Die WHO macht sich für ein weltweites Abkommen über gemeinsame Corona-Massnahmen stark. Dabei sei die Verteilung der Impfung wichtig.
Die WHO weist auf Impfstoff-Versorungslücken in Afrika hin. Foto: Peter Klaunzer/KEYSTONE/dpa/Symbolbild
Die WHO weist auf Impfstoff-Versorungslücken in Afrika hin. Foto: Peter Klaunzer/KEYSTONE/dpa/Symbolbild - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Die WHO fordert im Kampf gegen Corona eine gemeinsame Strategie.
  • Dabei müsse die Impfstoffverteilung ein zentraler Baustein sein.
  • Demnach könne sich kein Land alleine aus der Pandemie impfen.

Im Ringen um eine wirksamere Bekämpfung von Pandemien hat sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eindringlich für ein weltweites Abkommen über gemeinsame Gegenmassnahmen stark gemacht. Eine gerechte Verteilung von Impfstoffen müsse ein zentraler Baustein dieser Strategie werden, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag in Genf.

«Impfstoff-Gerechtigkeit ist kein Akt der Güte, sie ist im besten Interesse jedes einzelnen Landes», so Tedros zum Auftakt einer Ministerkonferenz über einen künftigen Pandemie-Pakt. «Kein Land kann sich allein aus der Pandemie impfen.»

Deutschland unterstützt WHO

Die USA und China sind skeptisch. Sie wollen eigentlich keine neuen multilateralen Verpflichtungen eingehen. Deutschland unterstützt indes diesen Plan nach den Worten des geschäftsführenden Gesundheitsministers Jens Spahn. Zwar sei ein Pandemievertrag nicht das Allheilmittel, um die weltweite Vorbereitung und Reaktion auf Pandemien in Ordnung zu bringen. Aber ein neuer Vertrag habe das Potenzial, der dringend benötigte «Game Changer» für zukünftige Pandemien und für eine sicherere Welt zu sein, sagte Spahn.

Tedros Adhanom Ghebreyesus
Tedros Adhanom Ghebreyesus ist Chef der WHO. - dpa

Tedros kritisierte, dass in der Corona-Pandemie bisher 80 Prozent der Impfstoffe an wohlhabende Länder gegangen seien. «Jetzt haben die Länder die Wahl, in eine gesündere, sicherere und fairere Zukunft zu investieren.»

Nach Ansicht der geschäftsführenden deutschen Kanzlerin Angela Merkel benötigt die WHO mehr Geld für diese grossen Aufgaben. Sie warb in einer kurzen Video-Grussbotschaft für eine deutliche Aufstockung der Beiträge.

Welt zeigt Lernfähigkeit

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte angesichts der neuen Corona-Variante Omikron, dass die Welt bereits Lernfähigkeit bewiesen habe. «Südafrikas Analysearbeit und die Transparenz beim Teilen seiner Ergebnisse waren unerlässlich, um eine rasche globale Reaktion zu ermöglichen», sagte sie per Video. Dieses Vorgehen habe zweifellos viele Leben gerettet und sei ein Beispiel dafür, wie die internationale Zusammenarbeit angesichts grenzüberschreitender Gesundheitsbedrohungen funktionieren sollte. EU-Ratspräsident Charles Michel sagte, «wir brauchen einen schrittweisen Wandel in unserer globalen Gesundheitsarchitektur.»

Die WHO-Ministerkonferenz tagt bis Mittwoch im Hybridformat, um diesen Prozess mittels einer Resolution auf den Weg zu bringen. Im Resolutionsentwurf ist die Rede von Verhandlungen über «einen Vertrag, ein Abkommen oder eine andere internationale Übereinkunft der WHO» über die Verhinderung und Bewältigung von Pandemien.

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