Kein Mensch darf zu einer Impfung gezwungen werden. Weder von der Regierung noch von seinem Glaubensverständnis. Willkommen im «Wort zum Freitag».
Sam Urech
Sam Urech besucht die Freikirche FEG Wetzikon. - Fotograf: Sebastian Heeb

Das Wichtigste in Kürze

  • Sam Urech aus dem Zürcher Oberland ist Halleluja-Kolumnist auf Nau.ch.
  • Sind Sie seiner Meinung? Eher nicht? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.
  • Den Autor erreichen Sie unter sam@hisam.ch oder auf Social Media.

Als das Thema Corona-Impfung zum ersten Mal aufpoppte, wurden Stimmen laut, die von einem möglichen Impfzwang warnten.

Sofort diffamierte man sie als Verschwörungstheoretiker und ich gebe zu, auch ich habe meinen Kopf geschüttelt. Impfpflicht in unserem freien Land? Wird es nie geben.

Nun, unsere Welt hat sich stark verändert in den letzten zwölf Monaten. Undenkbares ist normal geworden, Linien wurden überschritten. Bestimmt aus guter Absicht und bestimmt meist aus Notwendigkeit.

Plötzlich titelt diese Woche nun aber eine grosse Zeitung: «Arbeitgeberverband knallhart: Impfverweigerern droht Kündigung!»

Unsolidarische Solidarische

Nur eine Schlagzeile um die bröckelnde Auflage zu steigern? Offenbar nicht: Eine wichtige Person des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes soll das tatsächlich so gesagt haben. Ich suchte nach einem Dementi – erfolglos.

Auf einmal gehts also nicht mehr «nur» ums Fliegen oder um den Stadionbesuch – wir reden von Arbeit, von einem Grundrecht. Überschreiten wir da nicht eine rote Linie?

Klar, im Gesundheitswesen gab es schon Impfpflichten weit vor Corona. Aber diese Kaderperson des Arbeitgeberverbandes sprach nun von der breiten Bevölkerung, die beruflich nicht mit Risikopatienten zu tun hat.

Impfen in Israel
Eine Frau wird in Israel in einem mobilen Impf-Bus gegen das Coronavirus geimpft. - dpa

«Gut so, denn wer sich nicht impfen lassen will, ist unsolidarisch, egoistisch und hat in dieser Gesellschaft keinen Platz», meinen vielleicht Befürworter der Impfpflicht.

Die Solidarischen dürfen unsolidarisch zu den Unsolidarischen sein? Schliesslich seien die Impfverweigerer ja zuerst unsolidarisch gewesen und müssten darum mit gleichen Waffen bekämpft werden. Sehe ich anders.

«Impfverweigerern droht Kündigung» – was denken Sie dazu?

Fragen, die mich nichts angehen

Warum sich Impfgegner so heftig wehren und was ihr Problem mit dieser Spritze ist, muss ich gar nicht beantworten können. Es geht mich nichts an.

Unsere beiden Söhne wurden mit allem geimpft, was uns unser Kinderarzt empfahl. Impfungen sind für mich kein Problem, sondern eine Hilfe.

Und doch kann ich sehr gut nachvollziehen, dass sich Menschen gegen eine Impfung wehren. Wir reden hier nicht vom Maskentragen, Abstand halten oder anderen überschaubaren Beschnitten unserer Freiheit. Wir reden von einem Eingriff ins eigene Immunsystem.

Ob man das will oder nicht, muss man unbedingt selbst entscheiden dürfen und was überhaupt nicht geht, wäre, dass diese Menschen zur Impfung gezwungen würden.

Ein Argument mit Grenzen

«Doch. Meine Freiheit endet dort, wo ich andere gefährde.» Ja, mit diesem Totschlagargument kann ich wild um mich hauen. Aber für mich hat dieses Argument Grenzen.

Wenn ich mich fahrlässig verhalte, muss ich bestraft werden, keine Frage. Notfalls eingesperrt. Aber wenn ich keine Impfung möchte, darf ich mich wehren, ohne damit gleich zum Problem für die Gesellschaft zu werden.

So viel Freiheit brauchen wir. Und wenns nicht reicht, dass sich nur diese Leute impfen, die sich impfen lassen wollen, müssen andere Lösungen gefunden werden. Einfach gesagt, schon klar. Aber es ist meine Meinung: Einen Impfzwang darf es nie geben.

Eine Impfung bewegt die Welt.
Eine Impfung bewegt die Welt. - AdobeStock

Fragen, hören und dann entscheiden

Als Christ bin ich doch ohnehin verpflichtet, mich aus Nächstenliebe zu impfen. Oder etwa nicht?

Sich die Nächstenliebe vor Augen zu führen ist immer ein löblicher Ansatz. Die Nächstenliebe bedeutet aber nicht, dass ich meine eigenen Grenzen über Bord werfen muss: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst, steht in der Bibel.

Ob Gott will, dass Sie sich impfen lassen, kann ich nicht beantworten. Fragen Sie ihn. Und dann entscheiden Sie frei. Denn was Gott nicht nötig hat, ist Druck.

***

Zum Autor:

Sam Urech ist 36-jährig, verheiratet und Vater von zwei Buben. Mit seiner Familie besucht er die Freikirche FEG Wetzikon. Sam hat viele Jahre beim Blick als Sportjournalist gearbeitet und ist heute Inhaber der Marketing Agentur «ratsam».

Er liebt seine Familie, seine Kirche, Guinness, Fussball, Darts, den EHC Wetzikon, Preston North End und vor allem Jesus Christus. Sam schreibt wöchentlich auf Nau.ch über seine unverschämt altmodischen Ansichten. Wenn Sie hier klicken, finden Sie alle seine Halleluja-Kolumnen.

Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie Sam ein Email (sam@hiSam.ch) oder kontaktieren Sie ihn über Facebook (halleluja.kolumnist).

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