Walliser Feuerwesen-Amtschef ist Brandschutzfirma-Mitinhaber
Der amtierende Amtschef des kantonalen Feuerwesen im Wallis führt nebenher eine Firma für Brandschutz. Einen Interessenkonflikt sieht der Kanton nicht.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Amtschef des kantonalen Feuerwesens VS führt gleichzeitig eine Firma für Brandschutz.
- Das Wallis bewilligt die Nebentätigkeit von Philipp Hildbrand.
- Der Kanton hat bis heute keinen Interessenkonflikt festgestellt.
Das Amt für Feuerwesen überwacht und koordiniert die Brandschutzkontrollen im Kanton Wallis. Es unterstützt die Gemeinden bei Brandschutzfragen und gibt Weisungen heraus.
Philipp Hildbrand steht dem kantonalen Amt für Feuerwesen im Wallis vor. Gleichzeitig hält er aber 25 Prozent Anteile an einem Familienunternehmen, welches unter anderem Beratung und Brandschutz anbietet. Die Firma heisst Hildbrand Solutions GmbH und ist im Handelsregister Oberwallis seit fünf Jahren eingetragen, schreibt «pomona.ch».
Die Firma führt Hildbrand zusammen mit seinen zwei Söhnen und seiner Tochter. Einer der Söhne hat den Vorsitz der Geschäftsleitung inne. Als Gesellschafter und Geschäftsführer ist Hildbrand ebenfalls eingetragen. Die Domiziladresse der Firma entspricht seiner Privatadresse.
Der Kanton Wallis bewilligte die Nebentätigkeit
Das kantonale Amt für Feuerwesen ist der Dienststelle für zivile Sicherheit und Militär unterstellt. Die politische Verantwortung trägt FDP-Staatsrat Stéphane Ganzer. Marie-Claude Noth-Ecoeur leitet diese Dienststelle.
Sie bestätigt die Existenz der Firma gegenüber «pomona» und erklärt: «Der Geschäftsführer ist sein Sohn. Gemäss Handelsregisterauszug ist Philipp Hildbrand nur zur Zweierunterschrift berechtigt.»
Eine Zweierunterschriftberechtigung bedeutet: Hildbrand kann keine Dokumente oder Verträge alleine unterzeichnen. Er ist damit laut Noth-Ecoeur nicht in die «operative Leitung» eingebunden.
Sie ergänzt zudem, dass 80 Prozent des Umsatzes der Firma aus Elektroinstallationen stammen würden. Nur 20 Prozent entfallen auf Beratungsleistungen und Brandschutzkonzepte.
Die Nebentätigkeit ist legal: Hildbrand holte dafür eine Genehmigung beim Personalamt des Kantons Wallis ein. Der damalige Departementsvorsteher, Frédéric Favre von der FDP, unterschrieb diese im November 2021. Erst am 1. Januar 2023 übernahm er die Leitung des Amts.
Ein Gesetzesartikel ermöglicht die Ausnahme
Noth-Ecoeur erklärt gegenüber pomona.ch: «Der Gesetzartikel sieht zusätzliche Ausnahmen vor, wenn es sich um Familienunternehmen handelt.» Die Genehmigung war also keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Ausnahme vom üblichen Verfahren. Der Kanton habe bis heute keinen Interessenkonflikt festgestellt.
Kontakte zwischen dem Amt und der Firma finden laut Noth-Ecoeur stets ohne Hildbrand statt. Sie versichert: Es habe «nach Rücksprache mit dem Amtschef sowie Mitarbeitern des Brandschutzes kein Treffen dieser Art in Anwesenheit des Amtschefs gegeben».
Crans-Montana hat Folgen für den Brandschutz
Die Brandkatastrophe in Crans-Montana hat Folgen für Walliser Brandschutzbeauftragte, die Hildbrand unterstellt sind: Sie müssen jetzt einen obligatorischen Informationsanlass besuchen.
Die Sicherheitsbeauftragten sind zu regelmässigen Weiterbildungen verpflichtet. Diese Schulungen werden dieses Jahr im Hinblick auf neue Brandschutzvorschriften, die 2027 Inkrafttreten, ausgebaut.













