Finma-Präsidentin zieht Zwischenbilanz nach drei Jahren CS-Pleite
Drei Jahre nach dem Untergang der Credit Suisse (CS) hat Finma-Präsidentin Marlene Amstad eine Zwischenbilanz der politischen und gesellschaftlichen Debatten rund um das Ereignis gezogen. Neben der Kapitalausstattung und der Liquidität müsste auch die Unternehmensführung von Banken stärker berücksichtigt werden, um so die Prävention zu stärken.

Der Untergang der CS habe gezeigt, dass nicht nur auf Kapitalausstattung und Liquidität geschaut werden müsse, sagte Amstad am Montag anlässlich des Mitgliederanlasses der Swiss Financial Analysts Association. Ebenso müsste die Unternehmensführung einer Bank genau betrachtet werden.
«Noch bevor es bei Liquidität und Kapital zum Problem kommt, zeigen sich Schwächen in Risikokultur, Geschäftsmodell und der Governance eines Finanzinstituts», sagte Amstad. Exemplarisch führte sie die vielen Skandale der CS kurz vor deren Ende an.
Die Gesetze müssten daher «Leitplanken» setzen, um präventiv gegen zukünftige Krisen entgegenzuwirken, sagte sie. Die Anreize müssten insbesondere so gesetzt sein, dass Verantwortung in guten, wie in schlechten Zeiten symmetrisch getragen werde.
Vor allem in drei Punkten forderte sie Verbesserungen. So soll durch die Erteilung einer Bussenkompetenz für die Finma, der Einführung eines Verantwortungsregimes bei Bankenentscheidern und einer grösseren Transparenz bei Enforcement-Verfahren das «verantwortungsvolle Handeln» der Banken gefördert werden. «Dazu gehört auch, dass schwere Regelverstösse transparent kommuniziert werden dürfen und dass diese spürbare Konsequenzen haben, so dass sich Regelverstösse nicht indirekt lohnen», so Amstad weiter.
Durch eine klare Verantwortlichkeit würde die Wahrscheinlichkeit reduziert, dass «Instrumente wie Liquidität, Kapital und Abwicklungsplan ausgeschöpft werden müssen». Konkret braucht es laut Amstad «gesetzliche Klarheit, die Verantwortung stärkt, Anreize richtig setzt und Risiko mit Konsequenz in Einklang bringt.»
Sie ging auch auf die aktuell laufenden Debatten um die Kapitalausstattung von Banken und insbesondere deren Auslandstöchter ein. Ihrer Ansicht nach würde aktuell der Aspekt des «Double Leverage», also der teilweisen Fremdfinanzierung des Eigenkapitals von Auslandstöchtern, nicht ausreichend berücksichtigt. International sei dies seit zwei Jahrzehnten «als Risiko bekannt».
Auch in der Schweiz wurde die Debatte um die Abschaffung schon 2012 im Parlament geführt, es jedoch weiter erlaubt. «Die Forderung, die 'Double Leverage' abzuschaffen, ist also weder neu noch typisch schweizerisch und auch nicht durch die CS-Krise begründet», so Amstad.
Ferner könnten die Verlustrisiken einer systemrelevanten Bank nur von der Bank selber, also deren Eigentümern und Gläubigern, oder dem Steuerzahler getragen werden. Die Entscheidung, wer das Risiko am Ende tragen soll, müsse letztendlich aber von der Politik gefällt werden und nicht von einer Behörde wie der Finma, sagte sie weiter.
Zuletzt betonte sie, dass «gleiche Regeln nicht für jedes Land gleiche Auswirkungen» bedeuten. Da der Heimatmarkt der Schweiz im Vergleich klein sei, bedeuteten verhältnismässig grosse Auslandstöchter ein «relativ höheres Risiko» für die Schweiz. «Entscheidend sind also nicht nur die Regeln, sondern auch die Grösse des Heimmarktes relativ zu den Auslandtöchtern», sagte sie.









