Schweizer Technologie: Klimafreundliches Gebräu für Flugzeuge
Eine neue Demonstrationsanlage am Paul-Scherrer-Institut soll zeigen, wie sich synthetisches Kerosin künftig klimafreundlicher produzieren lässt.

Das Wichtigste in Kürze
- Das PSI und das Unternehmen Metafuels entwickeln synthetischen Flugtreibstoff.
- Die neue Demonstrationsanlage kann 50 Liter Kerosin pro Tag produzieren.
- Ab 2030 soll die Technologie erstmals kommerziell eingesetzt werden.
Flugzeuge lassen sich auf absehbare Zeit kaum vollständig elektrifizieren. Um die CO₂-Emissionen der Luftfahrt zu reduzieren, wird deshalb intensiv an alternativen Treibstoffen gearbeitet. Einen solchen entwickelt das Paul-Scherrer-Institut PSI gemeinsam mit dem Zürcher Unternehmen Metafuels.
Am 20. August haben die Partner auf dem PSI-Areal in Villigen eine Demonstrationsanlage für ihre «Aerobrew»-Technologie eingeweiht. Sie soll zeigen, ob sich das im Labor entwickelte Verfahren auch unter praxisnahen Bedingungen zuverlässig betreiben lässt.
Kerosin aus grünem Methanol
Ausgangspunkt des Verfahrens sind Wasser, erneuerbarer Strom und Kohlendioxid. Mit dem Strom wird zunächst Wasserstoff erzeugt. Dieser wird anschliessend mit CO₂ zu sogenanntem grünem Methanol verarbeitet.
Hier setzt die eigentliche Aerobrew-Technologie an: Mithilfe spezieller Katalysatoren wird das grüne Methanol chemisch in synthetisches Kerosin umgewandelt. Die neue Anlage ist nach Angaben des PSI die weltweit erste, die sämtliche Schritte zur Herstellung von künstlichem Flugtreibstoff aus Methanol unter einem Dach vereint.
Das benötigte CO2 kann beispielsweise aus Holz- oder Pflanzenabfällen stammen. Langfristig könnte auch Kohlendioxid verwendet werden, das direkt aus der Atmosphäre abgeschieden wird.
Bis zu 50 Liter am Tag
Die Demonstrationsanlage ist auf eine Produktion von 50 Litern Sustainable Aviation Fuel, kurz SAF, pro Tag ausgelegt. Das ist noch weit von einer industriellen Produktion entfernt. PSI und Metafuels wollen untersuchen, wie sich das Verfahren im Dauerbetrieb verhält, und die einzelnen Prozessschritte weiter optimieren. Damit soll die Grundlage für deutlich grössere Anlagen geschaffen werden.

Ein Vorteil des neuen Verfahrens liegt laut den Entwicklern in seiner hohen Selektivität. Vereinfacht gesagt entsteht bei der chemischen Reaktion ein vergleichsweise hoher Anteil der gewünschten Produkte. Das kann die Herstellung effizienter machen.
Bestehende Flugzeuge können weiterfliegen
Der synthetische Treibstoff soll sich in die bestehende Infrastruktur integrieren und in konventionellen Flugzeugtriebwerken einsetzen lassen. Flugzeuge und die Versorgungssysteme an Flughäfen müssten dafür also nicht grundsätzlich neu entwickelt werden. Damit unterscheidet sich der Ansatz beispielsweise von Wasserstoff- oder Elektroantrieben, die weitreichende Änderungen an Flugzeugen und Infrastruktur erfordern würden.
Bis das neue Kerosin in grossen Mengen verfügbar ist, wird es allerdings noch dauern. Metafuels plant, ab 2030 eine erste kommerzielle Anlage mit der Aerobrew-Technologie zu betreiben.













