Audi-Chef Döllner verteidigt Auftritt mit Trump
Gernot Döllner steht nach seinem Auftritt mit Trump in der Kritik. Audi verteidigt die Teilnahme als Wahrnehmung konkreter Unternehmensinteressen.

Audi-Chef Gernot Döllner hat sich für seinen gemeinsamen Auftritt mit US-Präsident Trump gerechtfertigt, berichtet der «Tagesspiegel». Das geht aus einem internen Schreiben an die Belegschaft und einer Mitteilung auf der Audi-Website hervor.
Man habe die Einladung zum gemeinsamen Auftritt ausschliesslich im Interesse des Unternehmens angenommen. Zugleich räumt er in beiden Texten ein, der Auftritt habe «Fragen und auch Unverständnis» ausgelöst.
Produktionsvorstand Gerd Walker und Döllner waren in Georgia, um die Verhandlungen über das geplante Werk voranzubringen. Wegen der Vertraulichkeit der Gespräche habe man vorab nicht darüber informieren können.
Kritik an Audi wegen der Bühne mit Trump
Trump hatte am Samstag den Bau eines Audi-Werks in Perry im US-Bundesstaat Georgia angekündigt, schreibt das «Handelsblatt». Danach sprach Döllner selbst auf der Bühne und bedankte sich bei Trump für dessen Unterstützung.
Döllner betreibe «aktive Wahlkampfhilfe», sagt VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo. Wer Trumps Rede gehört habe und Döllner dort auftreten sehe, müsse vor «Scham im Boden versinken».
Linken-Chef Luigi Pantisano fordert Döllners Rückzug von der Konzernspitze, wie «T-Online» berichtet. «Audi-Vorstandschef Gernot Döllner muss seinen Hut nehmen», sagt Pantisano und verlangt Konsequenzen bei VW.
Auftritt «politisch inakzeptabel»
IG-Metall-Chefin Christiane Benner bezeichnet den Auftritt am Montag als «politisch inakzeptabel», wie «T-Online» schreibt. Laut Benner habe Döllner «eklatant» gegen die Unternehmensregeln zur politischen Neutralität vor Wahlen verstossen.
In den drei Monaten vor Wahlen schliessen interne Audi-Regeln öffentlich wirksame Termine mit Kandidaten aus, so der «Tagesspiegel». In den USA finden am 3. November die Zwischenwahlen statt.
Audi erklärte, die Teilnahme habe konkreten Unternehmensinteressen gedient und sei keine parteipolitische Positionierung gewesen. Die Investition sei auf Jahrzehnte angelegt, die internen Grundsätze stelle man nicht infrage.
Investitionen von vier Milliarden Dollar
Audi will im Werk in Georgia jährlich 200'000 Sportgeländewagen produzieren, schreibt das «Handelsblatt». Geplant sind Investitionen von vier Milliarden Dollar (etwa 3,3 Milliarden Franken), dabei sollen 4500 Arbeitsplätze entstehen.

Audi nennt 2027 als Baubeginn, die Produktion soll Anfang der 2030er-Jahre starten. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies betont, die Entscheidung über die Investition sei noch nicht gefallen.
Der Auftritt hinterlasse «ein erhebliches Störgefühl», sagt Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir laut «T-Online». Er fordert Perspektiven für Neckarsulm, dessen Werk bis Ende Juni 2027 ein neues Konzept vorlegen soll.
















