Mit «Lemon Tree» schafften Fools Garden in den 90ern den Durchbruch. Bis heute wirkt sich der Song auf den Erfolg der Band aus, wie Sänger Volker Hinkel im Interview erklärt.
Fools Garden veröffentlichen mit «Captain... Coast is Clear» ihr elftes Album.
Fools Garden veröffentlichen mit «Captain... Coast is Clear» ihr elftes Album. - Sabrina Feige

Mit «Lemon Tree» landete die deutsche Band Fools Garden Mitte der 90er Jahre einen Mega-Hit. Von der ursprünglichen Besetzung sind heute noch Peter Freudenthaler (58) und Volker Hinkel (56) übrig. Sie treten als Duo oder mit neuen Bandmitgliedern wie Gabriel Holz auf. Auch nach 30 Jahren im Musikgeschäft denkt die Band nicht ans Aufhören. Am Freitag (26. November) erscheint mit «Captain ... Coast is Clear» das mittlerweile elfte Album der Pop-Rock-Gruppe. Ob sie jemals ans Aufhören gedacht haben und ihren grössten Hit heute noch hören können, verrät Volker Hinkel im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

Ihr neues Album trägt den Titel «Captain... Coast is Clear». Auch in anderen Songs wird das Meer thematisiert. Lieben Sie das Wasser oder was hat es damit auf sich?

Volker Hinkel: Ja, irgendwie waren da auf einmal mehrere Songs, die das Thema Meer hatten - zumindest im Titel. Ich lebe teilweise in Portugal und wir alle lieben das Meer. Ausserdem bietet dieses Thema unglaublich viele inhaltliche Facetten. Von der Schönheit bis hin zur Bedrohung, von Freiheit, Einsamkeit, Lebensfreude und Tod. Vieles davon spiegelt sich auch inhaltlich in unseren Texten auf dem Album wider.

Sie konnten die Songs aufgrund der Corona-Pandemie nicht gemeinsam aufnehmen. Was war das für ein Gefühl?

Hinkel: Wir haben versucht, so viel wie möglich zusammen aufzunehmen. Zumindest zu zweit oder zu dritt, wann immer das möglich war. Allerdings hatten wir auch schon vor der Pandemie ab und zu «remote-mässig» gearbeitet. Zum Beispiel hat unser Drummer Jan ein eigenes Studio, wo er sehr gut aufnehmen kann. Wir haben also schon öfters die Files hin- und hergeschickt. Bei Gesangsaufnahmen oder der Mischung haben wir immer mindestens zu zweit gearbeitet, denn das ist allein sehr schwierig. Aber klar, wir haben viel mehr Zeit als sonst im Studio verbracht und gebastelt - natürlich oft auch allein.

Das Album ist sehr elektronisch gehalten. Wollen Sie in den Clubs gespielt werden? Oder warum greifen Sie zum Synthesizer?

Hinkel: Nein, das war nicht das Ziel. Aber da wir auf dem Vorgänger-Album auch schon angefangen hatten, elektronische Sounds mit akustischen Klängen zu verbinden, war das jetzt sozusagen eine Weiterentwicklung. Und neue Sounds zu finden und neue Wege zu gehen, macht einfach Spass und ist inspirierend. Wenn ein Song von uns in einem Club gespielt wird, dann freut es uns natürlich sehr. Der Fokus lag aber, wie bei allen Alben von uns, immer auf dem Song an sich. Egal, wie er produziert oder arrangiert ist, muss er immer auch mit nur einer Gitarre oder am Klavier funktionieren.

Mit «Outta Love» bringen Sie die 80er Jahre zurück. Inwiefern vermissen Sie dieses Jahrzehnt?

Hinkel: Gar nicht, zumindest nicht musikalisch. Für mich gab es in den 80ern eigentlich nur U2 und ein paar andere Bands, die eben nicht diesen Sound hatten. Allerdings hatten wir uns tatsächlich bei «Outta Love» zum Ziel gesetzt, eine coole Disco-Pop-Nummer zu machen. Modern und Retro zugleich, das hat sehr viel Spass gemacht. Und wenn wir den Song nun live spielen, dann freut man sich, wenn man sieht, wie das Publikum tanzen will.

Woher nehmen Sie nach über 30 Jahren im Geschäft Ihre Energie? Sie könnten auch einfach die Füsse hochlegen und sich auf dem Erfolg ausruhen.

Hinkel: Neulich hat mir ein guter Freund, dem ich unser neues Video «Electrify» geschickt habe, geschrieben: «Alter, ihr seid einfach unverwüstlich.» Solange wir noch Ideen für neue Songs haben, werden wir wohl nicht aufhören.

Also haben Sie noch nie ans Aufhören gedacht?

Hinkel: Nein, noch nie. Am Anfang der Pandemie haben wir aber tatsächlich die Tatsache genossen, mehr Zeit für andere Dinge zu haben. Nicht die ganze Zeit durch die Lande fahren zu müssen, nicht unterbrochen zu werden im Studio zum Beispiel oder bei einem anderen kreativen Prozess. Aber wir haben es auch ganz schnell vermisst, nicht mehr auf die Bühnen zu können. Vor allem, wenn man neues Material hat, das man unbedingt seinem Publikum zeigen möchte und auch auf die Reaktionen gespannt ist.

In einer Band ist nicht immer alles harmonisch. Gibt es Themen, mit denen Sie sich gegenseitig auf die Palme bringen?

Hinkel: Eigentlich nicht. Wir sind eine sehr entspannte und angenehme Reisegruppe. Jeder soll die Zeit geniessen, die wir zusammen verbringen können. Da müssen der Stress und die Streiterei draussen bleiben.

Kam es für Sie jemals infrage, auf Deutsch zu singen?

Hinkel: Nein, niemals. Wir sind alle mit englischer Musik aufgewachsen. Ausserdem wollten wir schon immer im Ausland erfolgreich sein.

Mit «Lemon Tree» haben Sie einen echten Klassiker geschaffen. Können Sie den Song überhaupt noch hören?

Hinkel: Natürlich. Wir hören ihn uns jetzt nicht jeden Morgen zum Frühstück an, aber wir sind zu 100 Prozent im Reinen mit diesem Lied. Er ermöglicht uns nach so langer Zeit immer noch so viel, öffnet immer noch sehr viele Türen und wird immer ein Teil von uns sein.

Fools Garden wird regelmässig als «One-Hit-Wonder» bezeichnet. Wie geht es Ihnen damit?

Hinkel: Besser ein «One-Very-Big-Hit-Wonder» als ein «Never-Hit-Wonder»! Wir haben eigentlich viele Hits, die sind nur nicht so unglaublich bekannt wie der «Eine».

Wie geht es bei Ihnen weiter? Haben Sie eine Tour geplant?

Hinkel: Wir hatten eine Tour im Januar/Februar 2022 geplant. Aber aufgrund der Lage haben wir das erstmal auf Eis gelegt. Die Ticketverkäufe sind grade nicht so, dass man mit gutem Gewissen eine Tour planen kann. Wir warten lieber mal ab und planen unser 33- jähriges Bandjubiläum im übernächsten Jahr. Das dreissigste konnten wir wegen Corona leider nicht feiern.

Was halten Sie von Konzerten mit 2G- beziehungsweise 3G-Regeln?

Hinkel: Viele Veranstalter wollen wohl auf die 2G-Regel gehen. Für uns ist das okay. Hauptsache das Publikum fühlt sich sicher und geht wieder auf Konzerte. Eine einheitliche Regelung wäre bestimmt gut. Mal sehen, was kommt.

Mehr zum Thema:

Energie Wasser Stress Coronavirus Tod