Audi plant Werk in den USA – Milliardeninvestition sorgt für Streit
Audi plant in Georgia ein neues Werk mit Investitionen von vier Milliarden Dollar und 4500 Arbeitsplätzen. Doch der Auftritt mit Trump löst heftige Kritik aus.

Die Volkswagen-Tochter Audi plant ihr erstes eigenes Werk in den USA. Vorgesehen sind Investitionen von vier Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 3,6 Milliarden Euro. In Georgia sollen künftig jährlich 200'000 Sport Utility Vehicles (SUV) produziert werden, berichtet die «Berliner Morgenpost».
Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen, die Produktion soll Anfang der 2030er-Jahre anlaufen. Mit der Fabrik will Audi seine Position auf dem amerikanischen Markt stärken und die Fertigung vor Ort ausbauen.
US-Präsident Donald Trump verkündete die Pläne am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Perry im Bundesstaat Georgia. Anschliessend dankte Audi-Chef Döllner Trump für dessen Unterstützung, schreibt die «WirtschaftsWoche».
Audi Werk: Cavallo wirft Döllner Wahlkampfhilfe für Trump vor
Der Auftritt löste innerhalb des Volkswagen-Konzerns deutlichen Widerspruch aus. Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo warf Döllner vor, mit seiner Anwesenheit aktive Wahlkampfhilfe für Trump geleistet zu haben.
Cavallo kritisierte insbesondere die politischen Äusserungen während der Veranstaltung und verwies auf die Unternehmenswerte. Sie erklärte, angesichts der Rede und Döllners anschliessendem Auftritt müsse man vor «Scham im Boden versinken», so der «NDR».
Cavallo sieht in Döllners Auftritt einen Verstoss gegen interne Audi-Leitlinien. Diese untersagen öffentliche Termine mit Wahlkandidaten in den letzten drei Monaten vor Wahlen.
Cavallo kritisiert VW-Spitze trotz wirtschaftlicher Chancen
Auch den Volkswagen-Konzernvorstand unter Oliver Blume kritisierte Cavallo scharf. Sie warf der VW-Spitze vor, sich politisch instrumentalisieren zu lassen, und verwies auf die NS-Vergangenheit des Konzerns.
Die US-Zwischenwahlen finden am 3. November statt. Damit fiel die Ankündigung des Audi-Werks in eine politisch besonders umkämpfte Phase des amerikanischen Wahlkampfs.
Cavallo hält eine stärkere Fertigung in den USA aus betriebswirtschaftlicher Sicht grundsätzlich für nachvollziehbar. Der amerikanische Markt gehöre zu den grössten und lukrativsten weltweit, während der Marktanteil von Volkswagen dort weiterhin vergleichsweise klein sei.
Audi Werk in den USA: Sorgen um deutsche Standorte und Zölle
Offen ist allerdings, ob die Investition Zollvergünstigungen für den gesamten Konzern ermöglicht. Ebenfalls ungeklärt bleibt, wie verlässlich mögliche Zusagen über einen Regierungswechsel in den USA hinaus wären, berichtet die «Berliner Morgenpost».
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies sieht wirtschaftliche Chancen durch das neue Werk. Er betont jedoch, dass Wachstum in Amerika Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Deutschland sichern müsse, statt diese zu verdrängen.

Auch am Audi-Standort Neckarsulm bestehen Sorgen über die möglichen Folgen. Neckarsulms Oberbürgermeister Hertwig versteht die Pläne, fordert aber Klarheit über den Standort.
VW-Aufsichtsrat muss noch entscheiden
Die Arbeitnehmervertreter im Volkswagen-Aufsichtsrat knüpfen ihre Zustimmung an eine umfassende Bewertung der Auswirkungen auf sämtliche Standorte. Dabei geht es insbesondere um die Beschäftigungsperspektiven und die Auslastung der deutschen Werke.
Auch die IG Metall fordert verbindliche Zusagen für die Beschäftigten an allen Standorten. Gewerkschaftsvorsitzende Christiane Benner unterstützt zwar eine stärkere Präsenz auf dem US-Markt, verlangt aber klare Zukunftsperspektiven für die Belegschaften.
Der Bau des Audi-Werks ist deshalb noch nicht endgültig beschlossen. Erst wenn die Auswirkungen auf den gesamten Konzern bewertet sind, kann der Volkswagen-Aufsichtsrat über die milliardenschwere Investition entscheiden.
















