Ueli Maurers Auftritt bei CNN nach seinem Treffen mit Donald Trump war nicht das Gelbe vom Ei. Der Ami-TV-Sender will jedoch nicht erklären, wie es dazu kam.
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Bundespräsident Ueli Maurer im Live-Interview mit Zain Asher von CNN. - CNN

Das Wichtigste in Kürze

  • Welche Rolle spielte CNN beim verpatzten TV-Auftritt von Bundespräsident Maurer?
  • Der amerikanische Newssender will nicht erklären, wie es zum Interview kam.
  • Ueli Maurer schien sowohl von der Live-Situation, wie von der Themensetzung überrascht.
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Dieser Auftritt ging in die Hose. Und um die Welt – leider. Ueli Maurer beantwortete bei CNN in einem Live-Interview Fragen zur Beziehung USA-Iran.

Doch: Von einer Live-Schaltung sei im Vorfeld seitens CNN «nie die Rede gewesen», kritisiert Kommunikationschef Peter Minder am Tag darauf gegenüber Nau.ch. Zudem sei der Iran kein Thema des Treffens gewesen. «Wir wurden von CNN völlig überrumpelt», erklärte Minder.

Ueli Maurers Kommunikationschef wirft CNN Schludrigkeit vor

Ueli Maurer wirkte im Interview verunsichert, offenbar konnte er aufgrund der schlechten Tonqualität die Fragen nicht richtig verstehen. Komm-Chef Minder musste helfen. Dieser schiesst scharf gegen den Sender. «Hier wurde journalistisch schludrig und kommunikativ schlecht gearbeitet.»

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Peter Minder ist als Kommunikationschef seit Jahren einer der engsten Vertrauten von Bundespräsident Ueli Maurer. - Keystone

CNN nimmt dazu keine Stellung. Auch nicht, ob die Live-Duplex-Form zuvor vereinbart wurde. Das Duplex-Interview gilt als schwierigsten Form des TV-Auftritts: Der Interviewte blickt in eine Kameralinse und hat nur über einen Knopf im Ohr Kontakt zum Journalisten.

Steven Meyers, CNN-Pressesprecher für die Schweiz, weicht den Fragen von Nau.ch aus. Auch Moderatorin Zain Asher, die das Interview in der Sendung «Quest means business» führte, liefert keine Erklärungen.

Wie kam das CNN-Interview überhaupt zustande?

CNN konnte offenbar kurzfristig über die Schweizer Botschaft in Washington Kontakt zu Maurer aufnehmen. Der Newssender schien davon auszugehen, dass das Schutzmachtmandat, welches die Schweiz von den USA im Iran hat, Hauptthema des Treffens sei.

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US-Präsident Donald Trump begrüsst Ueli Maurer vor dem Weissen Haus. - Keystone

Trump hat beim Treffen im Oval Office für diese Arbeit der Schweiz gedankt. Maurer erklärte ihm darauf, was dieses Mandat genau beinhaltet.

Erst im anschliessenden Gespräch mit Sicherheitschef John Bolton in dessen Büro wurde das Thema kurz besprochen. Maurer habe angeboten, mehr zu tun im Iran. Bolton ging jedoch nicht auf das Angebot ein.

Danach ging es wieder um Wirtschaft und die Möglichkeiten eines Freihandelsabkommens zwischen den USA und der Schweiz – wie bereits im Gespräch zuvor mit US-Präsident Trump.

Es bleibt unklar, warum CNN im Interview immer wieder Fragen zum Iran stellte. Obwohl Maurer wiederholt betonte, dass er dazu nichts sagen habe. CNN-Sprecher Meyer dazu: Kein Kommentar.

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Steven Meyers, PR Coordinator CNN International. - Xing

Ueli Maurers Englischkenntnisse

Im CNN-Interview scheint Bundespräsident Maurer im Englisch nicht ganz sattelfest zu sein. Die Englischkenntnisse von Maurer waren weder im Gespräch mit Trump, noch mit Bolton ein Hindernis. Dies bestätigen beide Seiten.

Auch bei CNN boten die Sprachkenntnisse keinen Anlass, auf ein Live-Interview zu verzichten. Kommunikationsexperten hätten dem Bundespräsidenten dennoch davon abgeraten.

Stefan Herrmann etwa hätte es bevorzugt, wenn Maurer die Antworten auf Deutsch gegeben und ein Headset getragen hätte. «Ueli Maurer hätte zuhören und nach vorne blicken können. Dem Zuschauer wäre klar gewesen, dass der Mann im Bild auf eine Übersetzung wartet.» Daran hätten auch die CNN-Journalisten schuld.

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Das Oval Office ist kleiner als es im Fernsehen manchmal aussehe, so Bundespräsident Maurer nach dem Treffen mit Trump. - Keystone

Doch CNN will offenbar nicht zusätzlich Öl ins Feuer giessen. «Vielen Dank für Ihr Interesse. CNN wird das Interview jedoch nicht kommentieren und sich diesbezüglich auch nicht äussern.»

Womöglich hat der Sender die Möglichkeit ohnehin verspielt, mit dem «Präsident Switzerland» in Zukunft ein Interview zu führen. Für Kommunikationschef Minder jedenfalls ist klar: «Rückblickend hätte ich das Interview verhindern sollen.»

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