Köniz BE: Feuerwehrmann über Grossbrand – «Allein machst du nichts»
Joel Blattner ist seit 13 Jahren bei der Feuerwehr Köniz BE. Er schildert den Grossbrandeinsatz im Landorf vom 26. Juni 2026 an der Drehleiter.

Joel Blattner ist seit 13 Jahren bei der Feuerwehr Köniz. Im Interview erzählt der Landmaschinenmechaniker, wie er im Sommer beim Grossbrandeinsatz im Landorf mitwirkte, und warum verschiedene berufliche Biografien in die Feuerwehr passen.
Am 26. Juni 2026 wurden Sie um 03.51 Uhr in der Früh alarmiert: Brand im Landorf. Wie haben Sie reagiert?
Die Meldung auf meinem Handy lautete «Landorfstrasse 96. Brand gross.» Von 0 auf 100 war ich wach. Es geht einem viel durch den Kopf: Das ist schliesslich ein Schulheim. Gleichzeitig macht man vorwärts. Rasch in die Trainerhose und los. Ich brauchte sieben Minuten bis zum Stützpunkt Köniz.
Das ist eher lang.
Lang?
Ja, denn fünf Minuten nach dem Alarm ist unser erstes Fahrzeug in der Regel bereits draussen. Stellen Sie es sich von der anderen Seite vor: Sie haben angerufen und es brennt und brennt weiter. Jede Minute ist eine Ewigkeit.
Zügig in die Uniform und los zum Drehleiterfahrzeug. Es geht alles recht schnell, da bist du froh, wenn links und rechts von dir Kamerad:innen sitzen, die mitkommen. Allein machst du nichts.
Ich fuhr los und bestätigte dem Einsatzleiter, dass wir unterwegs sind. Wir im Fahrzeug besprachen uns bei der Anfahrt: Wie sieht die Zufahrt aus? Wo stellen wir das Fahrzeug hin?
Und dann kamen Sie dort an…
20 bis 30 Meter hohe Flammen im Dachstock eines Wohnhauses: Das macht Eindruck. Das braucht auch Mut, um nach vorne zu gehen aber auch das Bewusstsein für die eigene Sicherheit. Jeder Einsatz hat seine Eigenheiten, das darf man nicht unterschätzen.
Wie löscht man ein solches Feuer?
Zur Brandbekämpfung waren wir und die Berufsfeuerwehr Bern mit je einem Drehleiterfahrzeug dort und spritzten Wasser von oben. Ich bediente unsere Drehleiter. Ein derart grosses Feuer mussten wir nach Kräften eingrenzen: Das direkt angebaute Heulager sollte nicht brennen.
Von der Drehleiter aus nahmen wir mit Einreisshaken Dachziegel weg auf einer vertikalen Linie. Dort konnten wir reinspritzen und eine Feuerhaltelinie errichten.
Die Berufsfeuerwehr brachte einen Grosslüfter mit. Wozu?
Der kommt bei Grossereignissen zum Einsatz. Er verteilt einen feuchten Sprühnebel als Schutz vor der starken Strahlungswärme, die ohne Funken auf weitere Gebäude überspringen kann.
Wir rasch ist ein solches Feuer zu löschen?
Die offene Flamme war in 30 bis 60 Minuten, eingedämmt. Die Nachlöscharbeiten hingegen beanspruchten den ganzen Tag. Unter Eingestürztem und Möbelresten gibt es jeweils Glutnester. Wir gabelten sehr lange Glutnester aus dem Heustock. Dafür habe ich den Hoflader herangefahren.
Ihr Knowhow als Landmaschinenmechaniker kommt zum Einsatz?
Beim Landorf-Brand war es nützlich, dass ich den Hoflader bedienen konnte. Ich habe einen handwerklichen Hintergrund und habe ein technisches Verständnis, was in unvorhersehbaren Situationen hilft. Wir handeln häufig ad hoc.
Da braucht es Ideen und auch Leute, die tüfteln können. Hier sehe ich den Vorteil der Milizfeuerwehr: Jeder bringt eine bestimmte Stärke mit. Vom Chemiker bis zur Psychologin.
Dass man miteinander etwas erreichen kann. Und – dass ich nicht weiss, was mich erwartet. Jeder Einsatz ist anders.
Es geht bei der Feuerwehr aber nicht um das Abenteuer, sondern um das Lösen von Einsatzsituationen. Feuerlöschen kommt übrigens unter allen Einsätzen wenig vor. Zum Glück.
Milizorganisation mit 180 Feuerwehrleuten
Die Feuerwehr Köniz leistet Einsätze auf Abruf. 2025 bewältigte sie 333 Einsätze. Insgesamt gab es 54 Brandeinsätze.






