Türkischer Pianist von Migros wegen Gaza-Tweets ausgeladen
Wegen seiner Äusserungen über den Raketenanschlag auf das Al-Ahli-Spital Anfang der Woche verliert Fazil Say das Engagement für eine Klavierkonzertreihe.

Die Migros hat den türkischen Starpianisten Fazil Say wegen eines Tweets von einer Schweizer Konzertreihe ausgeschlossen. Say teilte auf dem Kurznachrichtendienst X (früher Twitter) einen Beitrag des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, der den tödlichen Raketeneinschlag von Anfang Woche beim Al-Ahli-Spital im Gazastreifen Israel zuordnete. Dazu schrieb Say, das sei eine vernünftige Erklärung Erdogans.
Israels Präsident Netanyahu sollte vor Gericht gestellt werden. Diese Äusserungen Says sind für den Migros-Genossenschaftsbund «nicht haltbar», wie ein Mediensprecher am Samstag auf Anfrage sagte. Das Online-Portal «blick.ch» hatte als erstes über die Ausladung Says berichtet.
Dieser hätte an vier Migros-Classic-Konzerten vom 23. bis 26. Oktober in Zürich, Bern, Genf und Luzern auftreten sollen, zusammen mit dem City of Birmingham-Orchester. Statt Say wird nun der Schweizer Pianist Lois Schwizgebel bei den Konzerten spielen.
Pianist beruft sich auf Meinungsfreiheit
Say bestätigte auf X die Ausladung der Migros und schrieb, er sei für Frieden. Er habe geglaubt, in Europa gelte die Meinungsfreiheit etwas. Was er auf den Sozialen Medien geschrieben habe, lasse er dort stehen.
Bei der Explosion auf dem Gelände des Al-Ahli-Spitals im Gazastreifen kamen nach Angaben der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas über 400 Menschen ums Leben. Hamas bezichtigt Israel, das Spital beschossen zu haben. Israel spricht dagegen vom Einschlag einer fehlgeleiteten Rakete der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad. Die Uno hat eine internationale Untersuchung verlangt.
Am Tag nach einem ersten Tweet zum Raketeneinschlag schob der türkische Präsident Erdogan einen zweiten nach, in dem er die Verantwortung nicht mehr Israel zuschob.











