Kolumne

    Berner Metzger: Darum ist Rossfleisch nicht unmoralisch!

    Ruben Sprich
    Ruben Sprich

    Bern,

    Für den Berner Metzger Ruben Sprich ist Rossfleisch kein Tabu: Er sieht es als wertvolles Lebensmittel. Moral? Eine Frage der Perspektive und Nähe zum Tier.

    Metzger hält Fleisch
    Ruben Sprich - Nau.ch

    Das Wichtigste in Kürze

    • Viele Menschen essen Rindfleisch – Rossfleisch käme für sie aber nie infrage.
    • Für einen Berner Metzger ist es schwer nachvollziehbar, zugleich zeigt er Verständnis.

    Als Metzger werde ich immer wieder gefragt, warum ich Rossfleisch verkaufe. Manche Menschen rümpfen die Nase, wenn sie davon hören. Rind oder Schwein? Kein Problem. Aber Ross? Für viele ist das moralisch fragwürdig.

    Ich verstehe die Emotionen, die da mitschwingen. Pferde sind starke, stolze Tiere, die viele eher als Freunde oder Begleiter sehen.

    Aber für mich – und für viele andere – ist Rossfleisch nicht unmoralisch.

    Ruben Sprich an Fleischtheke
    Der Metzger Ruben Sprich (57) hat kein Problem mit Veganern. - Nau.ch

    Qualität und Herkunft

    Zuerst mal eines vorweg: Pferdefleisch ist ein hochwertiges, fettarmes Fleisch, das wenig Cholesterin hat.

    Es wird in der Schweiz nicht gezielt für die Schlachtung gezüchtet. Es sind Tiere, die oft ein langes Leben hatten.

    Darum kommen Sportrösser selten auf den Teller

    Sportpferde, Arbeitspferde – wenn ihre Zeit abläuft, entscheidet meist der Tierarzt, ob das Fleisch noch für den Verzehr geeignet ist.

    Was sagst du zu Pferdefleisch?

    Viele Sportpferde etwa kommen gar nicht infrage, weil sie zu viele Medikamente oder sogar Aufputschmittel bekommen haben.

    Es ist nicht so, dass einfach jedes Ross, das nicht mehr laufen kann, im Schlachthof landet.

    Ein Sportpferd wird geritten
    Landen weniger häufig auf dem Teller: Sportpferde. - keystone

    Emotionen spielen mit

    Die Moralfrage hängt stark davon ab, wie wir Tiere wahrnehmen. Viele haben zu einem Ross eine andere Beziehung als zu einer Kuh oder einem Schwein.

    Pferde sind Tiere, die wir reiten, die wir pflegen und bewundern. Kühe oder Schweine dagegen stehen meist im Stall.

    Tier oder ein Stück Fleisch?

    Bei vielen ist die Distanz grösser: Sie sehen das Fleisch später abgepackt im Supermarktregal, ohne daran zu denken, dass auch das einmal ein Tier war.

    Ein Vergleich, der manchmal fällt, ist der mit Haustieren wie Katzen. Früher war es mitunter üblich, Katzen zu essen, und in bestimmten Regionen soll es heute noch vorkommen.

    Hauskatze auf Teppich
    Mit ihnen verbindet uns mehr Nähe: Hauskatzen. Doch auch diese werden teilweise gegessen. - keystone

    Für mich ist das kaum vorstellbar. Eine Katze gehört in die Wohnung, schläft auf dem Sofa und wird wie ein Familienmitglied behandelt.

    Doch ich bin mir bewusst, dass es meine eigene Nähe zu diesem Tier ist, die hier mitspielt. Darum liegt es mir auch fern, jemanden zu verurteilen, der Katzen isst.

    Es gibt Menschen, die leben in Gegenden, wo viele Katzen wild herumstreunern. Sie werden dann eher als «Nutztiere» gesehen, welche schlicht Ratten und Mäuse fernhalten sollen, weniger als Haustiere. Für so jemanden ist der emotionale Bezug anders.

    So wie es für mich mit Pferden ist, die ich nicht nur als Begleiter sehe, sondern auch als Nutztiere.

    Ich kann also nachvollziehen, wenn Menschen emotional auf Rossfleisch reagieren.

    Pferdefleisch
    Bis 1995 war Pferdefleisch nur beim «Rossmetzg» erhältlich. (Symbolbild) - keystone

    Respekt vor dem Tier

    Für mich ist wichtig: Respekt vor dem Tier. Ob Ross, Rind oder Schwein – Fleisch ist etwas Wertvolles, das man nicht verschwenden sollte.

    Wenn wir ein Tier schlachten, dann sollte es nicht umsonst gewesen sein.

    Ein Pferd, das ein langes Leben hatte und dessen Fleisch verwertet wird, ist kein moralisches Problem. Es ist eher die konsequente Nutzung von Ressourcen.

    Ein persönlicher Standpunkt

    Ich verstehe, dass viele ein Problem mit Rossfleisch haben, weil sie das Tier anders sehen. Das ist in Ordnung. Jeder darf seine eigenen Grenzen ziehen. Für mich ist Rossfleisch ein Teil meiner Arbeit und meines Handwerks.

    Es hat Tradition und ist ein ehrliches, gutes Lebensmittel – wenn es richtig gemacht wird. Moral ist immer auch eine Frage der Perspektive. Leben und leben lassen, sage ich immer.

    Wer es nicht mag, muss es nicht essen. Aber unmoralisch ist es deshalb noch lange nicht.

    Zum Autor: Ruben Sprich ist 57 Jahre alt. Vor rund einem Jahr hat er die Ross-Metzgerei «Chez Max» (ehemals Grunder) in der Berner Rathausgasse übernommen. Neben Fleisch verkauft er selbsthergestellte Pasta. Sprich legt Wert darauf, dass er kein ausgebildeter Metzger ist.

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    Kommentare

    User #2650 (nicht angemeldet)

    Mir fällt auf, dass wenn bei meinem Fleisch auch noch der Kopf dran ist, habe ich Mühe es zu essen. Total komisch.

    User #5024 (nicht angemeldet)

    Warum kein Stinktier Fleisch? Stinktier Fleisch ist sehr fein und riecht göttlich.

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