Im Corona-Jahr 2020 sank die Zahl der Betreibungen in der Stadt Zürich. Grund dafür ist auch die veränderte Praxis der Krankenkassen.
Die Klingel des Betreibungsamtes St. Gallen.
Die Klingel des Betreibungsamtes St. Gallen. - Keystone

Die Stadtzürcher scheinen wegen des Coronavirus nicht häufiger in die Schulden zu fallen: Die Zahl der eingeleiteten Betreibungen ist im Jahr 2020 sogar um über 16 Prozent zurückgegangen. Für den Rückgang ist eine Praxisänderung der Krankenkassen verantwortlich.

Einige Krankenkassen haben gemäss einer Mitteilung der Konferenz der Stadtammänner von Zürich am Mittwoch offenbar im ersten Quartal 2020 darauf verzichtet, säumige Prämienzahler zu betreiben.

Krankenkassen reduzieren Betreibungsverfahren

Den Krankenkassen hätten im Home-Office allenfalls die Ressourcen gefehlt, sie hätten Rücksicht auf ihre von der Pandemie betroffenen Kunden genommen oder den Betreibungslauf wegen des vom Bundesrat verhängten Rechtsstillstandes im Betreibungswesen ausgesetzt, führt die Konferenz als mögliche Gründe an.

Auf ihre Forderungen verzichteten die Krankenkassen dabei nicht: Sie leiteten die Verfahren für ausstehende Monatsprämien einfach später gebündelt ein: Statt wie zuvor üblich, eine, zwei oder drei Prämien zu fordern, nahmen sie gleich vier, fünf oder sechs zusammen.

So reduzierte sich die Zahl der von den Krankenkassen eingeleiteten Betreibungsverfahren im Jahr 2020 um 16,8 Prozent. Der Gesamtbetrag der gestellten Geldforderungen sank hingegen nur um 3,7 Prozent.

Vermeidbare Kosten fallen weg

Die Krankenkassen dürften ihre Praxis nicht nur in der Stadt Zürich, sondern landesweit umgestellt haben: Die Konferenz der Stadtammänner von Zürich geht deshalb davon aus, dass diese zumindest teilweise auch für den Rückgang der Betreibungen im Kanton Zürich (-14,9 Prozent) und in der Schweiz (-13,3 Prozent) verantwortlich ist. Es sind bislang aber keine entsprechenden statistischen Angaben erhoben worden.

Die Zürcher Stadtammänner-Konferenz begrüsst diese Praxisänderung: Durch die Bündelung der Betreibungen fielen vermeidbare Kosten und Gebühren weg, halten sie in ihrer Mitteilung fest. Dies entlaste die Schuldner und die Allgemeinheit.

Keine Zahlen aus dem Kreis 5

In der Stadt Zürich sind im vergangenen Jahr 103'813 Betreibungen eingeleitet worden. Im Jahr 2019, als das Coronavirus in Europa noch unbekannt war, waren es rund 20'000 mehr.

Bei jeder Fünften Betreibung ging es um ausstehende Steuerforderungen; insgesamt forderten Bund, Kanton und Gemeinden rund 93 Millionen Franken ein, wie dem am Mittwoch publizierten Jahresbericht zu entnehmen ist.

In der Konferenz der der Stadtammänner von Zürich sind alle Stadtammänner und Betreibungsbeamten aller Stadtkreise mit Ausnahme des Kreises 5 zusammengeschlossen. Die Zahlen aus dem Kreis 5 sind in der Statistik nicht enthalten.

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