Die deutschen Erzeugerpreise haben einen neuen Höchststand erreicht. Diese sind ein Indikator für die Entwicklung der Inflation.
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Die Teuerung in der Eurozone ist im Oktober so stark angestiegen wie zuletzt im Sommer 2008. Lebensmittel waren 1,9 Prozent teurer als im Vorjahr. Richtig eingeschenkt haben aber die Energiepreise: Sie verteuerten sich um fast einen Viertel. (Symbolbild) - sda - KEYSTONE/GAETAN BALLY

Das Wichtigste in Kürze

  • Da die Energie immer teurer wird, werden die Preise von deutschen Herstellern immer höher.
  • Die Entwicklung liege weit über den schlimmsten Befürchtungen von Ökonomen.
  • Die Inflation ist mit 4,5 Prozent momentan so hoch wie seit 1995 nicht mehr.

Die Preise deutscher Hersteller steigen vor allem wegen teurer Energie derzeit so stark wie seit 1951 nicht mehr. Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte kletterten im Oktober um 18,4 Prozent zum Vorjahresmonat. Somit hangeln sie sich weiter von Rekord zu Rekord. Dies teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit.

Die Anstiege sind damit bereits stärker als in der ersten Ölkrise 1974. «Das lag noch einmal erheblich über den schlimmsten Befürchtungen», sagte LBBW-Experte Jens-Oliver Niklasch. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit 16,2 Prozent gerechnet, nachdem die Steigerungsrate im September noch 14,2 Prozent betragen hatte. Neben Energie verteuerten sich vor allem Vorprodukte wie Holz und Stahl.

Produzentenpreise sind Indikator für die Inflation

Die Produzentenpreise gelten als Frühindikator für die Entwicklung der Inflation. In der Statistik werden die Preise ab Fabriktor geführt. Das heisst bevor die Produkte weiterverarbeitet werden oder in den Handel kommen.

Sie können damit einen frühen Hinweis auf die Entwicklung der Verbraucherpreise geben. Die Inflationsrate liegt mit 4,5 Prozent aktuell bereits so hoch wie seit 1993 nicht mehr. Sie könnte sich Ökonomen zufolge bis Jahresende in Richtung fünf Prozent bewegen.

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Die Teuerungsrate hat nach knapp 28 Jahren wieder die Vier-Prozent-Marke überschritten. Foto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa-Zentralbild/dpa - dpa-infocom GmbH

Die Inflation auf Verbraucherpreisebene dürfte nicht so schnell fallen, wie die Europäische Zentralbank (EZB) dies derzeit erwartet, sagte LBBW-Analyst Niklasch. Er gehe davon aus, dass die Unternehmen zumindest einen Teil der dadurch entstehenden Kosten an die Endverbraucher weitergeben. «Inflation dürfte damit auch 2022 ein beherrschendes Thema bleiben.»

Preisentwicklung bei der Energie verantwortlich für Anstieg

Die Statistiker erklärten: «Hauptverantwortlich für den Anstieg der gewerblichen Erzeugerpreise gegenüber Oktober 2020 war die Preisentwicklung bei Energie.» Sie verteuerte sich um durchschnittlich 48,2 Prozent, allein zum Vormonat um gut zwölf Prozent. Klammert man Energie aus, lagen die Erzeugerpreise insgesamt nur 9,2 Prozent über dem Vorjahr.

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