Zweitwohnungs-Kompromiss soll Erstwohnungen besser schützen
Um den Verlust von Erstwohnungen in Davos zu stoppen, legt der Kleine Landrat dem Parlament einen Kompromiss vor, der bezahlbaren Wohnraum langfristig sichert.

Wie die Gemeinde Davos mitteilt, haben die Ortsparteien und das Initiativkomitee der Erstwohnungsinitiative einen breit abgestützten Kompromiss erarbeitet, um Erstwohnungen besser zu schützen und zu fördern. Nach der öffentlichen Mitwirkung hat der Kleine Landrat das Zweitwohnungsgesetz überarbeitet. Das bereinigte Gesetz wird im nächsten Schritt im Grossen Landrat beraten.
Davos leidet unter einer akuten Wohnungsnot, welche sich auch in der sehr tiefen Leerstandsziffer zeigt. Eine der Ursachen ist, dass von Einheimischen genutzte Wohnungen abgerissen und nach dem Neubau als Zweitwohnungen verkauft werden.
Auf diese Weise gehen in Davos jedes Jahr über 50 Erstwohnungen verloren. Um dieser Entwicklung Gegensteuer zu geben, haben sich die Davoser Ortsparteien mit dem Initiativkomitee der Erstwohnungsinitiative zusammengesetzt und einen gemeinsamen Kompromiss erarbeitet, der mit einer Teilrevision des Zweitwohnungsgesetz umgesetzt wird. In der öffentlichen Mitwirkung konnte sich die Bevölkerung zum Kompromiss äussern.
Breit abgestützter Kompromiss
Der Kompromiss sieht eine Schutzklausel für grosse Wohngebäude vor. Konkret geht es um Gebäude mit mindestens vier Wohnungen. Kleinere Gebäude und Einfamilienhäuser sind von der Schutzklausel ausgenommen.
Die Schutzklausel greift erst bei bedeutenden Veränderungen am Gebäude wie beispielsweise einem Ersatzneubau oder einer Auskernung. Die Hälfte der Wohnfläche bleibt in diesem Fall als Erstwohnraum erhalten und wird mit einem Grundbucheintrag gesichert.
Die andere Hälfte der Wohnfläche kann frei genutzt und damit wie bereits heute auch in Zweitwohnungen umgewandelt werden. Mit einer Ersatzabgabe kann die Hälfte der Erstwohnpflicht (25 Prozent der Gesamtfläche) abgegolten und zusätzlich in Zweitwohnungen umgewandelt werden.
Die aus der Ersatzabgabe generierten Mittel fliessen in die Förderung von bezahlbarem Erstwohnraum. Einfache Erneuerungen, kleinere Erweiterungen oder energetische Sanierungen sind von der Klausel nicht betroffen.
Kleiner Landrat hält am Kurs fest
Bei den Rückmeldungen aus der Mitwirkung lassen sich zwei Lager identifizieren. Viele Privat- und Einzelpersonen erachten die Regelung als zu schwach und wünschen sich weitergehende Vorschriften zum Schutz von Erstwohnungen.
Vertreter der Immobilienbranche auf der anderen Seite lehnen die Gesetzesrevision ab. Diese beiden Positionen stehen sich diametral gegenüber. Der Kompromiss liegt zwischen diesen Polpositionen und wurde in einem gemeinsamen Prozess erarbeitet und von fast allen Parteien unterstützt.
Darum hält der Kleine Landrat an den Kernelementen der Gesetzesrevision fest. Die grossen Herausforderungen müssen aktiv angegangen werden.
Verbesserungsvorschläge übernommen
Die Rückmeldungen aus der öffentlichen Mitwirkung enthalten neben grundsätzlichen Bemerkungen auch konkrete Verbesserungsvorschläge. Der Kleine Landrat hat alle Rückmeldungen geprüft und die Teilrevision des Zweitwohnungsgesetzes an einigen Stellen angepasst.
So wurde beispielsweise eine Bestimmung zur regelmässigen Wirkungsüberprüfung aufgenommen. Ebenfalls aufgenommen wurde ein Mechanismus, mit dem sich die Schutzklausel reduziert, sobald ein ausreichendes Erstwohnungsangebot bereitsteht.
Zudem wurde ein finanzieller Anreiz geschaffen, mit dem die freiwillige Unterstellung unter die Erstwohnungspflicht gefördert werden kann.
Entscheid liegt beim Grossen Landrat
Im nächsten Schritt wird der Grosse Landrat die Teilrevision des Zweitwohnungsgesetzes an seiner Sitzung vom 20. August 2026 beraten. Wird die Vorlage vom Parlament zuhanden der Volksabstimmung verabschiedet, so kann die Stimmbevölkerung über die Gesetzesanpassung entscheiden.
Das Initiativkomitee der Erstwohnungsinitiative hat sich bereit erklärt, die Volksinitiative zurückzuziehen, sofern die Kompromissvorlage vom Volk angenommen wird. Auf diese Weise kann auch die Planungszone rasch aufgehoben werden, was mehr Planungssicherheit für alle schafft.










