Baschi: «Mein Sohn ist jetzt der Star!»
Anlässlich seines 40. Geburtstags und der Geburt seines Sohnes blickt Baschi im Interview auf das, was ihm im Leben wichtig ist.

Baschi, der am 6. September 1986 als Sebastian Bürgin in Gelterkinden BL geboren wurde und seit 2019 in Zürich wohnt, belegte 2004 in der ersten «MusicStar»- Staffel nur Platz 6, deutete jedoch trotz seiner Jugend bereits an, dass er mehr Charisma als die meisten seiner Kollegen besitzt.
Mit Hits wie «Gib mer e Chance», «Irgendwie wunderbar», «Fürs Volk» und «Bring en hei», der ultimativen Schweizer Fussball-Hymne, wurde er zum Fixstern am Schweizer Pophimmel. Fünf Alben erreichten schon Platz 1 der Charts.
Der soeben erschienene 10. Streich «Bürgin» des frischgebackenen Familienvaters ist eingängig und zeugt davon, dass er mit seiner Ehefrau Alana, Tochter des legendären Fussballstars Günter Netzer, weiter gereift ist, aber seinen Charme nicht verloren hat. Baschi tritt am 31. Oktober im Volkshaus auf.
Redaktion: Wie haben Sie die Schwangerschaft und Geburt Ihres Kindes erlebt?
Baschi: Alana und ich haben immer wieder darüber nachgedacht, wie es wäre, wenn wir Eltern würden, wollten uns jedoch nicht unter Druck setzen. Trotzdem kamen Gerüchte auf.
Ich musste mich auch nicht wundern, habe ich in den Interviews doch Sachen wie «Vielleicht ist es bald so weit» gesagt. Dann haben wir es ein Jahr lang probiert, bis es geklappt hat. Das ist mir ganz schön eingefahren …

Redaktion: Weshalb?
Baschi: Es tönt oft, als wäre es leicht, Kinder zu machen. Nein, Kinder sind ein Geschenk der Natur, ein Wunder! Die neun Monate bis zur Geburt sind ein langer Weg, auch für die Beziehung.
Frauen tragen den Löwenanteil, müssen besonders auf ihren Körper achten, Männer können sie unterstützen. Alana hatte jedoch eine mega schöne Schwangerschaft ohne Komplikationen. Einzig die Geburt kam etwas zu früh.
Redaktion: Aber Sie waren zur Stelle?
Baschi: Als Alana nach dem Nachtessen Bauchschmerzen bekam, dachte ich zuerst, es hätte an meinem Ossobuco gelegen. Wir riefen bei der Klinik Hirslanden an und sollten gleich vorbeikommen.
Nach der Untersuchung meinte die Ärztin, nun gehe es los. Wir dachten, am nächsten Morgen, aber sie klärte uns auf, dass das Baby in einer Stunde da wäre. Die Wehen hätten schon eingesetzt.
Redaktion: Und dann wurden Sie nervös?
Baschi: Natürlich waren Alana und ich nervös, aber wir hatten keine Zeit, noch nervöser zu werden. Wir liessen uns von der ruhigen Atmosphäre anstecken, die an einem Sonntag in einem Spital herrscht.
Kurz darauf hatte ich Lennon im Arm und machte zum ersten Mal Bonding.
Redaktion: Wie würden Sie Ihre Emotionen beschreiben?
Baschi: Ich bin nicht völlig zusammengebrochen, aber die Gefühle waren überwältigend. Es wurde mir bewusst, dass ich nun Vater bin und eine Familie habe.
Als wir am nächsten Tag nach Hause kamen, herrschte natürlich noch das gleiche Durcheinander wie vor unserem überstürzten Aufbruch, aber immer, wenn ich zum Kleinen hinüberschaute, der in seinem Bettchen friedlich schlief, dachte ich liebevoll: «Hey, du bist es, der jetzt über mein Leben bestimmt».

Redaktion: Sind Sie häuslicher geworden?
Baschi: Schon ein bisschen, aber vor allem nehmen wir Lennon überall hin mit, ins Restaurant oder auf den See. Er lernt die Welt schon früh kennen, wird immer aufmerksamer und flirtet bereits mit anderen Gästen.
Als wir in Gstaad waren, hat sich alles um ihn gedreht. Er ist jetzt der Star. Aber ich habe keine Mühe, ihm diesen Platz zu überlassen.
Redaktion: Sind Sie sicher?
Baschi: Ja, das Timing ist perfekt. Ich bin seit fünf Jahren mit Alana verheiratet, werde bald 40, habe vieles schon gesehen und stehe mit beiden Beinen auf dem Boden.
Redaktion: Im Lied «Neus Läbe» singen Sie, bekannt als liebenswerter Chaot, für Ihren Sohn hättet Ihr euer Leben aufgeräumt. Können Sie ein Beispiel machen?
Baschi: Wir haben ein Zimmer für ihn freigeräumt und waren mental bereit. Da konnte ich ruhig der Chaot mit Herz, der ich nun mal bin, bleiben.

Gleichzeitig fühle ich mich immer verantwortlich, für ihn, meine Frau, mein Management oder meine Plattenfirma. Ich bin sehr loyal und musste nie Altlasten mit mir herumschleppen.
Redaktion: Wie hat Lennon das neue Album beeinflusst?
Baschi: Als er geboren wurde, war es zum Glück schon fertig. Nach meinem «Vaterschaftsurlaub» und ein paar Festival-Auftritten kann ich mit gutem Gewissen ab Oktober auf meine bislang grösste Clubtournee gehen. Durch Lennon bin ich noch motivierter, musikalisch Vollgas zu geben.
Schliesslich habe ich eine Familie zu ernähren. So konnte ich auch meinen Schlagzeuger beruhigen, der mich anrief, nachdem er von der Schwangerschaft gehört hatte. Er befürchtete, ich würde länger keine Konzerte mehr geben.
Das ist nicht nötig, da ich mir meine Zeit einteilen und mich Lennon voll widmen kann, wenn ich nicht mit der Musik beschäftigt bin.

Redaktion: Was hat Sie in Ihren ersten Monaten als Eltern am meisten überrascht?
Baschi: Vor der Geburt warnten mich alle, als Vater könne man am Anfang nur danebenstehen, ein stiller Begleiter sein. Das stimmt überhaupt nicht. Ich wechsle Windeln, beruhige Lennon, halte ihn auf meiner Brust oder gebe ihm den Schoppen.
Redaktion: Der Titelsong «Bürgin» handelt von Ihnen und Ihrer ganzen Familie. Woran erkennen Sie schon, dass Lennon ein Bürgin ist?
Baschi: Er hat jetzt schon seinen eigenen Kopf. Und er hat Haare! (lacht) Ich kann es dir beweisen. (zeigt auf seinem Handy ein Foto seines Sohnes) Dank ihm wird der Name Bürgin erhalten bleiben. Alana wollte das, er hätte ja ebenso gut Netzer heissen können.
Redaktion: Baut der Vorname nicht etwas viel Druck auf, wie Sie Musiker zu werden?
Baschi: Das wollen wir auf keinen Fall. Er soll machen können, was er will, ob es nun kreativ, sportlich oder etwas ganz anderes ist. Wir haben Lennon nicht wegen der Beatles gewählt, sondern weil uns gälische Namen gefallen. Alana ist ja auch einer.
Redaktion: Wie kam es zu Ihrer ersten Zusammenarbeit mit Thomas Fessler, einem der erfolgreichsten Schweizer Produzenten?
Baschi: Ich wartete 20 Jahre, obwohl sie eigentlich schon früher auf der Hand gelegen hätte, aber jetzt war es der richtige Zeitpunkt. Wir haben gegenseitig grossen Respekt, aber pflegten einen lockeren Umgang.
Redaktion: Welchen Einfluss hat Alana auf Ihre Lieder?
Baschi: Sie ist meine härteste Kritikerin. Von zehn Songs gefallen ihr vielleicht drei. Das schmerzt manchmal, entspricht jedoch ihrer deutschen Direktheit, und ich bin froh, dass wir so offen sind. Alana wählt auch nicht immer die falscheste Single aus. (Lacht)
Redaktion: In «1700 Stutz» singen Sie über käufliche Liebe. Spielen Sie Ihre erste Gitarre noch?
Baschi: Nein, die habe ich verschenkt. Aber es ist schön, dass Sie erkannt haben, dass es sich bei meiner ersten Liebe um eine Gitarre handelte und ich das Geld nicht, wie einige Leute meinten, an der Langstrasse investiert hatte.
Ich finde es schwierig, Uptempo-Rocksongs zu schreiben, die sich nicht um zwischenmenschliche Beziehungen drehen. Für mich sind Hecht in der Schweiz die Einzigen, die das richtig gut hinkriegen. «1700 Stutz» ist nicht der beste Song des Albums, aber er soll auch in erster Linie für gute Laune sorgen.
Redaktion: Ist die aktuelle Single «Fründe» von einer spezifischen Erfahrung inspiriert?
Baschi: Vieles, was darin beschrieben wird, habe ich so erlebt. Im Grunde geht es mir jedoch darum auszudrücken, dass echte Freundschaft ewig dauert.
Egal, wie lange man einander nicht mehr gesehen hat, kann man schnell wieder andocken. Solche Freunde sind rar. Wer behauptet, er hätte 15 davon, lügt. Ich kann sie an einer Hand abzählen.
Redaktion: Zu den Höhepunkten zählt «Bi dir». Haben Sie dieses Duett zusammen mit Stefanie Heinzmann geschrieben?
Baschi: Das Klavier am Anfang und die Strophe dieser sprechgesangmässigen Ballade entstanden zuerst. Den Refrain, der vielen gefiel, ersetzte ich, weil ich fand, er hätte sich erschöpft. Danach dachte ich, es wäre schön, das Lied zusammen mit einer Frau zu singen.

Ich rief Stefi an und fragte sie: «Hesch Bock uf Schwiizerdütsch?» Eine Premiere. Sie kam zwei, dreimal ins Studio und unsere Stimmen harmonierten super.
Redaktion: Das andere Duett «Vino Rosso» mit Valentino Vivace ist eine wunderbare Zeitreise in die Epoche, in der die Schweizer noch in Italien Sommerferien machten. Auch die Bürgins?
Baschi: Meine Eltern haben in ihrem Coiffeur-Salon in Gelterkinden so viel gearbeitet, dass wir die meiste Zeit bei unseren Grosseltern verbrachten, aber die Ferien waren ihnen heilig. Sie sparten an nichts.
Es ging nach Italien, Griechenland oder Portugal. Wir unternahmen viel und ich trug neben diesen Erinnerungen auch die Musik nach Hause, die in den lokalen Radiostationen lief. Als ich jetzt im Studio zufällig das Playback von «Vino Rosso» hörte, zeigte sich wieder mein Flair fürs Italienisch.
Im Schülerchor hatte ich schon Zuccheros «Baila» und in «Sing meinen Song» Peter Rebers «Io Senza Te» gesungen.
Redaktion: Das nachdenkliche Finale mit «12 Chnote» wirft die Frage auf, wie Sie damit umgehen, dass Lennon in eine Welt geboren wurde, die vor sehr grossen Herausforderungen steht.
Baschi: Wenn man nicht mit einer gewissen wohltuenden Naivität darauf blickt, könnte man wirklich verrückt werden. Die Klimaveränderung und die damit verbundenen extremen Wetterereignisse können allein schon eine Bedrohung für die Menschheit werden, ebenso Kriege oder Krankheiten.
Aber ich bin ein Optimist. Ich denke positiv. Hoffnung macht mir vor allem, dass wir fähig sind zu lernen.
Redaktion: Es könnte Ihnen wohl auch kaum mehr besser gehen als im Moment ...
Baschi: Von aussen betrachtet könnte man das wirklich denken. Es ist auch so, dass gerade sehr viel stimmt. Alle sind mega happy. Alana, meine Mutter, Elvira und Günter (Netzer).
Er sagt, Lennon sei für ihn das Schönste seit der Geburt ihrer Tochter. Er hätte sich im Spital am liebsten ein Zusatzbett genommen, um Alana und seinem Enkel möglichst nahe zu sein.
Redaktion: So emotional erlebt man Günter Netzer in der Öffentlichkeit sonst gar nicht.
Baschi: Er ist unfassbar stolz, hält Lennon stundenlang im Arm, bis er eingeschlafen ist, oder schiebt den Kinderwagen, wenn wir am See spazieren gehen. Günter ist mit 81 noch topfit und mit Elvira viel auf Reisen.
Wenn er zu Hause ist, besuchen wir oft Fussballspiele, wobei ihn die Leistungen der Grasshoppers schon sehr ernüchtern. Da zieht er Bayern München deutlich vor, obwohl er dort nie gespielt hat.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.












