«Widersprüchlich»: Junge SVP geht auf Secondo-Fang
Die Junge SVP startet eine Kampagne, in der Secondos für die 10-Millionen-Initiative werben. Ein Secondo-Vertreter findet dies «widersprüchlich».
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Das Wichtigste in Kürze
- Secondos aus Italien, Portugal oder Kroatien werben für die Zuwanderungsinitiative.
- Die Junge SVP will Befürwortende, die kaum abstimmen, an die Urne locken.
- Përparim Avdili, Vize-Präsident von Secondas Zürich, sieht Vorwürfe bestätigt.
Das Ja-Lager für die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» bröckelt. Mehr als die Hälfte der befragten Wählenden lehnt diese laut den neuesten Umfragen ab. Wenige Tage vor der Abstimmung geht die Junge SVP auf Secondo-Fang.
In Videos lässt sie junge Secondos aus Italien, Frankreich, Portugal, Kroatien und Dänemark für die Initiative werben. Die Videos spielt sie auf Social Media gezielt in den jeweiligen Communities aus.
Es handle sich um eine «Schlussoffensive» ihrer Kampagne zur Nachhaltigkeits-Initiative. Dies sagt Nils Fiechter, Präsident der Jungen SVP, auf Anfrage. Im Fokus hat die Partei Befürwortende, die «aber keine fleissigen Teilnehmer an Abstimmungen sind».
«Viele haben hart gearbeitet»
Der Waadtländer Alessandro Ebrahimi richtet sich im Video an die italienischen Secondos. Er ist Parteileitungsmitglied der Jungen SVP und schweizerisch-italienischer Doppelbürger. «Ich bin hier geboren, hier aufgewachsen und die Schweiz ist meine Heimat», sagt er. «Viele haben hart gearbeitet, sich integriert, die Sprache gelernt und haben zum Erfolg dieses Landes beigetragen.»
Jedes Jahr kämen aber 100'000 Personen in die Schweiz, sagt Ebrahimi. Wer die Schweiz gerne habe, schütze sie vor der Masslosigkeit und der Überlastung.
Damien Dubreuil, Mitglied der Jungen SVP Nidwalden, besitzt neben der Schweizer auch die französische und portugiesische Staatsbürgerschaft. Seine Eltern seien für eine bessere Zukunft in die Schweiz gekommen. Dies sagt er in den Videos, die sich an Secondos aus Frankreich und Portugal richten. «Heute sehen wir eine Migration, die nichts mit der Migration zu tun hat, die meine Eltern noch erlebten», behauptet er.
Im Video für die kroatischen Secondos argumentiert Igor mit der Freiheit. «Wir wissen am besten, wie viel Freiheit, Frieden und ein unabhängiger Staat wert sind», sagt er. Leider sei die Zeit gekommen, in der auch die Schweizer für ihre Freiheit kämpfen müssten, behauptet er.
Junge SVP: Suche habe sich einfach gestaltet
Anonym sprechen die Protagonisten im Video für die dänischen und in jenem für die türkischen Secondos.
Nils Fiechter bestätigt, dass es sich bei sämtlichen Videos um echte Menschen handle und keine KI zum Einsatz gekommen sei. «Die Protagonisten in den Videos sind entweder Mitglieder oder Sympathisanten der Jungen SVP», sagt er. «Die Suche gestaltete sich deshalb ziemlich einfach.»
«Sehr viele Secondos» hätten die Probleme der masslosen Zuwanderung in die Schweiz längst erkannt, sagt Nils Fiechter. Die meisten Secondos seien gut in unserer Gesellschaft integriert. Sie sprächen unsere Sprache, seien erwerbstätig, zahlten Steuern und hielten sich an Recht und Ordnung.
«Genau diese Menschen sehen am deutlichsten, dass sich die Nachhaltigkeits-Initiative nicht gegen Migranten, sondern gegen die Masslosigkeit richtet», behauptet er.
«Widerspricht der Initiative»
Bei Secondo-Organisationen sorgt die Junge SVP mit der Offensive für Kopfschütteln.

Përparim Avdili ist Vizepräsident der überparteilichen Diskussionsplattform Secondas Zürich. Die junge SVP gräbt nun Secondos aus, die sich positiv über die Initiative äusserten, sagt Avdili. Damit bestätigten sie die Vorwürfe, dass sie mit der Initiative ein negatives Klima für die Zuwanderung schaffen würden.
Die Secondo-Offensive hält Avdili für «widersprüchlich». Die Bevölkerung sei wegen der Migration gewachsen, sagt er. «Wenn die Junge SVP jetzt auf die Idee kommt, dass alles gute Jungs eingewandert sind, widerspricht sie der Initiative.»


















