Berndeutsch-Kritik: So verbreitet ist Dialekt-Shaming beim Daten
SRF-Kuppelkandidat Yves fand den Dialekt seines Dates nicht so toll. Das sorgte für Schlagzeilen. Doch: Wie verbreitet ist Dialekt-Shaming in der Schweiz?
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Das Wichtigste in Kürze
- Yves moniert in der SRF-Kuppelshow «Alone Together» den Berner Dialekt von Date Ursula.
- Dass es Dialekt-Vorlieben gibt, liegt nicht am Klang, erklärt ein Experte.
- Und: Yves ist mit seiner Kritik klar in der Unterzahl. Berndeutsch gilt als beliebtester Dialekt der Schweiz.
Sie gehören zur Schweiz dazu wie die Uhren, die Banken, die Schoggi und die Berge: die verschiedenen Varianten des Schweizerdeutsch.
Doch die unterschiedlichen Dialekte sorgen teils auch für Verständigungsprobleme und Missverständnisse. Zudem kommt es auch immer wieder vor, dass einzelne Dialekte abgewertet werden.
Das zeigt auch ein aktueller Fall aus der SRF-Kuppelshow «Alone Together». Dort war der Innerschweizer Teilnehmer Yves (38) nicht zufrieden mit dem Dialekt seines Dates Ursula (39).
Die Drogistin spricht Berndeutsch – für Yves nicht der Dialekt seiner Wahl. In der Sendung sagt er dazu: «Als die ersten Sätze fielen, dachte ich: Das ist nicht mein Dialekt.»
Ein klarer Fall von Dialekt-Shaming. Spielt der Dialekt bei der Partnersuche tatsächlich eine so grosse Rolle?
Partnervermittlerin: Dialekt ist «selten» entscheidend
Nau.ch hat bei Partnervermittlerin Sandra Bugmann von der Singles-Börse in Frick AG nachgefragt.
Bugmann berichtet: «In meiner Vermittlungspraxis erlebe ich äusserst selten, dass ein Dialekt bei der Partnerwahl eine entscheidende Rolle spielt.»
Das liege wohl aber auch daran, dass «bei einer persönlichen Partnervermittlung andere Kriterien im Vordergrund» stünden.
«Dialekt ist keine Charaktereigenschaft»
Denn: «Meine Klientinnen und Klienten sind häufig gut gebildet, finanziell unabhängig und stehen mitten im Leben. Sie legen grossen Wert auf Achtsamkeit, gegenseitige Wertschätzung, Respekt und gemeinsame Werte.»
Ihre Klientel wisse, was sie sich von einer Partnerschaft wünsche, so Bugmann. Und: «Man ist sich gleichzeitig bewusst, dass eine erfüllende Beziehung auch Selbstreflexion und die Bereitschaft voraussetzt, aufeinander einzugehen.»
«Natürlich muss auch die gegenseitige Anziehung stimmen», so die Partnervermittlerin. «Doch ob zwei Menschen wirklich zueinanderpassen, lässt sich nicht anhand eines Dialekts beurteilen.»
Denn: «Ein Dialekt ist keine Charaktereigenschaft. Er sagt nichts darüber aus, ob jemand liebevoll, ehrlich, loyal oder beziehungsfähig ist.»
«Dialekt ist eine Sache des Geschmacks»
Ist das Dialekt-Shaming von Yves also diskriminierend?
Gegenüber Nau.ch erklärt Adrian Leemann, Soziolinguistik-Professor an der Universität Bern: «Der Teilnehmer beschreibt die Frau zuerst ausdrücklich positiv. Dann nennt er zwei Vorbehalte, zuerst das Äussere, dann nachgeordnet den Dialekt.»
Dem Berndeutschen schreibe er dabei keine einzige Eigenschaft zu. «Und ‹Nicht mein Dialekt› ist grammatisch parallel zu ‹nicht mein Typ›. Der Dialekt erscheint als Sache seines Geschmacks, nicht als Information über die Frau.»

Leemann meint: «Ein Stereotyp funktioniert anders, es schliesst vom Dialekt auf die Person. Ich würde das deshalb nicht Diskriminierung nennen.»
Spannend sei ohnehin ein anderer Faktor. Nämlich die Tatsache, dass «der Dialekt überhaupt als Auswahlkriterium auftaucht, bevor man jemanden kennt».
Es liegt nicht am Klang
In seltenen Fällen kommt der Dialekt also bei der Partnerwahl in die Quere – oder ist zumindest ein Abturner. Warum finden wir gewisse Dialekte schöner als andere?
Es liege vor allem nicht am Klang, so Leemann. Das habe ein Experiment aus dem Jahr 2015 gezeigt.
Damals hätten die Probanden aus Zürich, Cambridge in Grossbritannien und Paris dieselben Sätze gehört. Einmal seien sie dabei auf Berndeutsch und einmal im Thurgauer Dialekt gesprochen worden.
«Die Zürcher entschieden sich in 68 Prozent der Fälle für das Berndeutsche. Die Hörenden aus Paris und Cambridge, die keine Deutschkenntnisse hatten, zeigten keine Präferenz.»
Das zeige, dass es nicht am Klang liege. Stattdessen stamme die Vorliebe für bestimmte Dialekte an etwas, was man mit den Sprechenden verbinde.
Beliebtester Dialekt der Schweiz: Berner verstehen Kritik nicht
Übrigens: In Bern versteht man die Dialekt-Kritik von SRF-Dater Yves nicht. Denn: Niemand ist wegen seines Berndeutsch-Dialekts jemals angefeindet worden.
Ursula (60) meint gegenüber Nau.ch kurz und bündig: «Nein.» Die Reaktionen seien immer nur positiv.
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Und auch Roxana (35) erzählt bei der Strassenumfrage: «Nein, nicht wirklich. Ich finde das sehr sympathisch, wie wir reden.» Für sie ist die Kritik von Yves nur eins – «unverständlich».
Gewonnen hat das Berndeutsche auch in einem Sprachexperiment von 1993, so Adrian Leemann. Damals zeigte sich: Berndeutsch ist der beliebteste Dialekt der Schweiz.
Und es liege auch bei einer Neuauflage des Experiments wieder zuvorderst. Der unbeliebteste ist der Thurgauer Dialekt. Die Ergebnisse der Universitäten Bern, Basel und Zürich werden in den nächsten Monaten erwartet.















