Die Debatte rund um die Covid-Impfung polarisiert immer stärker. Nach einem Angriff auf Natalie Rickli verstärken Politiker offenbar ihr Sicherheitsdispositiv.
Berset Rickli Impfgegner
Natalie Rickli, Gesundheitsdirektorin des Kantons Zürich, wurde am Samstag von einem Impfgegner angegriffen. Sie ist nicht die einzige Politikerin, die von Skeptikern bedroht wird. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Am Wochenende attackierte ein Impfgegner die Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli.
  • Mit der Zeit und der Ankündigung von Massnahmen für Ungeimpfte wächst deren Frustration.
  • Das Sicherheitsdispositiv des Bundesrats ist seit April dieses Jahres jedoch unverändert.

Gegen den Impfgegner, der am Samstag die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) angegriffen hat, wurde ein Strafverfahren eröffnet. Zwar wurde Rickli «nur» mit einer Apfel-Schorle übergossen. Doch der Zwischenfall zeugt von einer zunehmenden Gewaltbereitschaft durch Impfskeptiker und Massnahmengegner.

Rickli Impfgegner Gossau
Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli an einem Anlass zur Covid-Impfung in Gossau ZH. Im Hintergrund sind Demonstrierende zu sehen, die eine Impfung ablehnen. Später wurde ein Demonstrant geg - Keystone

Diese Zunahme kommt nicht von Ungefähr. Mit einer vierten Welle droht auch eine Verschärfung der Massnahmen, die vor allem Ungeimpfte treffen würde. Darin sehen viele einen «indirekten Impfzwang», sprich: Ohne Impfung kein «Leben wie früher». Im November stimmt die Schweiz dann über das Covid-Gesetz ab, der Abstimmungskampf dürfte heftig ausfallen.

Sicherheitsdetails werden nicht preisgegeben

Glücklicherweise blieb der Angriff auf Natalie Rickli ohne gravierende Folgen. Exponierte Personen sind jedoch schon seit Beginn der Corona-Pandemie Zielscheibe von Skeptikern und Kritikern.

Daniel Koch Polizeischutz Fedpol
Mr. Corona Daniel Koch – hier beim Verlassen seiner letzten Medienkonferenz in Bern – stand bereits seit Februar 2020 unter Polizeischutz. - Keystone

«Mister Corona» Daniel Koch, der im Sommer 2020 pensioniert wurde, stand auch einige Monate lang unter Polizeischutz. Das dafür zuständige Departement Fedpol erklärte gegenüber Nau.ch, für BAG-Vertretende sei die Sicherheitslage während der Pandemie «ausserordentlich».

Vergangenes Jahr seien rund 885 Meldungen von Drohungen an Schutzpersonen des Fedpols eingegangen, verrät der Jahresbericht. Tatsächlich seien 64 davon Drohungen oder potenzielle Fremdgefährdung gewesen. In solchen Fällen greift die Behörde ein, sucht das Gespräch oder erstattet Strafanzeige.

Alain Berset Polizei
Bundesrat Alain Berset trifft zu einer Medienkonferenz ein, im Hintergrund ein Polizeiauto. - Keystone

Die Bundeskanzlei gibt keine Auskünfte über die aktuellen Sicherheitsdispositive für Bundesratsmitglieder oder Beamtinnen und Beamte. Sie würden jedoch «aufgrund der Bedrohung laufend überprüft», sagt Andreas Ledergerber, Informationsbeauftragter der Bundeskanzlei.

Seit April 2021 sei der Polizeischutz «von exponierten Personen des Bundes» unverändert geblieben, erklärt das Fedpol auf Anfrage. Je nach Lage würde der Schutz allerdings «punktuell erhöht», sagt Mediensprecherin Berina Repesa.

Basel-Stadt vermeldete der Staatsanwaltschaft einzelne Vorfälle

Auf kantonaler Ebene möchten sich die jeweiligen Gesundheitsdirektionen nicht darüber äussern, ob die Sicherheitsdispositive für die kommende Zeit verschärft werden. Der Kanton Bern gebe keine Auskünfte dazu, so Gundekar Giebel, Sprecher der Gesundheitsdirektion.

Natalie Rickli wurde am Samstag, wie in einem Interview mit «Telezüri» ersichtlich ist, schon von mehreren Zivilpolizisten beschützt. Aus Sicherheitsgründen will Sprecher Patrick Borer jedoch nichts Weiteres bekannt geben.

Covid Wunderpille
Lukas Engelberger ist Gesundheitsdirektor im Kanton Basel-Stadt, aber auch Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK). - Keystone

Auch in Basel-Stadt, wo Lukas Engelberger Gesundheitsdirektor ist, schweigt man über allfällig erhöhte Sicherheitsvorkehrungen. Sprecher Valentin Kressler verrät jedoch, es seien einige Fälle von Drohungen oder Ähnlichem der Staatsanwaltschaft vermeldet worden: «Wenn sich Personen gegenüber der Verwaltung oder Einzelpersonen in einer Art und Weise äussern oder handeln, die strafrechtlich relevant ist.»

Das zeigt: Drohungen gegen in der Pandemie exponierte Personen sind ein Problem. In einigen Amtsstuben dürfte in diesen Tagen diskutiert werden, sie noch besser vor potenziellen Tätern zu schützen.

Es gibt aber auch Ausnahmen: In der Waadt beispielsweise wurden jedoch noch keine Drohungen an Regierungsratsmitglieder verzeichnet, so der Vizekanzler Laurent Koutaïssoff. Sollte es dazu kommen, habe die Kantonspolizei entsprechende Massnahmen parat.

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