Wallis will nicht an fehlenden Brandschutzkontrollen schuld sein
Der Kanton Wallis hat sich am Dienstag gegen Versuche gewehrt, ihm eine Mitverantwortung für unterlassene Brandschutzkontrollen in Crans-Montana VS aufzubürden. Er reagierte damit auf Aussagen des Sicherheitsbeauftragten der Gemeinde im Rahmen von Einvernahmen zur Brandkatastrophe von Silvester.

Der seit Mai 2024 amtierende Sicherheitschef von Crans-Montana sagte den Ermittlern, eine Systemumstellung beim System zur Verwaltung der Aufgaben und Fristen habe seine Aufgabe erschwert und zu Verzögerungen bei den Brandschutzkontrollen beigetragen. Eine mit dem Fall vertraute Quelle bestätigte Keystone-SDA entsprechende Informationen des Westschweizer Radios und Fernsehens RTS.
Im Jahr 2022 habe ein Informatiker, der das System namens VS-FIRE verwaltete, versucht, die Polizei und die Feuerwehr zu erpressen, so der Sicherheitschef vor den Ermittlern weiter. Gegen den Informatiker wurde ein Strafverfahren eingeleitet und der Kanton Wallis beschloss, das System nicht mehr zu verwenden.
Laut dem Sicherheitsverantwortlichen übertrug sein Vorgänger in der Folge alle Daten zu den Kontrollen in eine Excel-Datei. Anschliessend musste ein neues System namens LODUR eingerichtet werden.
Dazu sagte der Kanton Wallis der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, im Jahr 2023 habe der Kanton alle Feuerwehren mehrfach aufgefordert, ihre jeweiligen Daten in kurzen Abständen ausserhalb der VS-FIRE-Plattform zu sichern. Das System VS-FIRE wurde anschliessend durch das System LODUR ersetzt, und die meisten Daten der Feuerwehren hätten gesichert und in das neue System integriert werden können.
Was die anderen vom Dienstleister konzipierten und entwickelten IT-Lösungen betrifft, insbesondere für Brandschutzkontrollen, «war es nicht Aufgabe des Kantons einzugreifen», so dessen Einschätzung.
Die Einvernahmen der Staatsanwaltschaft sollen am Mittwoch mit jener des Barbesitzers Jacques Moretti fortgesetzt werden, gefolgt von einer Einvernahme seiner Frau Jessica am Donnerstag. Beide wurden schon früher einvernommen. Die beiden Termine dienen in erster Linie dazu, dass Opfer-Anwälte dem korsischen Ehepaar Fragen stellen können.
Ebenfalls am Dienstag wurde bekannt, dass der Kanton Wallis die Sicherheitsbeauftragten der Walliser Gemeinden zu zwei Sitzungen einberufen hat. Die abendlichen Treffen seien in erster Linie als Gelegenheit zum offenen und konstruktiven Austausch gedacht. Das sagte Marie-Claude Noth-Ecoeur, Chefin der Dienstelle für zivile Sicherheit und Militär beim Walliser Staatsrat.
In allen Teilen des Kantons geben Sicherheitsbeauftragte hinter vorgehaltener Hand zu, dass ihnen die Mittel, insbesondere das Personal, fehlen, um alle Brandschutzkontrollen durchzuführen.
Der Kanton Wallis hat eine Totalrevision des Gesetzes über den Schutz vor Feuer und Naturgewalten eingeleitet. Die Schulungen für die kommunalen Sicherheitsbeauftragten werden in Kürze ebenfalls intensiviert. Schliesslich wird eine IT-Plattform entwickelt, die die Überwachung der von den Gemeinden durchzuführenden Kontrollen erleichtern soll.
Eine Anfrage bei verschiedenen Schweizer Spitälern ergab am Dienstag, dass vierzig Tage nach dem Brand in Crans-Montana mit 41 Toten und 115 Verletzten aktuell noch 25 Brandverletzte in Schweizer Spitälern behandelt werden.
Neun weitere Brandopfer liegen in den Rehabilitationskliniken der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt Suva in Sitten (8) und in Bellikon AG (1), wie die Suva-Kliniken am Dienstag mitteilten.
Im Ausland werden noch 17 Patienten in Frankreich, 6 in Deutschland, 12 in Italien und 4 in Belgien behandelt, insgesamt also 39 Personen gegenüber 41 am 2. Februar.
In Mailand gab der Sozialdezernent der Region Lombardei am Dienstag bekannt, alle im Mailänder Niguarda-Spital behandelten Personen seien jetzt ausser Lebensgefahr. Diejenigen, die auf der Intensivstation lagen, sind auf die Abteilung für Brandverletzte verlegt worden. Zudem durfte eine 55-jährige schweizerisch-italienische Doppelbürgerin das Spital verlassen.






