Fake-Profile: Collien erstattete Anzeige – doch Polizei lehnte ab

Luca Micheli
Luca Micheli

Spanien,

Ende 2024 erstattete Collien Fernandes erstmals anonyme Anzeige wegen Identitätsdiebstahl. Trotz Beweismitteln ignorierten Beamte den Vorfall offenbar.

Collien Fernandes
Collien Fernandes ging mit schweren Vorwürfen gegen ihren Ex-Mann an die Öffentlichkeit. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Collien Fernandes erstattete Ende 2024 Anzeige wegen Identitätsdiebstahl im Netz.
  • Trotz Beweismitteln wollte die Polizei den Fall offenbar nicht aufnehmen.
  • Da kein Geld geflossen sei, habe kein Betrug stattgefunden, so die Begründung.

Seit Jahren kämpft Collien Fernandes (44) gegen Fake-Profile mit gefälschten pornografischen Inhalten zu ihrer Person. Ende 2024 erstattete die Schauspielerin Anzeige gegen Unbekannt und wollte in einer zweiteiligen ZDF-Doku gegen die Täter vorgehen.

Am ersten Weihnachtstag folgte dann der Schock: Fernandes damaliger Ehemann Christian Ulmen (50) soll zugegeben haben, dass er hinter den Aktionen steckt.

Wie die Schauspielerin kürzlich in einem «Spiegel»-Bericht enthüllte, gab sich ihr Ex offenbar jahrelang als Collien Fernandes aus, um mit anderen Männern sexuelle Chats zu führen.

Auch Vergewaltigungsfantasien sowie manipulierte Foto- und Videoaufnahmen, die Fernandes darstellen sollen, soll er im Netz verbreitet haben.

Fake-Profil wollte Geld

Kurz davor ging der «Traumschiff»-Star in ihrer Doku «Die Spur: Deepfake-Pornos – Missbrauch im Netz» selbst auf Tätersuche – ohne etwas von ihrem Ehemann zu ahnen. «Ich habe selbst mit einem der Fake-Profile Kontakt aufgenommen. Ich habe mich als Tobias ausgegeben und mit der falschen Collien geschrieben», erklärte Fernandes damals im «Bild»-Interview.

Collien Fernandes
Collien Fernandes wollte Ende 2024 in ihrer ZDF-Doku gegen Identitätsdiebstahl im Netz ankämpfen. - Screenshot ZDF

Als sie fragte, ob sie «wirklich die echte Collien» sei, habe ihr das Fake-Profil «Fotos geschickt, wie sie bzw. ich» gerade im Bett liege. Doch dann ging es Geld. Colliens Fake-Account versuchte, «Tobias» ein Ticket «für ein grosses ‹Meet & Greet›-Event zu verkaufen».

Fernandes: «Ein Ticket kostet zwischen 50 und 60 Euro. Wenn ihrem Fake-Profil fast 5000 Leute folgen, kann dabei schon eine ganz schöne Summe zusammenkommen.» Ob damals ihr Ex-Mann Ulmen oder ein anderer Täter hinter dem Chatverlauf stand, ist aktuell unklar.

Polizei lehnte Anzeige ab

Nach dem Betrugsfall suchte die 44-Jährige mit Beweismitteln im Gepäck die polizeiliche Unterstützung auf.

Der deutschen Zeitung erklärte sie: «Ich habe den Chat und die Fotos gescreenshotet und bin damit zur Polizei gegangen. Ich sagte den Beamten: ‹Hier gibt sich jemand für mich aus!›.»

Collien Fernandes
Die Schauspielerin reichte zunächst eine anonyme Anzeige, die Polizei wollte den Fall laut eigener Aussage jedoch nicht aufnehmen. - keystone

Doch was folgte, war eine bittere Abfuhr, die Fernandes entsetzt zurückliess: «Darauf hiess es vom LKA aber nur: ‹Haben Sie das Geld denn überwiesen?› Ich sagte nein, weil ich ja wusste, dass es nicht ich bin, dann sagten die Beamten: ‹Wir können Sie hier nicht als Geschädigte aufführen, Ihnen ist ja dadurch gar kein Schaden entstanden!›.»

Eine Begründung, die die Schauspielerin nicht nachvollziehen konnte: «Das hat mich fassungslos gemacht. Ich fühle mich geschädigt, weil mein Ruf Schaden nimmt, wenn ich Nachrichten bekomme, in denen sich darüber beschwert wird, dass ich meine Fans abzocken würde», so Fernandes Ende 2024.

Wurdest du schon mal Opfer von digitaler Gewalt?

Wenige Wochen später musste Collien erfahren, dass nicht irgendein Internet-Troll, sondern ein Mensch aus ihrem engsten persönlichen Umfeld Nachrichten wie diese verschickt haben soll. Ihr damaliger Ehemann, mit dem sie eine gemeinsame Tochter hat.

Collien Fernandes
Collien Fernandes erhob Anzeige gegen Ex-Mann Christian Ulmen. Die Schauspielerin schreibt, sie sei von ihm über Jahre «virtuell vergewaltigt» worden. - getty images

Fernandes erhebt in der aktuellen «Spiegel»-Ausgabe schwere Vorwürfe, spricht von «virtueller Vergewaltigung». Vor dem Bezirksgericht in Palma de Mallorca hat sie ihren Ex unter anderem wegen Identitätsdiebstahls, öffentlicher Beleidigung und Körperverletzung angezeigt.

Deutschland als «Täterparadies»

Fernandes und Ulmen sind deutsche Staatsbürger, zogen 2023 nach Mallorca, wo er seinen Hauptwohnsitz hat. Die Anzeige dort einzureichen, sei eine bewusste Entscheidung gewesen. Zumal Spanien als Tatort von Ulmens mutmasslichen Aktionen gilt, erklärte Fernandes am Freitagabend im Interview mit den ARD-«Tagesthemen».

Die Ex-Viva-Moderatorin äusserte im Zuge der aktuellen Debatte harsche Kritik an der deutschen Justiz. Straffällige könnten sich im «Täterparadies» Deutschland zu sicher fühlen. «Das zeigt doch ein grosses Versagen, eine grosse Schutzlücke in der Justiz.»

collien fernandes
Collien Fernandes kritisiert das deutsche Justizsystem scharf. - Screenshot ARD

In Spanien hingegen seien die Rechte von Frauen «deutlich besser», betonte die 44-Jährige. Dies betreffe nicht nur digitale, sondern auch häusliche Gewalt. Die Schauspielerin hofft auf Gerechtigkeit, denn eines ist für sie klar: «Da muss sich ganz dringend etwas ändern.»

Christian Ulmen hat sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäussert. Sein Anwalt Christian Scherz erklärte in einer Mitteilung die Berichterstattung im «Spiegel» für rechtswidrig. Nun plant er, rechtliche Schritte gegen das Medienhaus einzuleiten. Es würden weiterhin «unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung» verbreitet.

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