Bei den Gemeindewahlen Ende November 2022 in Thun entscheidet sich, ob die Stadtregierung weiter linksgrün oder wieder bürgerlich dominiert wird.
Thun
Die Stadt Thun. - Pixabay
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Bei der Stadtpräsidiumswahl wird Amtsinhaber Raphael Lanz (SVP) von der Grünen Gemeinderätin Andrea de Meuron herausgefordert.

De Meuron wurde 2018 als erste Grüne in den Thuner Gemeinderat gewählt. Sie ging beherzt, aber umsichtig und pragmatisch ans Werk.

Als Thuner Finanzdirektorin lieferte sie auch während der Corona-Krise solide Zahlen. Selbst Bürgerliche attestierten, dass de Meuron die Finanzen im Griff habe.

Auch unpopuläre Krisenmassnahmen, wie ein Stellenmoratorium, trug die Grüne klaglos mit.

Verkehrsfragen sind ein Dauerbrenner

Amtsinhaber Raphael Lanz kann seinerseits eine gute Bilanz seiner mittlerweile dritten Legislatur vorweisen.

In Krisensituationen wie der Corona-Pandemie bewies er Weitblick. Schon früh brachte er etwa einen Vier-Millionen-Kredit zur Unterstützung der Wirtschaft durchs Parlament.

Ein Dauerbrenner in der Thuner Politik sind Verkehrsfragen. Namentlich das Einbahnregime, das in der Innenstadt seit 2017 herrscht, erregt die Gemüter immer wieder.

Jüngst konnte der Gemeinderat eine Einigung über einen Lösungsansatz mit den Gemeinden vom rechten Seeufer vermelden.

Volk wählt zwischen Lanz und de Meuron

Ob die Wählenden in den aktuell eher unsicheren Zeiten auf den vertrauten Amtsinhaber setzen oder ob nach einer langen Lanz-Amtszeit die Lust auf Veränderung doch stärker ist, wird sich am 27. November 2022 entscheiden.

Auch wenn de Meuron nicht die erste Stadtpräsidentin von Thun würde, ihre Kandidatur könnte sie in aussichtsreiche Stellung bringen, um irgendwann Lanz' Nachfolgerin zu werden. Immerhin ist der SVPler bereits seit 2011 im Amt.

Der Jurist und ehemalige Thuner Gerichtspräsident ist zudem Mitglied des Berner Kantonsparlaments und hat auch schon für den Nationalrat kandidiert.

Gut möglich, dass er seine Politkarriere dereinst auf Bundesebene fortsetzen könnte.

Mit Aussagen für Kopfschütteln gesorgt

Neben Lanz und de Meuron tritt auch der parteilose Aussenseiter Dalyan Paolo Tramacere zur Stadtpräsidiumswahl an. Er ist chancenlos.

An einem Wahlpodium in Thun sorgte er für Kopfschütteln mit Aussagen wie etwa, er könne Krebs und HIV heilen.

Beim Gemeinderat stellt sich den Wählenden die Frage nach einer bürgerlichen oder einer linksgrünen Mehrheit.

In einer Ersatzwahl schnappte sich die SPlerin Katharina Ali Oesch vergangenes Jahr einen SVP-Sitz und kippte damit die bürgerliche Mehrheit.

SVP will Sitz zurückholen

Die SVP will alles daran setzen, den verlorenen Sitz wieder zurück zu erobern. Sie schickt unter anderem SVP-Stadtrat Reto Schertenleib ins Rennen.

Vom fünfköpfigen Gemeinderat treten Katharina Ali Oesch (SP), Andrea de Meuron (Grüne) und Raphael Lanz (SVP) zur Wiederwahl an. Konrad Hädener (Mitte) und Peter Siegenthaler (SP) treten ab.

Auf bürgerlicher Seite spannen SVP, FDP, die Mitte und die Gruppierung Parteilos zusammen.

Letzterer könnte mit dem ehemaligen FDP-Stadtrat Matthias Zellweger mit etwas Glück gar ein Überraschungscoup gelingen.

Jonas Baumann-Fuchs unter den Spitzenkandidaten

Zellweger hatte sich in den letzten Jahren vor allem als Kritiker einer von ihm empfundenen Behäbigkeit in der Thuner Politik und von «Stapi» Lanz inszeniert.

2019 trat er gegen Lanz als Stadtpräsident an und verlor.

SP, Grüne, EVP und GLP haben sich für die Gemeinderatswahlen zusammengetan.

Unter den Spitzenkandidaten findet sich auch Jonas Baumann-Fuchs (EVP), der den frei werdenden Sitz von Konrad Hädener anpeilt.

Mittepartei schloss sich den Bürgerlichen an

Er hätte eigentlich schon im vergangenen Jahr, damals noch für ein Mittebündnis, zu den Ersatzwahlen antreten sollen, doch er verpasste die Eingabefrist für seine Kandidatur.

Die Mitte nahm ihm diesen Lapsus derart übel, dass ein grosses Mittebündnis für die Wahlen im November 2022 scheiterte.

Die Mittepartei schloss sich den Bürgerlichen an und stellt für den Gemeinderat mit Daniela Huber-Notter eine eigene Kandidatin.

Neu bestellt wird Ende November auch das 40-köpfige Parlament, der Stadtrat. Dieser setzt sich aktuell zusammen aus SVP (10 Sitze), SP (8), Grüne (8), Mitte (4) FDP (3), EDU (2), GLP (2), EVP (2) und Junge Grüne (1).

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