Tierheime kämpfen mit Beschimpfungen bei Absagen

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Zürich,

Schweizer Tierheime sind in der Ferienzeit voll mit Katzen. Trotzdem erteilen sie Interessenten oft Absagen. Die Reaktionen fallen teilweise heftig aus.

Katzen
Wer eine Katze aus dem Tierheim haben will, muss ihr auch ein geeignetes Zuhause bieten können. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Vor den Ferien abgegebene Katzen verschärfen die Situation in den Tierheimen.
  • Dies bedeutet aber nicht, dass Interessenten leicht an eine Katze kommen.
  • «Manche Interessenten reagieren mit Beschimpfungen», meldet das Zürcher Tierheim Strubeli.

Regelmässig vor den Sommerferien wollen Herrchen und Frauchen ihre Katze loswerden. Dafür haben manche Anrufende kreative Ausreden auf Lager.

Die Abgabegründe seien so vielfältig wie die Katzen, sagt Esther Geisser zu Nau.ch. Sie ist Präsidentin der Tierschutzorganisation Network for Animal Protection (Netap). «Wobei die plötzliche Katzenallergie immer noch eine der meistgenannten Ausreden ist.»

Gerne würden Halter ihre kurzfristige Suche nach einem Platz auch mit «einem Notfall in der Familie» begründen.

Für die Tierschützerin steht fest: Viele Personen legen sich eine Katze zu, ohne zum Beispiel an eine Abwesenheitsbetreuung zu denken. «Die Ferien auf Mallorca sind dann wichtiger als die Katze», sagt Geisser trocken.

Kaum freie Plätze

Die Tierheime platzen bereits aus allen Nähten. «Im Tierheim sind momentan alle Zimmer voll, da auch noch Sommerferien sind und wir noch Ferientiere bei uns haben.» Dies sagt Katja Holenstein. Sie ist Leiterin des Tierheims Strubeli in Volketswil ZH.

«Momentan haben wir über 20 Katzen zum Platzieren, alles Mütter mit Jungen oder Findlingen», sagt sie. Das Tierheim beherbergt aber noch viele weitere Katzen. «Die Anfragen hören nicht auf.»

Tun sich Leute zu schnell eine Katze zu?

Auch das Tierheim des Aargauischen Tierschutzvereins ATS ist aktuell vollständig ausgelastet. «Neue Katzen können wir derzeit nur in absoluten Notfällen aufnehmen», sagt Geschäftsführerin Franziska Rettenhaber. Aktuell betreuten sie im Tierheim rund 40 Katzenwelpen und rund 30 erwachsene Katzen.

Auf ihren Pflegestellen befänden sich zusätzlich 22 Welpen, zwei Jungkatzen sowie eine Katzenmutter. «In anderen Sommermonaten liegen diese Zahlen in der Regel rund zehn Prozent tiefer.»

Trend bereitet Sorgen

Das Katzenheim des Tierschutzbunds Basel Regional ist in einer ähnlichen Situation. Zurzeit sei ihr Katzenheim stark ausgelastet, sagt Joël Hofer, Teamleiter des Katzenheims.

«Im Juni und Juli erreichten uns so viele Anfragen, dass wir zeitweise fast vollständig ausgelastet waren.» Sie hätten nur noch zwei freie Notfallplätze zur Verfügung gehabt.

Zeitweise hätten sie diesen Sommer knapp 80 Katzen gleichzeitig gehabt, die ein neues Zuhause gesucht hätten. «Mit über 30 Kitten war mehr als ein Drittel davon noch sehr jung.»

Ein Trend bereitet dem Tierschutzbund Sorgen. Sie beobachteten vermehrt Katzenabgaben, die hätten vermieden werden können, hätten die Halter die Anschaffung sorgfältiger vorbereitet, so Hofer.

Halter, die ihre Katzen nicht kastrieren, verschärfen die Situation. «Viele Leute kastrieren nicht», sagt Katja Holenstein. «Sie lassen die Katzen aber raus und finden das herzig, wenn sie trächtig nach Hause kommen und dann Babys gebären.» Andere verzichteten auf Kastrationen, weil solche Kosten.

«Macht keinen Sinn»

So voll die Tierheime sind, so gross ist die Nachfrage nach Katzenadoptionen in den Tierheimen. Dennoch erteilen die Heime regelmässig Absagen.

«Manche Interessenten reagieren mit Beschimpfungen, bekommen sie eine Katze nicht», sagt Katja Holenstein. Als Beispiel erwähnt sie eine Person in einer Ein-Zimmer-Wohnung ohne Balkon, die den ganzen Tag ausser Haus am Arbeiten ist. «Dann macht es einfach keinen Sinn, eine Katze zu adoptieren.»

Öfters meldeten sich über 80-Jährige, die ein Kitten adoptieren wollten. «Wir raten dann zu einer Adoption einer älteren Katze.»

Auch Joël Hofer bestätigt solche Reaktionen bei Absagen. «Einzelne Interessenten reagieren enttäuscht oder teilweise auch mit Beschimpfungen, wenn sie keine Katze von uns adoptieren können.» Für manche Menschen wirkten die Absagen angesichts der vollen Tierheime widersprüchlich.

«Bei einer Vermittlung geht es aber nicht darum, möglichst schnell irgendeine Katze unterzubringen.» Stattdessen sei das Ziel, für jedes Tier ein Zuhause zu finden, das möglichst gut zu seinen individuellen Bedürfnissen passe.

Ferienlösungen und finanzielle Mittel

Netap führt in der Schweiz regelmässig Kastrationseinsätze von Katzen durch. 2025 hat die Organisation in der Schweiz laut dem Jahresbericht rund 1150 Katzen eingefangen und kastriert.

Die Freiwilligen kümmerten sich zudem um die Unterbringung von über 500 Fundkatzen, Verzichtkatzen oder herrenlosen Katzen. Dazu kamen fast 100 verwilderte Katzen, die ihr Revier verloren hatten.

Oft auf Unverständnis trifft auch Esther Geisser, wenn Netap jemandem keine Katze abgibt. «Die Leute entgegnen dann, dass das Katzenelend gar nicht so gross sein könne», sagt Geisser.

Netap suche für Katzen jedoch nicht irgendeinen Platz, sondern ein sicheres Zuhause. In diesem werden den Bedürfnissen dieser bestimmten Katzen Rechnung getragen.

«Ein Revier neben der Hauptstrasse ist nun mal kein passendes Revier», sagt Geisser. Wichtig sei auch, dass potenzielle Katzenhalter sich vorab mit den Bedürfnissen von Katzen auseinandersetzten.

Auch sollten sie über die nötigen finanziellen Mittel verfügen. «Krankheiten und Unfälle können sehr hohe Kosten verursachen, diese müssen vorab einkalkuliert werden oder man schliesst eine Versicherung ab.»

Katja Holenstein betont, dass ein Haustier ein Lebewesen mit Bedürfnissen und Wünschen sei. «Und kein Artikel, den man sich mal so aus einer Laune heraus ins Haus holt.»

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Kommentare

User #2439 (nicht angemeldet)

Es kann sehr diskriminierend sein!

User #3477 (nicht angemeldet)

Wenn Jemand sich ein Tier snschafft sollte er sich verpflichten müssen per Vertrag die Sorgepflicht zu übernehmen! Und nicht wenn es nichtmehr passt das Tier in ein Heim abzuschieben?

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