Volkswagen

VW-Spardebatte spitzt sich zu - Werke bangen um ihre Zukunft

Keystone-SDA
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Deutschland,

Vor einer möglicherweise entscheidenden Sitzung des VW-Aufsichtsrats ist die Zukunft mehrerer deutscher Werke höchst ungewiss. Medienberichten zufolge soll die Produktion nach dem Willen des Vorstands in Emden und Zwickau im Jahr 2031, im Nutzfahrzeugwerk Hannover 2032 und im Audi-Werk Neckarsulm 2034 auslaufen. Diese Darstellung stösst aber auf heftigen Widerspruch aus der Politik und von Arbeitnehmervertretern.

VW in der Krise: Die Mitarbeitenden sind mit der Kommunikation des Managements unzufrieden. (Archivbild)
VW in der Krise (Archivbild) - KEYSTONE/DPA/MORITZ FRANKENBERG

Volkswagen wollte sich auf Anfrage nicht zu den Berichten äussern. Ein Sprecher des Konzerns bat um Verständnis, dass man interne Unterlagen nicht kommentiere. «Diese werden in den zuständigen Gremien besprochen und verabschiedet. Diesem Prozess greifen wir nicht vor.»

Die IG Metall in der VW-Heimat Wolfsburg weist den Eindruck, dass das Aus für die Werke bereits beschlossen sei, als «Quatsch» zurück. «Der Vorstand kann zunächst vieles beschliessen», heisst es in einem Blogbeitrag.

In Kraft trete das damit aber noch lange nicht alles automatisch. Die Folgebelegung der Werke sei Teil der Planungsrunden, also der regelmässig fortgeschriebenen weltweiten Investitionsvorhaben des Konzerns. «Und die müssen durch den Aufsichtsrat.»

Der niedersächsische IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger sieht ebenfalls keine vollendeten Tatsachen: «Bei Entscheidungen von solcher Tragweite führt kein Weg an den zuständigen Gremien, ergo dem VW-Aufsichtsrat, vorbei».

Er warf dem Vorstand vor, über die Medien Verunsicherung zu erzeugen. «Was derzeit aus dem Unternehmen nach aussen dringt, vermittelt zunehmend das Bild einer bewussten Konfrontation. Wenn der Vorstand diesen Konflikt sucht, wird er ihn bekommen», teilte Gröger mit.

Das Kontrollgremium kommt am Freitag zusammen. Zentrales Thema dürften die Zukunfts- und Sparpläne von VW-Chef Oliver Blume sein.

Dem Vernehmen nach liegen drei verschiedene Beschlussentwürfe vor – vom Vorstand, von der Arbeitnehmerseite und vom Land Niedersachsen, das mit 20 Prozent an dem Konzern beteiligt ist. Ob sich die Parteien auf eine gemeinsame Linie einigen können oder ob der Richtungsstreit eskaliert, war zunächst offen.

Anfang Juli waren die Pläne erstmals im Aufsichtsrat behandelt worden – und dort am Widerstand der Arbeitnehmer und des Landes gescheitert. Berichten zufolge hat der Vorstand bereits seit einiger Zeit einen Alternativplan in der Schublade: Er könnte eine ausserordentliche Hauptversammlung einberufen, um die Aktionäre selbst abstimmen zu lassen. Auch dort hat Niedersachsen eine gesetzlich geregelte Sperrminorität und kann wichtige Beschlüsse verhindern.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) versuchte am Mittwoch, die Sorgen der Beschäftigten in Zwickau zu dämpfen. «Auch am Freitag wird es dazu keine Entscheidung geben», sagte er in einem Facebook-Videostatement.

Es sei noch nicht der Punkt erreicht, an dem festgelegt werde, wie es wirklich mit Volkswagen weitergehe. Kretschmer verwies auf die Effizienz des Werks und forderte einen Schulterschluss von Konzern, Belegschaft und Politik.

Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) forderte ein Bekenntnis zum Werk in Neckarsulm. Die Beschäftigten hätten den industriellen Wandel bewiesen. Sparen allein sei keine Zukunftsstrategie.

Auch Branchenexpertin Helena Beron Wisbert von der Ostfalia Hochschule erwartet für Freitag keine umfangreichen Entscheidungen. Der Aufsichtsrat könnte ihrer Einschätzung nach einzelne Sparmassnahmen beschliessen. Von konkreten Lösungen für einzelne Werke ging sie aufgrund der von Blume genannten Sechs- bis Zwölf-Monatsfrist aber nicht aus.

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