Im laufenden Jahr dürfte es gemäss einer Studie in der Schweiz und in Europa weniger ausländische Direktinvestitionen geben. Grund dafür ist die Coronakrise.
Wirtschaft
Ein Taschenrechner. (Symbolbild) - Pixabay

Das Wichtigste in Kürze

  • Im laufenden Jahr könnte es weniger Direktinvestitionen aus dem Ausland geben.
  • Eine Studie erwartet in Europa und der Schweiz einen Rückgang von 35 bis 50 Prozent.
  • Grund für den erwarteten Einbruch ist die Coronakrise.

Im Zug der Coronakrise dürften die ausländischen Direktinvestitionen in der Schweiz und in Europa drastisch zurückgehen. Es sei im laufenden Jahr mit einem Rückgang der Zuflüsse von 35 bis 50 Prozent zu rechnen. Das heisst es in einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY vom Montag. Im vergangenen Jahr waren noch hohe Zuflüsse verzeichnet worden.

Angesichts der derzeitigen Marktunsicherheit unterziehen offenbar viele Unternehmen ihre geplanten Investitionsprojekte einer umfassenden Revision.

Staat gewinnt als Investor an Bedeutung

«Für die Länder Europas bedeutet dies, dass der Wettbewerb zwischen ihnen um Investitionen aus dem Ausland weiter zunehmen wird.» So kommentiert Fabian Denneborg, Partner von EY Schweiz die Ergebnisse der jüngsten Erhebung. Je nach Land und Sektor dürfte der erwartete Rückgang denn auch unterschiedlich stark ausfallen.

Laut Studie gewinnt bei der Investitionstätigkeit der Staat als Akteur an Bedeutung. Zumindest in den Ländern, wo die nötigen finanziellen Mittel vorhanden sind, werde man vorübergehend ein stärkeres staatliches Engagement sehen.

Viele Investitionen vor Corona

Einige Staaten dürften mittels Konjunkturhilfen und einer intensivierten Industriepolitik ihre Investitionen hochfahren, erwartet Denneborg. Auch im Gesundheitssektor werde der Staat mittelfristig eine grössere Rolle spielen. Die Privatwirtschaft fahre dagegen alle nicht unbedingt notwendigen Ausgaben weitgehend herunter.

Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie hatte die Investitionstätigkeit privater Unternehmen in Europa noch ein hohes Niveau erreicht. So wurden 2019 mit insgesamt 6412 Investitionsprojekten von ausländischen Unternehmen in Europa der zweithöchste je gemessene Wert verzeichnet. Rund 65 Prozent der angekündigten Projekte seien dabei bereits realisiert worden oder befänden sich derzeit in der Umsetzung.

Mehr chinesische Projekte

Die meisten ausländischen Investitionsprojekte waren im vergangenen Jahr laut Erhebung von US-Unternehmen entwickelt worden, gefolgt von deutschen Unternehmen. Bemerkenswert sei zudem der Anstieg chinesischer Projekte um 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Demgegenüber investierten Schweizer Unternehmen 2019 in 258 Projekte im Ausland, was einem Rückgang gegenüber 2018 von 12 Prozent entspricht.

In Bezug auf die Destination wurden im vergangenen Jahr in Frankreich, Grossbritannien und Deutschland am meisten Investitionsprojekte gestartet. Die Schweiz legte 2019 um rund 20 Prozent zu. Sie verbesserte sich mit 73 Projekten im Europa-Ranking um vier Ränge auf Rang 17.

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