Audi rutscht fast in die roten Zahlen
Die Krise trifft Audi immer härter. Die VW-Tochter hat im dritten Quartal nur knapp die roten Zahlen vermieden. Der Reingewinn des Autobauers brach um 87 Prozent auf nur noch 95 Millionen Euro ein.

Dies teilte das Unternehmen am Freitag mit. Im Vorjahreszeitraum hatte Audi noch einen Gewinn von 718 Euro Millionen eingefahren. Damit schlittert das Unternehmen, zu dem neben der Kernmarke Audi auch Lamborghini, Bentley und Ducati gehören, finanziell immer tiefer in die Krise.
Nach neun Monaten hat Audi 1,22 Milliarden Euro Gewinn eingefahren, und 42 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Beides sind starke Rückgänge. Angesichts des ausgesprochen schlechten dritten Quartals senkt der Konzern nun auch seine Prognose für das Gesamtjahr. Immerhin lässt sich auch aus der neuen Prognose aber ableiten, dass das vierte Quartal wieder besser wird, wie Finanzchef Jürgen Rittersberger sagt.
«Die Geschäftsentwicklung wurde insbesondere durch den Markteinbruch in China – vor allem bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor -, die steigende Wettbewerbsintensität sowie den zunehmenden Exportdruck chinesischer Hersteller auf den europäischen Markt belastet», heisst es von Audi. «Hinzu kommen anhaltende Unsicherheiten infolge der Lage im Nahen Osten und dem damit verbundenen Anstieg der Energiekosten sowie durch US-Zölle.»
Das ist die Krise, der sich alle deutschen Hersteller gegenübersehen, doch Audi wird besonders hart getroffen – auch weil sie kein eigenes Werk in den USA haben und gerade Wechsel bei wichtigen Modellen laufen. Zum Vergleich: Konkurrent Mercedes hat im abgelaufenen dritten Quartal 1,52 Milliarden Euro Gewinn gemacht. BMW legt erst nächste Woche Zahlen vor.
«Die Kennzahlen zeigen deutlich: Der Handlungsbedarf bei Audi ist hoch und duldet keinen Aufschub», sagt Finanzchef Rittersberger. «Vor allem im dritten Quartal hat sich das Umfeld noch einmal erheblich verschärft. Unsere Massnahmen wirken, aber aufgrund des enormen Wettbewerbsdrucks müssen wir sie verstärken. Deshalb setzen wir auf konsequente Kostendisziplin, reduzieren Komplexität und erhöhen die Effizienz unserer Strukturen.»
Dazu, was das für die deutschen Standorte bedeutet, bleibt Audi aber unkonkret. Die im vergangenen Jahr geschlossene so genannte «Zukunftsvereinbarung» beinhaltete unter anderem den Abbau Tausender Jobs in Deutschland. Aktuell wird um weitere Einsparungen gerungen. Dabei steht sogar das Aus des Werks in Neckarsulm im Raum.
Ausgerechnet der Versuch, die Probleme in den USA in den Griff zu bekommen, hat Audi zudem eine weitere Krise beschert. Denn am Rande von Verhandlungen zum Bau eines Werks im US-Bundesstaat Georgia trat Audi-Chef Gernot Döllner am Wochenende überraschend zusammen mit US-Präsident Donald Trump auf. Dieser verkündete auf einer Wahlkampfveranstaltung Audis Pläne, dort ein Werk zu bauen, bevor er Döllner auf die Bühne rief, der Trump für dessen Unterstützung dankte.
Seither reisst die Kritik an Döllner nicht ab. Dabei geht es weniger um das Werk – dass sein Bau für Audi sinnvoll ist, wird weitgehend anerkannt – als um den Auftritt mit Trump kurz vor den wichtigen US-Zwischenwahlen am 3. November. Kritiker werfen Döllner vor, damit gegen Audis eigene Regeln verstossen zu haben, die solche Auftritte ausschliessen.
Döllner hat seinen Auftritt als im Interesse des Unternehmens verteidigt. Man sei gebeten worden, die Pläne zum Werk in Georgia gemeinsam mit dem US-Präsidenten öffentlich vorzustellen. Der Audi-Chef hat bereits am Wochenende klargemacht, dass man eine solche Einladung nicht ablehne. Das gebiete alleine der Respekt vor dem Amt.














