75h pro Woche: So hart ist die Näh-Arbeit für Billig-Chinese Shein
Bis zu 75 Stunden Arbeit pro Woche für 500 bis 1000 Franken Lohn: Schweizer Journalisten zeigen die harte Realität hinter Sheins Erfolg in China.

Das Wichtigste in Kürze
- Arbeiter nähen bis zu 75 Stunden pro Woche für Zulieferer des Billighändlers Shein.
- Die Monatslöhne liegen zwischen 500 und 1000 Franken.
Der chinesische Fast-Fashion-Riese Shein steht seit Jahren wegen seiner Produktionsbedingungen in der Kritik. Ein Beitrag von SRF liefert nun seltene Einblicke in das sogenannte «Shein-Dorf» in Südchina.
Beim «Shein-Dorf» handelt es sich nicht um ein Dorf im eigentlichen Sinn. Gemeint ist ein riesiges Produktionsnetzwerk im Bezirk Panyu Der Millionenstadt Guangzhou. Mehr als 5000 Werkstätten und Fabriken sollen dort Kleider herstellen.
In den engen Gassen reiht sich eine Näherei an die nächste. Vom kleinen Familienbetrieb bis zum mehrstöckigen Gebäude mit Hunderten Angestellten dreht sich alles um die Textilproduktion.
Bis zu 75 Stunden Arbeit pro Woche
Viele der Beschäftigten stammen aus anderen Regionen Chinas und sind als Wanderarbeiter nach Guangdong gekommen. Sie verdienen monatlich zwischen umgerechnet 500 und 1000 Franken.
Dafür arbeiten viele von ihnen bis zu 75 Stunden pro Woche und haben nur wenige freie Tage. Bezahlt wird häufig nicht nach Arbeitszeit, sondern pro produziertem Kleidungsstück.
Ein Werkstattbetreiber erklärt gegenüber SRF, dass Mitarbeitende bei Stücklohn deutlich mehr Teile produzieren würden als bei einem festen Monatsgehalt. Das System setzt die Beschäftigten unter erheblichen Leistungsdruck.
«Wenn man keine Überstunden macht, kann man auch kein Geld verdienen»
Eine Arbeiterin, die gerade auf Jobsuche in Panyu angekommen ist, beschreibt die Realität: Die Arbeit in der Bekleidungsindustrie sei sehr anstrengend. «Wenn man keine Überstunden macht, kann man auch kein Geld verdienen.»
Hinzu kommt, dass viele Arbeiterinnen und Arbeiter kaum soziale Absicherungen haben. Nach Abschluss eines Auftrags endet oft auch das Arbeitsverhältnis.
Shein ist in diesem Umfeld gross geworden. Das Unternehmen verkauft die in Südchina produzierten Kleider direkt an Kunden in aller Welt. Es gilt als einer der grössten Fast-Fashion-Anbieter überhaupt.
Menschenrechtsorganisationen und Konsumentenschützer kritisieren seit Jahren die Arbeitsbedingungen in den Lieferketten des Konzerns.
Bereits 2023 sorgte Shein für Schlagzeilen, nachdem mehrere Influencer auf eine vom Unternehmen organisierte Reise nach China eingeladen worden waren.
Die Teilnehmer lobten damals öffentlich die Arbeitsbedingungen in den Fabriken und widersprachen den Vorwürfen gegen den Konzern. Nau.ch berichtete.
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Die Aussagen lösten jedoch einen massiven Shitstorm aus. Kritiker warfen den Influencern vor, sich für eine PR-Kampagne instrumentalisieren zu lassen und die Situation der Arbeiter zu beschönigen.
Ein perfektioniertes Fast-Fashion-System
Die Region rund um Guangzhou gilt als Herzstück von Sheins Produktionsmodell. In unmittelbarer Nähe zu den Nähereien befinden sich riesige Stoffmärkte, auf denen Materialien sofort verfügbar sind.
Dadurch können neue Modetrends in Rekordzeit umgesetzt werden. Laut Berichten gelingt es den Herstellern teilweise, innerhalb eines Tages aus einer Idee ein fertiges Kleidungsstück zu produzieren.
Genau diese Geschwindigkeit hat Shein zum Erfolg verholfen. Sie steht aber auch im Zentrum der Kritik an den Arbeitsbedingungen in der globalen Fast-Fashion-Industrie.















