Zwischen 2010 und 2020 ist die Arbeitszeit von Schweizern um rund zwei Wochen zurückgegangen. Es zeigt sich eine grosse Diskrepanz zwischen den Geschlechtern.
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Im Schnitt arbeiten die Schweizer rund zwei Wochen weniger als im Jahr 2010 (Symbolbild). - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Jahr 2020 reduzierte sich die Arbeitszeit pro Kopf um rund sechs Tage.
  • Diese ging über zehn Jahre – 2010 bis 2020 – um rund 14 Arbeitstage zurück.
  • Als einer der Gründe gilt die Corona-Pandemie.

Im ersten Corona-Jahr 2020 ging die Arbeitszeit umgerechnet pro Kopf um 6,4 Tage zurück. Das ist so viel wie in den neun Jahren davor zusammengenommen. Aber trotzdem wenig im Vergleich zu den meisten Nachbarländern. Eine Ausnahme bildet das Gastgewerbe, wo die Arbeitszeit in der Schweiz 2020 um 22,2 Prozent abnahm.

Über die ganzen zehn Jahre 2010 bis 2020 ging die Arbeitszeit im Schnitt um 13,8 Arbeitstage zurück.

Kurzarbeit zwischen 2019 und 2020

In den Jahren vor Covid-19 lässt sich die Verringerung mit der Zunahme der Teilzeitarbeit erklären. Hinzu gekommen sind auch Ferien, Abwesenheitsgründe und ein Rückgang der Überstunden. Dies erläuterte das Bundesamt für Statistik (BFS) in seiner Auswertung vom Donnerstag erläutert.

Zwischen 2019 und 2020 waren die rückläufigen Arbeitsstunden gemäss BFS hauptsächlich auf Kurzarbeit sowie «andere Gründe» zurückzuführen. Dazu gehört die Quarantäne oder Betriebseinschränkungen bei Selbstständigerwerbenden.

Diskrepanz zwischen Männern und Frauen

Auffällig ist die Diskrepanz zwischen Männern und Frauen: Männer arbeiteten im Jahr 2020 rund 18,5 Tage weniger als 2010. Frauen hatten lediglich 7 Tage zusätzlich frei. Der Unterschied geht vor allem auf die Jahre vor der Pandemie zurück. 2020 nahm die Arbeitszeit bei beiden Geschlechtern gleich stark ab.

Arbeit
Männer setzen vermehrt auf Teilzeitarbeit. - AFP/Archiv

Dass die Arbeitsstunden bei den Männern deutlicher sanken als bei den Frauen, ist auf die stärkere Zunahme der Teilzeitarbeit zurückzuführen. Frauen haben schon immer viel Teilzeit gearbeitet.

Einfluss der Staatsangehörigkeit auf die Arbeitszeit

Auch die Staatsangehörigkeit wirkte sich auf die Arbeitszeit aus: Vor Covid ging die Arbeitszeit von Schweizer Staatsangehörigen um 8,7 Arbeitstage zurück, bei Ausländern dagegen nur um 6,5 Arbeitstage.

Im ersten Corona-Jahr kehrte sich die Situation freilich um: Die Arbeitszeit von Ausländern verringerte sich 2020 um 10,1 Tage. Diejenige von Schweizern aber nur um 4,6 Tage. Über die ganzen zehn Jahre gesehen glich sich der Unterschied fast aus und betrug nur noch 1,2 Prozentpunkte.

Wirtschaftszweige unterschiedlich stark betroffen

Signifikante Auswirkungen auf die Arbeitszeit hatte auch die Selbstständigkeit: Über das ganze Jahrzehnt betrachtet hat die Arbeitszeit von Selbstständigerwerbenden um 20,5 Tage pro Kopf abgenommen. Bei den Arbeitnehmenden aber nur um 13,1 Tage. Vor der Pandemie verringerte sich der Unterschied von Jahr zu Jahr, 2020 klaffte die Schere wieder weiter auseinander.

Baugewerbe
In Sparten wie dem «Baugewerbe» wurde 2020 fast gleich viel gearbeitet wie 2010. - AFP/Archiv

Die Wirtschaftszweige wurden unterschiedlich stark vom Arbeitszeitrückgang betroffen. Vor Covid-19 ging die Arbeitszeit in der Kultur, der Land- und Forstwirtschaft und der Öffentlichen Verwaltung überdurchschnittlich zurück. In diversen Sparten wurde 2020 fast gleich viel gearbeitet wie zehn Jahre davor. Dazu gehören «Transport und Lagerei», «Baugewerbe» und «Verarbeitendes Gewerbe/Energieversorgung».

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