Die Bundesbank sieht Deutschland am Beginn eines starken Aufschwungs. «Die deutsche Wirtschaft überwindet die pandemiebedingte Krise», prognostizierte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann am Freitag. «Schon in diesem Sommer könnte die Wirtschaftsleistung wieder das Vorkrisenniveau erreichen.»
Bundestag - Nachtragshaushalt
ARCHIV - 29.03.2017, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Euro-Geldscheine, aufgenommen bei einem Pressetermin in der Filiale der Bundesbank. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • 3,7 Prozent Wirtschaftswachstum sagt die Notenbank nun für das laufende Jahr voraus.

Im Dezember waren die Bundesbank-Ökonomen mit 3,0 Prozent noch nicht ganz so optimistisch. Inzwischen gehe die Bundesbank davon aus, dass durch das Fortschreiten der Impfungen die Corona-Pandemie «rasch und nachhaltig zurückgedrängt» werden könne und deswegen Einschränkungen für Wirtschaft und Bevölkerung «zügig gelockert» würden, erläuterte Weidmann.

Vor allem der private Konsum dürfte dann nach einhelliger Ansicht vieler Ökonomen anziehen. Zudem mehrten sich angesichts der Erholung des Welthandels zuletzt in der exportorientierten deutschen Industrie die positiven Einschätzungen. Wichtige Branchen wie Maschinenbau, Chemie und Pharma sowie Elektro schraubten jüngst ihre Prognosen für das laufende Jahr nach oben - und das obwohl Lieferengpässe etlichen Herstellern gerade das Geschäft erschweren.

Der Aufschwung im laufenden Jahr wird nach Einschätzung vieler Ökonomen kein Strohfeuer bleiben. Für 2022 ist auch die Bundesbank noch deutlich zuversichtlicher als vor sechs Monaten: Statt 4,5 Prozent Wachstum trauen die Ökonomen der Notenbank Europas grösser Volkswirtschaft im nächsten Jahr nun ein Plus von 5,2 Prozent zu. Im Jahr 2023 dürfte sich der Zuwachs des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) abschwächen, aber immer noch 1,7 Prozent betragen.

Im vergangenen Jahr hatte die Corona-Pandemie die deutsche Wirtschaft in die tiefste Rezession seit der globalen Finanzkrise 2009 gerissen. Das Bruttoinlandprodukt brach 2020 um 4,8 Prozent ein. Auch der Start ins neue Jahr war holprig, weil neue Einschränkungen im Zuge der Bekämpfung des Coronavirus unter anderem Gastgewerbe und Teile des Handels ausbremsten. Im ersten Quartal 2021 schrumpfte das BIP zum Vorquartal um 1,8 Prozent.

Die Konsumenten müssen sich allerdings auch auf eine deutlich anziehende Teuerung einstellen. Vorübergehend seien Inflationsraten um 4 Prozent möglich, bekräftigte Bundesbank-Präsident Weidmann frühere Aussagen der Notenbank. Zwei Sonderfaktoren treiben die Teuerung: Die in der Corona-Krise für ein halbes Jahr gesenkte Mehrwertsteuer ist seit Januar wieder auf ihrem alten Niveau.

Zudem ist seit Anfang 2021 eine Abgabe von 25 Euro je Tonne ausgestossenem Kohlendioxid (CO2) fällig, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht.

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