Hitzewelle: Erste Kühe werden wegen Trockenheit geschlachtet
Die Hitzewelle lässt die Schweizer Bauern verzweifeln. Wiesen und Ernten verdorren. Das zwingt erste Bauern dazu, ihre Tierbestände zu verkleinern.

Das Wichtigste in Kürze
- Hitze und Trockenheit sorgen in der Schweizer Landwirtschaft für Dürre.
- Nun verkleinern erste Bauern ihre Tierbestände, die Schlachtungen nehmen zu.
- Gleichzeitig wird weniger Milch eingeliefert, als saisonal üblich wäre.
Wo sonst sattes Grün leuchtet, dominiert inzwischen Braun. Die Schweizer Landschaft ist ausgedörrt. Was sonst höchstens auf abgeernteten Getreidefeldern zu sehen ist, zieht sich inzwischen über Wiesen, Weiden und Äcker.
Während die Schweiz unter der anhaltenden Hitzewelle ächzt, geraten nun auch die Bauern zunehmend unter Druck. Die Trockenheit lastet auf ihnen.
Die Folgen zeigen sich längst nicht mehr nur auf den Feldern. Wo Futter knapp wird und Wasser fehlt, landen erste Tiere früher als geplant im Schlachthof.
Zahl der Schlachtungen steigt
Dass die Hitze Auswirkungen auf die Fleischproduktion hat, bestätigt auch Proviande, die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft.
Mediensprecher Philippe Haeberli erklärt gegenüber Nau.ch: «Die Anzahl der Rinder, die der Schlachtung zugeführt werden, nimmt in klimatisch herausfordernden Zeiten (Hitze sowie Wasser- und Futtermangel) zu.»
Setzt sich die Trockenheit fort, dürfte die Anzahl der Rinder, welche zur Schlachtung bestimmt sind, «voraussichtlich zunehmen».
Aktuelle Zahlen von Proviande deuten bereits in diese Richtung. In der Kalenderwoche 28 wurden 873 Tiere der Kategorie «Grossvieh» mehr geschlachtet als im Vergleich zur selben Woche des Vorjahres. Zum Grossvieh zählen unter anderem Kühe und Rinder.
Über die vergangenen drei Wochen summiert sich die Zahl der geschlachteten Grossrinder auf 22'413 Tiere. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 20'538.
Ob jedes einzelne zusätzliche Tier wegen der Trockenheit geschlachtet wurde, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Auch reguläre Schlachtungen fliessen in diese Statistik ein.
Bauer verfüttert bereits Wintervorrat
Doch Proviande bremst. «Es ist auch noch viel zu früh, von Notschlachtungen oder verfrühten Alpabzügen zu sprechen», betont Haeberli.
Der Grund: Das Futterbaujahr 2025 sei ausgesprochen gut gewesen. Deshalb könne derzeit «noch keineswegs von einer flächendeckenden Mangellage an Futter gesprochen werden».
Dass sich die Situation regional jedoch bereits zuspitzt, zeigt das Beispiel des Aargauer Milchproduzenten und SVP-Nationalrats Alois Huber.
Er verfüttere bereits den Wintervorrat und werde daher im Winter zu wenig Futter haben, erklärte er gegenüber «Tele M1». Er müsse deshalb die eine oder andere Kuh früher als geplant zum Schlachthof bringen.
«Es gibt nichts zu fressen für die Kühe»
Auch beim Schweizer Bauernverband blickt man mit Sorge auf die kommenden Wochen. Mediensprecherin Sandra Helfenstein sagt gegenüber Nau.ch: «Wir sorgen uns vor allem um die Betriebe, die praktisch schweizweit vor allem unter der extremen Trockenheit leiden.»
In vielen Regionen sei das Gras inzwischen braun. «Es gibt also nichts zu fressen für die Kühe und nichts zu schneiden.»
Doch nicht nur die Viehhaltung leidet. Auch Kartoffeln und Zuckerrüben geraten zunehmend unter Stress.
«Je nach Region, Bodenbeschaffenheit, Bewässerungsmöglichkeit und der Zeit bis Regen fällt, wird es Ausfälle geben.»
Auch Gemüse- und Obstproduzenten stehen unter Druck. Die Kulturen müssten laufend bewässert werden. Gleichzeitig dürfe vielerorts kein Wasser mehr aus Flüssen oder Bächen entnommen werden. Trinkwasser als Alternative einzusetzen, sei dagegen teuer.
Das Einkommen steht auf dem Spiel
«Für die Betriebe geht es um ihr Einkommen», betont Helfenstein. Fast vier von fünf Franken verdienten Bauernfamilien mit dem Verkauf ihrer Produkte.
Fällt beispielsweise eine Hektare Kartoffeln der Trockenheit zum Opfer, fehlten «Zehntausende von Franken». Gleichzeitig verursachten Bewässerung und zusätzlich zugekauftes Tierfutter weitere Kosten.
Noch reichten bei vielen Betrieben die Reserven aus dem guten Futterjahr sowie vom Frühling. Trotzdem: «Man macht sich Sorgen, wenn man jetzt schon das Winterfutter antasten muss», sagt Helfenstein.
Kühe geben weniger Milch
Bei der Milchgenossenschaft «Mooh» sinken die Milcheinlieferungen derzeit stärker als es saisonal ohnehin üblich wäre. Der Blick auf die ausgetrockneten Felder dürfte vielen Milchproduzenten Sorgenfalten auf die Stirn treiben.

«Seit Anfang Juli wächst nun aber nur noch spärlich Futter nach», erklärt Mediensprecher Maurice Bosatta. «Es wird vereinzelt und regional bereits befürchtet, für den kommenden Winter nicht genug Futter konservieren zu können.»
Wie stark sich die Hitzewelle am Ende auf die Milchproduktion auswirken wird, könne aber noch niemand seriös abschätzen.
Kommt jetzt bald die Erlösung?
Wie gross die Schäden für die Schweizer Landwirtschaft tatsächlich werden, lässt sich derzeit noch nicht beziffern.
«Erst wenn die Ernten abgeliefert sind, ist klar, wie gross die quantitativen und qualitativen Ausfälle sind», sagt Helfenstein. Entscheidend sei nun vor allem eines: «Es hängt auch viel von der weiteren Entwicklung des Wetters ab.»
Nach Wochen mit brennender Sonne richten sich die Hoffnungen der Bauern deshalb auf das, was der Bund nun prognostiziert: Regen und Gewitter.
Der angekündigte Hagel dürfte jedoch kaum für Entspannung sorgen.













