plexiglas und Masken werden sie weiter eingeschränkt.

    Wie gut die Konzepte wirklich funktionieren, ist schwierig zu sagen. Gesundheitsminister Alain Berset hat aber nun Zahlen zu den Ansteckungen in Bars und Restaurants geliefert.

    Alain Berset warnt vor Superspreader-Events

    Der grünliberale Nationalrat Roland Fischer wollte wissen, wie viele Prozent der Ansteckungen im Gastro-Bereich stattfinden. Schliesslich müsste dies durch die Kontakterhebung der Gäste zu eruieren sein, schreibt er.

    Berset macht in seiner schriftlichen Antwort klar, dass nur jeder dritte gemeldete Fall eine Angabe über den vermuteten Ansteckungsort enthält. Dennoch: «Sieben Prozent der befragten Personen geben Bars oder Restaurants und zwei Prozent Discos oder Clubs als Ansteckungsort an.»

    Alain Berset Fragestunde Coronavirus
    Bundesrat Alain Berset spricht während der Fragestunde über das Coronavirus. - keystone

    Aus amerikanischen Studien wisse man aber, «dass die meisten Infektionen an sogenannten Superspreader-Orten stattfanden.» Das seien Orte, wo sich mehrere Menschen in geschlossenen Räumen über längere Zeit aufhielten. Darunter fielen neben Fitnesszentren eben auch Restaurants.

    Allerdings ist auch nicht auszuschliessen, dass der Anteil der Gastro-Ansteckungen in der Schweiz sogar noch tiefer liegt. Schliesslich «fliegen» wohl viele Infektionen mit dem Coronavirus in Restaurants dank des Contact Tracings auf.

    Coronavirus: Es drohen Schliessungen

    Ob und inwiefern diese Zahlen in den Entscheid einfliessen, die Gastro-Branche ganz zu schliessen, ist unklar. Berset machte am Montag bei einer Pressekonferenz aber kein Geheimnis daraus, dass solche Massnahmen nicht vom Tisch sind.

    Gleiches gilt für Läden, die nicht Lebensnotwendiges verkaufen. Zu den Ansteckungszahlen in Geschäften gebe es gar keine Daten, erklärte Berset auf eine entsprechende Frage von Christa Markwalder (FDP).

    Sind die Einschränkungen für die Gastronomie gerechtfertigt?

    Sicher ist: Zahlen zu Ansteckungsorten bergen Brisanz. Im Sommer kam es im BAG zu einer Kommunikationspanne. Dieses vermeldete, dass der Grossteil der Infektionen im Ausgang passierte.

    Kurze Zeit später korrigierte das Amt dies. Demnach finden die allermeisten Infektionen mit dem Coronavirus im familiären Umfeld statt. Das dürfte sich seither kaum geändert haben.

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